Bernhard Lorentz: „Kein Weg zurück beim Klimaschutz“
Der Ukraine-Krieg samt Energie- Verwerfungen werde den ökologischen Umbau laut Deloitte beschleunigen. Zuvor wird es hart.
Alpbach – Schon jetzt habe der Klimawandel, wie allein der heurige Sommer auch in Europa gezeigt habe, massive Folgen für Menschen und Wirtschaft. Die möglichst rasche globale Dekarbonisierung sei ein Megathema und überdringlich, sagt der bei der weltgrößten Beratungsgesellschaft Deloitte für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zuständige Bernhard Lorentz. Unser zukünftiger Wohlstand hänge davon ab, ob der Transformationsprozess hin zu mehr Nachhaltigkeit gelinge oder nicht.
Für Lorentz gibt es beim Klimaschutz keinen Weg zurück, wie er in Alpbach („Das Forum ist hochkarätig wie ein kleines Davos“) gegenüber der TT sagte. Der Green Deal der EU sei richtig und unumkehrbar, er habe aber umfassende Folgen für alle. Schon im nächsten Jahr wurden mehr E-Autos als solche mit Sprit-Antrieb verkauft. Und es sei klar, dass ab 2030 keine Autos mehr mit Diesel- oder Benzinantrieben gebaut würden.
Österreich habe mit Leonore Gewessler (Grüne) eine hervorragende Umweltministerin und liege beim ökologischen Umbau der Wirtschaft unter den Top-3-Ländern in Europa, so Lorentz. Wenn es das Ziel gebe, bis 2040 klimaneutral zu werden, dann müssten die Unternehmen bei jeder Investition jetzt die Weichen richtig stellen. „18 Jahre, das ist morgen.“ Wer angesichts der langen Laufzeiten nicht auf die künftigen Gegebenheiten eingehe, der schaffe Stranded Assets, vernichte also Vermögen.
Europa habe bisher drei klare Gewissheiten gehabt – den militärischen Schutz durch die USA, billige Rohstoffe aus Osteuropa und günstige Lieferungen nach China. All dies sei jetzt in Frage gestellt und für alles müssten jetzt Lösungen gefunden werden, betont Lorentz.
Bei der Energie müsse man möglichst rasch raus aus Öl, Gas und Kohle. Das werde durch den Ukraine-Krieg und die Energie-Turbulenzen sicher beschleunigt. Bis dieser Wechsel hin zu erneuerbarer Energie aber geschafft ist, brauche es wohl große Kompromisse und Notlösungen, um diesen zwei- bis vierjährigen Marsch durch das „Death Valley“ möglichst unbeschadet zu überstehen. Das sei machbar, wenn Politik und Wirtschaft gemeinsam an einem Strang ziehen. (TT)
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