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Hubert von Goiserns "Haomspü" bei Clam-Open Air

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Sechs Jahre hat es gedauert - auch Pandemie-bedingt - bis Hubert von Goisern 2022 endlich wieder auf einer Bühne steht. Am Freitagabend spielte der 69-Jährige auf Burg Clam ein vielumjubeltes Open Air-Konzert im Rahmen seiner nach dem aktuellen Album benannten "Zeiten und Zeichen"-Tour - zweieinhalb Stunden mit viel Neuem und viel Altem, der erwarteten Riesenportion alpiner Urgewalt, aber auch Wehmut, Sensibilität und Intensität.

Überschattet war der Abend zunächst von lange drohenden Unwettern. Doch die Burg Clam im südlichen Mostviertel (OÖ) blieb schlussendlich verschont und Hubert von Goisern und seine Fans konnten völlig unbehelligt von Wetterunbillen ein "Haomspü" genießen, was Hubert von Goisern gleich zur Ansage "Danke fürs Wolkenschieben!" veranlasste. Der erste Teil des Abends war ganz dem 2020 erschienen aktuellen Album "Zeiten und Zeichen" gewidmet, mit dem rockigen "A Tag wia heit" gleich zum Start. Das aktuelle Werk hat eine riesige Bandbreite, von gewohnt Kritischem im Alpinrock-Gwandl über zahlreiche stilistische Ausflüge, bisweilen auch an die Ränder von Blödel-Pop und Parodien.

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"El Elektro" etwa entpuppte sich live als Electronic Beat-Hammerl der Sonderklasse, ist aber eigentlich als komplette Verar...ung dieses Genres gedacht. Auf eine durchaus vom Öko-Gewissen getriebene Erzählung über das Leben der Inuit und die wegen der Erderwärmung permanent kalbenden Gletscher folgte das Lalala-Pop-artige "Eiweiß" (welches die Eisbären z. B. in Form ihrer menschlichen Opfer permanent suchen...).

Bedrückend treffend war dann der Anti-Rammstein & Co-Song "Brauner Reiter", vor allem inhaltlich ebenso die Geschichte des jüdischen Operetten-Autors Fritz Löhner-Beda (u. a. "Land des Lächelns", "Giuditta", "Viktoria und ihr Husar", "Die Blume von Hawaii"), der wie seine gesamte Familie von den Nazis umgebracht wurde - wovon sein langjähriger Kompositionspartner Franz Lehar nichts bemerkt haben wollte; und diese Geschichte beeindruckend - und völlig unpeinlich - als Rap, das muss man erst einmal hinbekommen.

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Letztes - großartiges - Beispiel des "unkonventionellen Hubert von Goisern": "Sünder", ebenfalls vom aktuellen Album - quasi die tanzbare Apokalypse. Und natürlich waren auch Corona & Co und vor allem deren gesellschaftlichen Konsequenzen Thema, etwa bei der Einleitung von "Meiner Seel'", das sich um die mittlerweile weit verbreitete Relativierung/Verleugnung von Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen dreht. Der eindeutigste Satz dazu: "Es gibt nur eine einzige Weltverschwörung, und das ist die der Dummheit."

Am Ende des tollen, langen Abends war dann "Brenna tuats guat" ein mitreißender Höhepunkt und die Rückkehr zu Alt-Bekanntem zugleich. Bei den Zugaben - vor allem "Weit weit weg" und "Heast as net" - drückte Hubert von Goisern dann ganz mächtig aufs Gemüt - Musiker und Publikum verschmolzen zu einer wehmütig-gerührten Einheit. Zu allerletzt setzte er sich allein mit einer Gitarre hin und spielte die neue Ballade "Dunkelrot", in Hochdeutsch gesungen. Das wird den zahlreichen Fans des auf das Samstag-Konzert in Tulln (NÖ) folgenden Deutschland-Teils der Tour sicherlich ganz besonders gefallen.


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