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Hintergrund: Was bedeutet die russische Teilmobilmachung?

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Kiew (Kyjiw)/Moskau – Präsident Wladimir Putin hat am Mittwoch die erste Mobilmachung Russlands seit dem Zweiten Weltkrieg angeordnet. Offiziell wird die Mobilisierung vorerst als Teilmobilisierung bezeichnet, bei der 300.000 Reservisten aus dem größten Land der Welt über einen Zeitraum von mehreren Monaten nach und nach eingezogen werden sollen. Was bedeutet das?

📽️​ Video | Putin ordnet Teilmobilmachung an:

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  • Das Verteidigungsministerium spricht davon, dass es ein riesiges Potenzial an Reservekräften von 25 Millionen Menschen habe. Nach russischem Recht können theoretisch Männer und Frauen im Alter von 18 bis 60 Jahren als Reservisten einberufen werden, je nach ihrem Dienstgrad.
  • Einberufen werden sollen jetzt zunächst 300.000 Militärreservisten, die bereits in der Armee gedient haben und über Kampferfahrung oder spezielle militärische Fähigkeiten verfügen. Studenten oder Wehrpflichtige – junge Männer, die einen zwölfmonatigen Pflichtdienst in den Streitkräften ableisten – werden nicht eingezogen.
  • Der Mobilisierungserlass ist offenbar absichtlich vage gehalten, um den Behörden bei der Umsetzung einen großen Spielraum zu geben. Die Zahl 300.000 wird in der veröffentlichten Fassung des Dekrets gar nicht erwähnt. Sie stammt von Verteidigungsminister Sergej Schoigu.
  • Hauptaufgabe der Reservisten wird laut Schoigu darin bestehen, die Frontlinie in der Ukraine zu verstärken, die derzeit über 1000 Kilometer lang ist.
  • Die Reservisten können nicht sofort in der Ukraine eingesetzt werden, da sie zunächst eine Auffrischung ihrer Ausbildung absolvieren müssen. Westliche Militäranalysten gehen daher davon aus, dass es mehrere Monate dauern wird, bis sie zum Einsatz kommen. Berufssoldaten wird es erschwert, die Armee zu verlassen. Personen, die in der Rüstungsindustrie arbeiten, können den Dienst aufschieben.
  • Erst am Dienstag hatte das russische Parlament einen Gesetzentwurf verabschiedet, der die Strafen etwa für Fahnenflucht, Beschädigung von militärischem Eigentum und Ungehorsam verschärft. Die freiwillige Kapitulation wird für russische Militärangehörige zu einem Verbrechen, das mit zehn Jahren Gefängnis bestraft wird.
  • Reservisten erhalten finanzielle Anreize und werden wie vollzeitbeschäftigte Berufssoldaten bezahlt, die wesentlich mehr verdienen als den russischen Durchschnittslohn. Das könnte für einige Männer in der Provinz interessant sein, wo die Löhne traditionell niedriger sind als in den Großstädten.
  • Die Ankündigung der Mobilisierung scheint bei einigen potenziellen Reservisten Panik ausgelöst zu haben. Laut Ticketverkaufsdaten waren One-Way-Flüge aus Russland am Mittwoch schnell ausverkauft. Es gab unbestätigte Medienberichte, wonach einige Männer bei der versuchten Ausreise von russischen Grenzsoldaten zurückgewiesen wurden. (APA/Reuters)

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