Tassilo Wallentin: „Der Bundespräsident kann ein Ideengeber sein“
Tassilo Wallentin ist fest davon überzeugt, den Amtsinhaber in der Hofburg besiegen zu können.
Von Wolfgang Sablatnig
Wien – In der Kanzlei von Bundespräsidentschaftskandidat Tassilo Wallentin im 1. Wiener Bezirk nahe der Börse gibt es viel zu sehen. Der Rechtsanwalt, Kolumnist und Autor hat ein Faible für Kunst: Gemälde, große und kleine Skulpturen, Drucke und Zeichnungen – einiges davon Geschenke von Klienten – stechen ins Auge. Besonders auffällig: ein großes Foto von Arnold Schwarzenegger, natürlich mit fetter Zigarre, inmitten der großen Bücherwand im Besprechungszimmer. Die steirische Eiche als Inspirationsquelle? Durchaus.
„Mich beeindruckt, dass er gegen sehr viele Widerstände seinen Weg gemacht und Dinge getan hat, die man bis dahin für unmöglich gehalten hat. Man kann von ihm viel lernen, etwa keine Angst vor dem Scheitern zu haben“, sagt Wallentin. Das könnte man als Parallele zum Bundespräsidentenwahlkampf sehen. Denn Wallentin ist fix davon überzeugt, dass Alexander Van der Bellen von ihm zu schlagen ist. Obwohl bisher noch jeder Amtsinhaber hierzulande, der sich der Wiederwahl gestellt hat, diese auch gewonnen hat. „Ich finde, die größte Niederlage ist, wenn man etwas nicht versucht hat“, so der 48-jährige Wiener zu seinem Antreten.
In der Kanzlei ist Wallentin momentan beurlaubt – „das geht gar nicht anders“. Im Wahlkampf wird er von einem kleinen Team und einer Tiroler Agentur unterstützt. Bei den Unterstützungserklärungen sei er vor allem in Tirol und Kärnten stark gewesen, erzählt er. „Tirol kenne ich noch gut aus meiner Zeit beim Bundesheer (Wallentin ist Leutnant der Reserve, Anm.), es gibt keinen Tiroler Berg, auf dem ich nicht oben war.“ Schon aus Respekt den Wählern gegenüber will Wallentin vor dem 9. Oktober noch alle Bundesländer besuchen. Wie hoch sein Wahlkampfbudget ist, kann er nicht beziffern, die Anschubfinanzierung von Milliardär Frank Stronach (ein niedriger sechsstelliger Betrag) war jedenfalls schnell aufgebraucht.
Warum er glaubt, dass er der bessere Bundespräsident wäre? „Nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Und ich denke, dass die Zeiten, in denen wir leben, sich geändert haben. Diese Krisen, die wir jetzt haben, die beschreibe ich seit zehn Jahren in meinen Büchern und ich habe auch Lösungsansätze dafür gegeben. Aber die sind nur zu bewerkstelligen, wenn jemand von außerhalb des etablierten Politikbetriebs kommt“, erklärt der Anwalt. Er ist davon überzeugt: „Die Menschen haben dieses Links-rechts-Schema, diese starre Parteiideologie satt. Die wirklich großen Fragen unserer Zeit löst man nicht links/rechts sondern vernünftig oder unvernünftig. Die Menschen spüren, dass die Zeit jemanden verlangt, der so denkt. Und Van der Bellen ist weit entfernt davon. Und deshalb glaube ich, dass er der falsche Mann für diese Zeit ist“.
Eine von Wallentins Ideen ist die einer Art Managerhaftung für Politiker. Und er würde das Amt des Bundespräsidenten aktiver auslegen. „Ich glaube nicht, dass die Verfassungsväter einen passiven Bundespräsidenten wollten. Durch die Direktwahl will man ja den Präsidenten als Gegengewicht zur Regierung haben, jemanden, den die Menschen als Person gewählt haben. Ich denke, dass ein Präsident ein Ideengeber sein muss, der kann auch Impulse setzen. Es ist sicherlich nicht so, dass ein Präsident einfach ein Kommentator sein muss, der den Ereignissen hilflos zuschaut“, sagt Wallentin. Die Regierung sofort zu entlassen, wie es manche Mitbewerber angekündigt haben, ist nicht sein Ansatz. „Führungsstärke heißt ja vielmehr, aus den bestehenden Leuten die Höchstleistung herauszuholen.“
Kommentare