Landtagswahl 2022

Andrea Haselwanter-Schneider: Aus dem Schatten des Übervaters

Fritz Dinkhauser, Andrea Haselwanter-Schneider und Markus Sint (Liste Fritz) jubeln bei der Wahlparty.
© APA/Osterauer

Nun scheint Haselwanter-Schneider, die 2018 als Parteiobfrau in Dinkhausers Fußstapfen getreten war, vor der einmaligen Gelegenheit zu stehen, den Kreis zur goldenen Gründungszeit schließen zu können.

Innsbruck, Oberperfuss – Andrea Haselwanter-Schneider, Spitzenkandidatin der oppositionellen Liste Fritz, ist bei der Tiroler Landtagswahl der Sprung aus dem Schatten des Listen-Gründungsvaters Fritz Dinkhauser gelungen. Mit 9,90 Prozent fuhr ihre Partei das zweitbeste Ergebnis seit ihrer Gründung ein.

Und genau das war erklärtes Ziel Haselwanter-Schneiders, die sich ansonsten im Wahlkampf zurückhaltend gegeben und nicht auf Koalitionsspekulationen eingelassen hatte. Das bisher beste Ergebnis erzielte die Gruppierung bei ihrem ersten Antreten im Jahr 2008 mit 18,35 Prozent. Nun scheint Haselwanter-Schneider, die 2018 als Parteiobfrau in Dinkhausers Fußstapfen getreten war, vor der einmaligen Gelegenheit zu stehen, den Kreis zur goldenen Gründungszeit schließen zu können.

Denn die Ergebnisse bei den darauffolgenden Wahlen 2013 und 2018 waren weniger glorreich. Seit fast zehn Jahren dümpelt die Oppositionspartei knapp über der Grenze zum Landtags-Einzug. Bei der letzten Wahl 2018 hatte die Liste 5,46 Prozent der Stimmen und zwei Mandate eingefahren.

Die erste Reihe ist für die Wipptalerin keine neue Erfahrung. Die beständige ÖVP-Kritikerin steht bereits zum dritten Mal an vorderster Wahlkampffront. In dieser Landtagswahl war sie – neben MFG-Spitzenkandidatin Elfriede Hörtnagl-Zofall – die einzige Frau an der Wahlkampfspitze. Auch im Scheinwerferlicht des Tiroler Landtags, wo sie sich gerne als „Anwältin der Menschen" inszeniert, scheint sich die 54-Jährige seit 2008 wohlzufühlen – in der Rolle des „Robin Hood", wie von Dinkhauser vorgelebt. In ihrer politischen Karriere hat sie sich vor allem bei Sozialthemen profiliert und gilt als emsig, hartnäckig, furchtlos und sachkundig.

Vor allem jene, die keine oder nur eine schwache Vertretung haben, lägen ihr am Herzen, wird die gelernte Diplom-Krankenschwester nicht müde zu betonen. Die Pflege war auch im Wahlkampf ein wesentliches Thema.

Andrea Haselwanter-Schneider zeigte sich bei "Tirol Live" durchaus zufrieden mit dem Wahlergebnis.
© Thomas Böhm

Im Februar 2022 hatte Haselwanter-Schneider – nach zehn Jahren in dieser Funktion - das Zepter der Landtagsfraktion an ihren Parteikollegen Markus Sint weitergereicht, war jedoch Parteiobfrau geblieben. Die beiden präsentieren sich seit jeher als Team - auch den Wahlkampf schlugen sie im Tandem. Während Listenerste Haselwanter-Schneider in den Bereichen Gesundheit, Pflege, Familie und Soziales punktete, bediente der Listenzweite Sint Themen wie Raumordnung, Freizeitwohnsitze, Energie, Tourismus und Finanzen. Dem beständigen Kampf gegen die ÖVP haben sich beide verschrieben.

Die Diplom-Krankenschwester und promovierte Pädagogin zog 2008 für die Liste Fritz in den Landtag ein. Im Dezember 2012 wurde sie nach dem plötzlichen Tod des damaligen Klubobmannes Bernhard Ernst Klubobfrau. Nachdem Listengründer Dinkhauser im Jänner 2013 aus gesundheitlichen Gründen seinen Rückzug aus dem Landtag angekündigt hatte, wurde sie zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2013 gekürt. Auch die Landtagswahl 2018 schlug sie an vorderster Front. Haselwanter-Schneider wurde am 20. April 1968 in Innsbruck geboren und ist im Wipptal aufgewachsen. Sie ist Mutter zweier Söhne und lebt in Oberperfuss. (APA)

Mehr zum Thema

undefined

🔴 Live-Blog Landtagswahl 2022

Fahrplan und Schwerpunkte: ÖVP und SPÖ wollen nun „schnell ins Tun kommen“

undefined

Landtagswahl 2022

„Denkzettel“ bis Freude: So reagierten die Tiroler Kandidaten aufs Wahlergebnis

undefined

Landtagswahl 2022

ÖVP zieht bei Absturz den Kopf aus der Schlinge, Zeichen stehen auf Schwarz-Rot

undefined

Landtagswahl 2022

Interviews, Analysen, Ergebnisse: Das war „Tirol Live Spezial“ aus dem Landhaus

undefined

Landtagswahl 2022

Alle Ergebnisse und Grafiken auf einen Blick: So hat Tirol gewählt