Groschup im Augsburger Textilmuseum: Unterwegs in realen und surrealen Gefilden
Was sie alles ist, kann die Innsbrucker Konzeptkünstlerin Sabine Groschup im Augsburger Textilmuseum vorführen.
Von Edith Schlocker
Augsburg – An Giorgio de Chirico, den Großmeister der Pittura metaphisica, habe sie bei der Inszenierung ihrer aktuellen (noch bis 9. Oktober laufenden) Personale im Augsburger Textilmuseum gedacht, sagt die in Wien lebende gebürtige Innsbruckerin Sabine Groschup. Um auf mehr als 1000 Quadratmetern vorzuführen, was sie alles ist: Filmemacherin, Stickerin, Näherin, Bildhauerin, Klangkünstlerin.
Letztlich im Konzeptuellen unterwegs, um je nach Projekt scheinbar mühelos von Medium zu Medium zu switchen. Mag Groschup doch das kleine, intime Format genauso wie die ganz große Bühne, opulente virtuelle Bilder und auch mühsam von Hand gestickte, minimalistische Klanginstallationen genauso wie Literarisches. Ein fertig geschriebener neuer Roman liegt bereits in der Schublade, verrät die 63-Jährige, einen Verlag für seine Veröffentlichung zu finden, hatte die Vielbeschäftigte bis jetzt allerdings keine Zeit.
Ob aus dem Projekt, mit dem sich die Lassnig-Schülerin bei der Tiroler Künstlerschaft beworben hat, etwas wird, kann sie noch nicht sagen. Wäre schön, war von der Preisträgerin für künstlerisches Schaffen der Stadt Innsbruck von 2012 hierzulande doch schon länger nichts mehr zu sehen. Auch wenn man sich noch gut an die 2019 von Groschup bemalten Briefkuverts erinnert, die sie entlang der Estrade der Innsbrucker RLB-Kunstbrücke aufgehängt hat. Oder an ihr vor sechs Jahren im Tiroler Landesmuseum präsentiertes Projekt (JC{639}½EDITION ETC. Basierend auf einem 1985 von John Cage komponierten Stück, das laut Anweisung seines Schöpfers „so langsam wie möglich“ gespielt werden sollte.
Was seit dem 5. September 2001 in einer kleinen Kirche im ostdeutschen Halberstadt auch wirklich passiert und im Idealfall 639 Jahre dauern wird. Wie auf diese Weise das Phänomen Zeit bewusst gemacht wird, hat Groschup analog zu den 89 Tönen der Cage’schen Musik zu 89 filmischen Szenen inspiriert, die per Zufallsgenerator immer wieder neu gemischt werden. 70 davon sind in der Augsburger Ausstellung genauso zu sehen wie die von der Künstlerin gestickte Partitur der Musik.
Präsentiert in einem der zahllosen „Häuschen“, die von bunten Stoffbahnen umhüllt sind und die realen Fensterfronten der ehemaligen Fabrikshalle spiegeln. Wodurch ein reizvoll surreales Ambiente entsteht, die Raumbühne zur Traumbühne mutiert und somit zum idealen Spielort für die Kunst Sabine Groschups. In der es um die großen Fragen des Menschseins wie Liebe und Tod, Trauer, das Endliche wie das Unendliche geht. Umgesetzt von der durchaus feministisch durchpulsten Künstlerin gern in textilen Medien, gerade wegen ihrer traditionell weiblichen Besetztheit.
Um stickend längst obsolet gewordene Stereotype im Zusammenhang mit der Rolle der Frau liebevoll irritierend zu hinterfragen. Diese Tüchlein flattern in Augsburg an Wäscheleinen, genauso wie an diesen ihrer Flauschigkeit und somit Sinnhaftigkeit beraubte Bademäntel, Handtücher und Waschlappen hängen. Mit unterschiedlichen Spielarten des Begriffs von Weiblichkeit setzen sich auch skurrile, in Kutten gehüllte Figuren auseinander, während in anderen perspektivisch reizvoll surreal verschobenen Häuschen die Filmemacherin Groschup präsentiert wird.
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