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Markus Koschuhs „wOhnmacht“: Dauerbrenner aus (Bau-)Gründen

Markus Koschuhs „wOhnmacht“ erzählt von der Wohnsituation in Tirol. Ein Kabarettprogramm mit etlichen Rollenwechseln und wenig Zeit für Blödelei.

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Koschuhs Programm hat’s auf die „Großkopfeten“ abgesehen.
© Böhm

Von Barbara Unterthurner

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Innsbruck – Obacht! Ein Zahlengewitter zieht auf: Vierzimmerwohnung in Innsbruck, 117 Quadratmeter: 1,75 Mio. Euro; Garçonnière in Flaurling, 22 Quadratmeter: 600 Euro monatlich. Vier Zimmer in Steinach? 570.000 Euro. Dafür aber mit Autobahnzufahrt ganz in der Nähe. Wer angesichts der zuletzt noch einmal kräftig gestiegenen Immobilienpreise in Tirol herzhaft lachen möchte, der muss gar nicht ins Kabarett. Ein Blick in die Wohnungsanzeigen reicht. Wer trotzdem hingeht, kommt bei Markus Koschuhs neuem Programm „wOhnmacht“ aktuell voll auf seine und ihre Kosten. Denn der Tiroler Kabarettist gibt sich ob der horrenden Zahlen da so gar nicht ohnmächtig. „wOhnmacht“ ist mehr als ein irrwitziger Hilferuf. Über mehrere Zugänge widmet Koschuh sich dem Thema Wohnen: Er dekonstruiert Wahlslogans, wühlt sich durch fragwürdige Besitzverhältnisse und klagt Freunderlwirtschaft an. Am Mittwochabend hatte das Programm Premiere im Innsbrucker Treibhaus.

Und auch dort muss man sich an die neue Realität erst einmal gewöhnen. In Zeiten wie diesen ist selbst eine Koschuh-Premiere nicht ganz ausverkauft. Dabei zahlt sich ein Besuch dieses Mal aus. „wOhnmacht“ ist ein schnelles, ungebremstes Programm, das sich ständig wandelt. So kann selbst manch müder Spruch („Blaukraut bleibt Blaukraut – und Baugrund bleibt Baugrund“) elegant in einer Rolle verstaut werden. Mal ist Koschuh der ausgefuchste Bankberater, der der Kleinfamilie den „Kredit für den Kredit“ aufschwatzt, mal der noch viel ausgefuchstere Vertreter einer Agrargemeinschaft. Warum? Aus (Bau-)Gründen halt.

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„wOhnmacht“ schafft es, die einzelnen Rollen in eine stringente Erzählung einzubringen. Vom System, das Wohnungsnot befeuert, mitten hinein in den Status quo. Zukunft ungewiss. Daran gefeilt hat Koschuh mit Harald Windisch und Klaus Rohmoser in der Regie. Viel Zeit für pure Blödelei gibt’s also nicht. Gut so!

Struktur aus dem Off gibt einmal mehr Stamm-Antworter Tom Neumayr, der angesichts der anspannten Situation schon mal den Backstage-Raum via Airbnb vermietet hat. Irgendwann übernimmt Schauspielerin Lisa Hörtnagl. Und die Zahlen zur Krise prasseln nur so auf die BesucherInnen herab.

Sichere Lacher holt sich Koschuh jedenfalls mit der „Lesung aus dem Grundbuch“, eine endlose Litanei mit den Herkunftsorten von WohnungsbesitzerInnen in Innsbruck. Darunter: Brixen, Brixen, Brixen – oder, wie es Koschuh nennt, die neue „Südtiroler Siedlung“. Noch besser ist Koschuh nur als wiederauferstandener Sepp Forcher. Oder als Operettenschmetterer vor dem Herrn.

Gepuncht wird dabei ausschließlich nach oben. Die „Großkopfeten“ sind jetzt dran. Denn nach Lösungsansätzen für die Wohnungsnot sucht selbst der Kabarettist in Tirol vergebens. Leerstandsabgabe? Die wird eher bei einer neuen Partie „Wohnopoly“ verzockt.

Kabarett

wOhnmacht. Bis 15. Oktober im Innsbrucker Treibhaus. Nächster Termin: heute Abend, 20 Uhr.


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