Laufsport

Karwendelmarsch: Wie eine Sammelaktion zum Klassiker mutierte

Am Samstagmorgen, Punkt 6 Uhr, herrscht in Scharnitz Aufbruchsstimmung: Die 2500 Karwendelmarsch-Teilnehmer setzen sich in Bewegung, vorneweg die Läufer.
© Karwendelmarsch

Der Karwendelmarsch schließt in Nach-Corona-Zeiten an den Boom der Jahre zuvor an. 2500 Geher und Läufer nehmen die Strecke in Angriff.

Von Florian Madl

Innsbruck – Nicht weiter verwunderlich: Als im Dezember 2021 das Internet-Anmeldeportal für die 13. Auflage des Karwendelmarschs geöffnet wurde, gingen die 2500 Startplätze weg wie die warmen Semmeln. Innerhalb von 17 Stunden war die Veranstaltung ausverkauft, das erinnert an Rockkonzerte oder Fußball-Klassiker. Und nicht weniger legendär ist der Lauf zwischen Scharnitz, wo am Samstag (6 Uhr) der Start erfolgt, und Pertisau. Ob 35 km bis zum Ausstieg in der Eng oder doch 52 km (2000 Hm), ob im Laufschritt oder als Walker, spielt keine Rolle.

Ob mit Stecken oder ohne – das Ziel bleibt dasselbe.
© Karwendelmarsch

Martin Tschoner, Geschäftsführer Achensee Tourismus, setzt auf Tradition und Kontinuität, auf Naturverbundenheit und gedeihliches Miteinander: „Es bleibt auch heuer alles beim Alten. Unsere 300 Helfer würde ich schon als Stammpersonal bezeichnen – es sind wie immer die gleichen Vereine und Leute, die extra auf diesen Tag ihre Urlaubsplanung abstimmen.“ Die naturschutzrechtliche Genehmigung wurde kürzlich bis 2026 verlängert. Für Tschoner „ein gutes Beispiel“ für die Resonanz. Und auch mit den Grundeigentümern herrsche ungeachtet des Auflaufs ein gutes Einvernehmen.

Dass sich am Samstag um 6 Uhr morgens überhaupt so eine Masse in Bewegung setzt, um die Naturschönheit des Karwendelgebirges mit Besonderheiten wie dem Ahornboden zu erkunden, geht auf eine Hauptvorstandssitzung des Tiroler Skiverbands auf der Hungerburg zurück. Damals im Herbst 1968 ging es um die Finanzierung eines Busses für den nordischen Skinachwuchs. Und um den zu finanzieren, zog man zunächst die Ausrichtung eines Langlauf-Rennens durchs Karwendel in Erwägung. Doch organisatorische Bedenken bis hin zur Lawinengefahr ließ die Initiatoren von der Idee Abstand nehmen – es blieb also nur die sommerliche Marschvariante über Almen und Jöcher von Scharnitz nach Pertisau. Schon 1969 fanden sich rund 1400 Bergfreunde zur Premiere ein – der Beginn einer tollen Geschichte.