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Experten: Putin stemmt sich mit Mobilmachung gegen Niederlage in Ukraine

Der russische Machthaber Wladimir Putin will hunderttausende Reservisten für seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine mobilisieren. Dass das einen großen Einfluss haben wird, wird von Experten bezweifelt. Die Soldaten müssten erst einmal effektiv eingesetzt werden.

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Ein ukrainischer Soldat steht auf einem von russischen Soldaten zurückgelassenen Panzer.
© JUAN BARRETO

Kiew, Moskau – Westliche Militärexperten bezweifeln, dass Russland mit seiner Teilmobilisierung das Kriegsgeschehen in der Ukraine rasch zu seinen Gunsten wenden kann. Die Soldaten würden in erster Linie für die Rotation erschöpfter Truppen sowie das Halten von Stellungen über den Winter hinweg gebraucht, schrieben Militärexperten auf Twitter.

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Das renommierte Institute for the Study of War schätzte ein: „Russlands Teilmobilisierung wird der Ukraine nicht die Möglichkeit nehmen, mehr besetztes Gebiet bis zum und im Winter zu befreien". Weiter hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten Lagebericht, dass Russland mit der Teilmobilisierung keine bedeutsame, einsetzbare Kampfkraft für die kommenden Monate erzeuge.

Russisches Militär: 10.000 Menschen melden sich freiwillig

Rund 10.000 Menschen in Russland haben sich nach Angaben der Armee innerhalb von 24 Stunden gemeldet, um beim Militäreinsatz in der Ukraine zu dienen. Sie seien freiwillig und ohne auf Vorladungen zu warten in die Rekrutierungsbüros gekommen, sagte ein Militärsprecher am Donnerstag der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Die Armee habe ein Callcenter eingerichtet, um Fragen zur Mobilisierung zu beantworten.

Amateuraufnahmen in Onlinenetzwerken sollen hunderte Bürger in ganz Russland zeigen, die den Vorladungen des Militärs nachkommen. Auf Fotos aus Sibirien waren teils weinende Männer zu sehen, die ihre Angehörigen umarmten, bevor sie in einen Bus stiegen.

In einem mutmaßlich aus der zu Russland gehören Kaukasusrepublik Tschetschenien stammenden Video, das von der Nachrichtenagentur AFP nicht unabhängig geprüft werden konnte, sollen dutzende junge Männer vor einem Rekrutierungsbüro zu sehen sein.

Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte keine Bilder der Mobilisierung. Es äußerte sich zudem nicht dazu, wie viele Menschen eine Vorladung zum Dienst in der Armee erhalten haben.

Einheiten für Rotation nötig

Der Militärexperte Mick Ryan schrieb auf Twitter, dass die russischen Truppen seit fast acht Monaten im Kampfeinsatz in der Ukraine seien, was mehr als die üblichen drei bis vier Monate seien. „Das ist eine erschöpfte Truppe, die eine Rotation benötigt. Diese Rotation wäre ohne Teilmobilisierung nicht möglich gewesen." Es gehe mehr um Rotation und Ersatz als um den Aufbau von irgendeiner großen Offensivkraft Russlands.

Der Militärhistoriker Phillips P. OBrien schrieb auf Twitter, die Teilmobilisierung sei ein Minimum gewesen, was Russlands Präsident Wladimir Putin tun konnte. Ansonsten hätte seiner Armee die Gefahr gedroht, dass ihr die Soldaten in der ersten Hälfte 2023 ausgehen. „Das scheint mehr ein Schritt zu sein, der die Niederlage Russlands hinauszögert."

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Schwierige Logistik

Alex Lord von der Sibylline Strategic Analysis Firm in London sagte CNN: „Das russische Militär ist derzeit nicht dafür ausgerüstet, schnell und effektiv 300 000 Reservisten einzusetzen. Russland kämpft jetzt schon damit, seine professionellen Kräfte in der Ukraine effektiv einzusetzen – nach den bedeutsamen Verlusten an Ausrüstung während des Krieges."

Der Militärexperte Rob Lee schrieb auf Twitter: „Dieser Schritt ist dazu konzipiert, einen Zusammenbruch der russischen Linien vor dem Frühling zu verhindern." Das werde kurzfristig helfen, aber nicht auf lange Sicht.

Mobilisierung lässt auch Stimmung in Russland kippen

Der deutsche Militärexperte Nico Lange sagte im Interview mit dem Sender Bayern 2 (radioWelt am Morgen): „Militärisch wird so eine Mobilmachung jetzt nicht weiterhelfen." Die Teilmobilmachung führe nun zu schlechter Stimmung in Russland, und viele junge Männer würden versuchen, das Land zu verlassen.

Der österreichische Militärexperte Gustav Gressel äußerte im Interview mit ntv.de große Zweifel an der Wirksamkeit der russischen Mobilmachung: Weder könne Russland seine Kampfkraft kurzfristig substanziell stärken, noch werde das Land langfristig deutlich mehr Soldaten mobilisieren können. Wladimir Putins Atomwaffen-Drohungen seien ein „psychologisches Spiel". Russlands Präsident agiere aus einer Position der Schwäche. „Hätte Putin diesen Schritt nicht unternommen, hätte die russische Armee wahrscheinlich den Krieg über den Winter verloren." (APA, dpa)

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