Einsegnungshalle in Innsbruck als Raum für „Gedankenschätze“
Die Benefiz-Kulturinitiative „Quo Vadis Fundamentum“ feiert Premiere – mit Texten von Edith Stein und an einer einzigartigen „Spielstätte“.
Von Michael Domanig
Innsbruck – Eine Geburtsstunde, ausgerechnet in der Einsegnungshalle eines Friedhofs? Genau so ist es: Am 20. Oktober um 19 Uhr feiert die Initiative „Quo Vadis Fundamentum“, die Kultur und soziales Engagement vereint, ihre Premiere in der eindrucksvollen Einsegnungskapelle am Pradler Friedhof in Innsbruck (Kaufmannstr. 1).
Für Tony Obergantschnig, Obmann des Vereins „Quo Vadis“, ist der hohe, atmosphärisch dichte Raum mit seinen romanisierenden Elementen, den Jugendstil-beeinflussten Wandmalereien des Innsbrucker Künstlers Rafael Thaler (um 1916) und der prächtigen Holzdecke „wie eine Wartehalle zwischen Dies- und Jenseits“. Und damit genau der richtige Ort, um „Gedankenschätze und Glaubenssätze, die uns besondere Persönlichkeiten hinterlassen haben, in den Mittelpunkt zu rücken“. Zum Auftakt am 20.10. wartet eine „konzertante Lesung“ mit Texten der deutschen Philosophin und Ordensfrau Edith Stein (1891–1942).
Schauspielerin Bernadette Abendstein, bekannt als Leiterin des Theaterfestivals Steudltenn, wird ausgewählte Passagen vortragen, eingebettet in die Musik von Walter Tolloy und Markus Geyr vulgo Reeds & Strings. Tolloy hat übrigens auch ein Gemälde von Edith Stein geschaffen.
Ausgewählt haben die Texte der ehemalige Tiroler Caritasdirektor Georg Schärmer und Verena Gutleben, Leiterin der Caritas-Kommunikation. Für Schärmer ist Stein „neben Hannah Arendt die größte Philosophin des 20. Jahrhunderts“ und „eine große Feministin“, die „nicht nur von der Nonne her gedacht werden sollte“. Aus einer jüdischen Familie stammend, ging sie als junge Frau durch eine Phase des Atheismus, ehe sie den christlichen Glauben entdeckte, konvertierte und schließlich in den Orden der Unbeschuhten Karmeliten eintrat. Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurde sie von den Nazis deportiert und vor 80 Jahren in Auschwitz ermordet. 1998 sprach Johannes Paul II. sie heilig.
„Meine Sehnsucht nach der Wahrheit ist mein einziges Gebet“ ist nur eines von vielen bekannten wie markanten Edith-Stein-Zitaten. Schärmer freut sich sehr, dass Steins „Klugheit und Weisheit“ zum „Fundamentum“-Auftakt wirken kann. Das passe generell gut zur Initiative „Quo Vadis“, die besonders für ihre alljährliche große Benefiz-Pilgerwanderung auf den Spuren von Bischof Stecher bekannt ist. Schließlich sei ein Weg immer auch als Sinnsuche zu verstehen („Quo Vadis?“ bedeutet „Wohin gehst du?“).
Was Organisator Obergantschnig besonders freut: Alle Beteiligten wirken unentgeltlich mit, die Stadt Innsbruck stellt die Einsegnungskapelle kostenlos zur Verfügung – und habe in Aussicht gestellt, dies auch für künftige Abende zu tun. Ziel ist nämlich, dass der 20.10. jedes Jahr zum „Quo Vadis Fundamentum“-Abend wird, mit Gedanken weiterer großer Persönlichkeiten wie Bertha von Suttner, Marie von Ebner-Eschenbach, Mahatma Ghandi oder Charlie Chaplin.
Karten sind ab heute bei der Caritas Tirol (Heiliggeiststr. 16), bei der Hypo Tirol Bank (Schalterhalle, Meraner Str. 8), bei GEA (Anichstr. 22) oder direkt unter info@quovadis-tirol.com erhältlich. Achtung, die Plätze in der Einsegnungshalle sind stark begrenzt.