Blackout-Gefahr im Winter in Österreich laut Stresstest nicht erhöht
Ein Strommangel ist laut Netzbetreiber APG unwahrscheinlich. Kalter Winter könnte die Stromversorgung aber ans Limit bringen.
Wien – Die Gefahr eines Blackouts in Österreich im heurigen Winter wird nach einem Stresstest des heimischen Stromnetzbetreibers APG (Austrian Power Grid) als nicht erhöht eingestuft. Allerdings könnte ein sehr strenger Winter dazu führen, dass es zu einer Lastunterdeckung kommt. Dann müssten große Industrieunternehmen ihren Stromverbrauch reduzieren.
APG hat das heimische Stromnetz für den Stresstest drei unterschiedlichen Szenarien unterzogen. Im realistischsten Szenario komme es „zu keiner einzigen Stunde zu einer Lastunterdeckung, also einer Situation, wo es zu wenig Stromangebot für die Stromnachfrage gäbe“, sagte Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) bei einer Pressekonferenz. Erst unter noch schwierigeren Rahmenbedingungen könnte es zu wenig Strom geben, aber „Lastunterdeckung heißt nicht, dass es zum Stromausfall kommt“, so Gewessler, man müsste dann lediglich den Verbrauch gezielt reduzieren. Der Strom-Stresstest zeige: „In keinem der Szenarien gibt es in Österreich ein erhöhtes Blackout-Risiko.“
📽 Video | „Pressekonferenz zur Stromversorgung"
APG-Technikvorstand Gerhard Christiner bezeichnete die energiewirtschaftliche Lage als „durchaus angespannt“, deshalb habe man einen Stresstest mit Fokus auf das Winterhalbjahr durchgeführt. Gas spiele für die Versorgungssicherheit eine entscheidende Rolle. „18 Prozent des Strombedarfs in Europa decken wir in diesem Winter (...) aus Gaskraftwerken.“ Zirka ein Drittel der Speicherkapazitäten im Gasbereich müssten deshalb für die Stromerzeugung herangezogen werden. In Österreich kommen etwa 22 Prozent des Stroms aus Gaskraftwerken, 62 Prozent aus erneuerbarer Energie.
Zudem würden im Winter rund 16 Prozent des Stroms importiert. Wegen der Trockenheit ist die Stromproduktion in Europa allerdings aktuell eingeschränkt. Atomkraftwerke in Frankreich stehen wegen fehlendem Kühlwasser still, in Deutschland sorgt Niedrigwasser für eingeschränkte Kohletransporte zu Kohlekraftwerken und in Polen fehlt Kohle aus Russland aufgrund des Ukrainekriegs. Vor diesem Hintergrund habe die APG drei Szenarien durchgerechnet, erklärte Christiner. Im ersten Szenario wird davon ausgegangen, dass die Kraftwerke in Europa genügend Strom erzeugen können und die Nachfrage immer gedeckt werden kann. Im „Kombinationsszenario kritisch“ könnte es in Österreich 479 Stunden mit Lastunterdeckung geben, im „Kombinationsszenario sehr kritisch“ bis zu 815 Stunden. Diese beiden Szenarien hätten aus heutiger Sicht geringe bzw. sehr geringe Eintrittswahrscheinlichkeiten für den Winter 2022/2023, zumal die Verfügbarkeit der drei laufzeitverlängerten deutschen Atomkraftwerke nicht einmal berücksichtigt wurden.
Der Stresstest sei keine Indikation für ein mögliches Blackout, betonte Christiner. Ein Blackout sei ein unkontrollierter, völlig unerwarteter Zusammenbruch des Stromnetzes, einem Strommangel hingegen könnte man gezielt gegensteuern. (ecke, APA)
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