Ukraine-Krieg

Neue russische Angriffe in der Ukraine zielen auf Kraftwerke ab

© APA/AFP/ANATOLII STEPANOV

Die Behörden in zahlreichen Regionen – darunter Charkiw, Dnipropetrowsk und Mykolajiw – meldeten am Dienstag, dass die Luftverteidigung aktiv sei. Auch in der Hauptstadt Kiew berichtete Bürgermeister Vitali Klitschko von neuen Explosionen.

Kiew, Moskau – Russland hat seine Drohnen- und Raketenangriffe auf Ziele in der Ukraine fortgesetzt. Am Dienstag gab es im ganzen Land immer wieder Luftalarm. Unter anderem in den Regionen Charkiw, Dnipropetrowsk und Mykolajiw war laut Behörden die Luftverteidigung aktiv. An vielen Orten, unter anderem auch in der Hauptstadt Kiew, schlugen Raketen und Drohnen ein. Moskau intensivierte zuletzt seine Angriffe mit Kampfdrohnen iranischer Bauart. Teheran bestreitet entsprechende Lieferungen.

"Die Ukraine ist unter Beschuss der Okkupanten. Sie machen weiter das, was sie am besten können: Zivilisten terrorisieren und töten", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Moskau intensivierte zuletzt seine Angriffe mit Kampfdrohnen iranischer Bauart. Teheran bestreitet entsprechende Lieferungen an Moskau.

Laut Selenskyj richteten die russischen Angriffe der vergangenen Tage schwere Schäden in der Energieinfrastruktur an. 30 Prozent der ukrainischen Kraftwerke seien seit dem 10. Oktober zerstört worden, twitterte der Präsident. Auch britische Militärexperten vermuteten, dass sich Russlands jüngste Angriffswelle vor allem gegen das Energienetz der Ukraine richte. Verhandlungen mit Kremlchef Wladimir Putin lehnt Selenskyj weiter ab: Es gebe "keinen Raum mehr" dafür.

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Unterdessen stieg die Anzahl der Toten nach dem Absturz eines russischen Kampfflugzeuges in ein Wohngebiet in Jejsk im Süden Russlands auf 14. Unter den Opfern seien auch drei Kinder, teilten die Behörden mit. 19 Menschen wurden außerdem verletzt, als ein Kampfjet vom Typ Su-34 Montagabend in ein achtstöckiges Wohnhaus stürzte. Die Militärmaschine sei kurz nach dem Start abgestürzt, weil eines der zwei Triebwerke Feuer fing, hieß es. Die Männer aus dem Cockpit retteten sich bei dem Unfall während des Übungsfluges per Fallschirm.

Ein Kampfjet vom Typ Su-34 stürzte am Montag in ein achtstöckiges Wohnhaus. Am Tag danach wurden die Wrackteile sichergestellt.
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Seit dem Beginn der großflächigen russischen Angriffe vor mehr als einer Woche sind in der Ukraine mehr als 70 Menschen getötet und mehr als 240 verletzt worden, wie ein Sprecher der Zivilschutzbehörde mitteilte. Beschädigt worden seien zudem insgesamt mehr als 380 Gebäude, darunter rund 240 Wohnhäuser. In Kiew starben am Dienstag mindestens drei Menschen - Mitarbeiter der kritischen Infrastruktur - wie Bürgermeister Vitali Klitschko bekannt gab. In der Region Mykolajiw wurde bei nächtlichem Raketenbeschuss ein Wohnhaus getroffen, unter den Trümmern wurde die Leiche eines Mannes entdeckt.

In der Stadt Charkiw berichtete Bürgermeister Ihor Terechow von zwei Explosionsserien innerhalb von fünf Minuten. Im Gebiet Dnipropetrowsk wurden in Kriwyj Rij und in der Gebietshauptstadt Dnipro Explosionen gemeldet. In Schytomyr hätten Raketen Energieinfrastruktur getroffen. Die ukrainischen Streitkräfte wehrten nach eigenen Angaben mehrere Angriffe ab. Kiew forderte daher vom Westen noch mehr Flugabwehrsysteme.

Massive Stromausfälle, Wasserversorgung in Kiew getroffen

Die Angriffe auf die ukrainische Energie-Infrastruktur führten zu "massiven Stromausfällen im ganzen Land", twitterte Selenskyj. In Kiew wurde laut Klitschko zudem die Wasserversorgung getroffen. Der Bürgermeister rief alle Bewohner auf, Elektrizität zu sparen und Trinkwasservorräte anzulegen. Nach Einschätzung der britischen Geheimdienste sind diese Attacken Russlands eine Reaktion auf die jüngsten militärischen Rückschläge. Es gebe nun einen höhere Bereitschaft, neben militärischen Zielen auch zivile Infrastruktur in der Ukraine anzugreifen, hieß es in einem Lagebericht der Experten.

Nach vielen Rückschlägen in den vergangenen Wochen erzielte die russische Armee eigenen Angaben zufolge wieder einen kleineren Erfolg im Osten der Ukraine. Im Gebiet Charkiw sei die Siedlung Gorobiwka erobert worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Unabhängig konnte das zunächst nicht überprüft werden, die Ukraine bestätigte das nicht.

Einer UNO-Kommission zufolge sind russische Streitkräfte für die "überwiegende Mehrheit" der Menschenrechtsverletzungen in den ersten Wochen des Ukraine-Kriegs verantwortlich. Dazu zählten auch Angriffe auf Zivilisten, was potenzielle Kriegsverbrechen darstelle. In einem Bericht über die Ereignisse in vier nördlichen Provinzen stellt die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission für die Ukraine fest, dass russische Truppen wahllos Gebiete beschossen, die sie einzunehmen wollten, und "Zivilisten angegriffen haben, die zu fliehen versuchten".

Der UNO-Menschenrechtsrat erklärte in einer Zusammenfassung des Berichts: "Russische Streitkräfte sind für die überwiegende Mehrheit der festgestellten Verstöße, einschließlich Kriegsverbrechen, verantwortlich." Auch die ukrainischen Streitkräfte haben in einigen Fällen Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht begangen, darunter zwei Vorfälle, die als Kriegsverbrechen einzustufen seien. (APA/dpa/Reuters)

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