Debatte zu Flüchtlings-Unterbringung

Rotes Kreuz mahnt menschenwürdigen Umgang mit Geflüchteten ein

Die aktuelle Debatte über die Unterbringung Geflüchteter stößt beim Roten Kreuz auf Unverständnis.
© Thomas Böhm

Das Rote Kreuz fordert die Einhaltung von Mindeststandards bei Asylverfahren, Unterbringung, Versorgung und mehr Mittel für Integration.

Wien – Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer hat am Freitag Angebote eingemahnt, um Asylwerber menschenwürdig unterzubringen und zu integrieren. Die aktuelle politische Debatte zur Unterbringung von Asylwerbern werde auf dem Rücken hilfsbedürftiger Menschen ausgetragen, kritisierte er anlässlich der Präsidentenkonferenz des Österreichischen Roten Kreuzes. Das ÖRK fordert die Einhaltung von Mindeststandards bei Asylverfahren, Unterbringung, Versorgung und mehr Mittel für Integration.

"Natürlich stellen Flucht und Migration uns immer wieder vor Herausforderungen", räumte Schöpfer in einer Aussendung ein. "Sie bieten allerdings auch zahlreiche Chancen für unser Land und gerade in Krisenzeiten ist es entscheidend, unseren Wertekompass im Blick zu haben." Österreich habe sich mit der Genfer Flüchtlingskonvention völkerrechtlich zu Basisversorgung und fairen Asylverfahren für Menschen verpflichtet, die in Österreich einen Asylantrag stellen. Auch wenn nicht alle davon Asyl erhalten, sei Österreich im Rahmen der EU verpflichtet, sie nach Mindeststandards unterzubringen und zu versorgen.

Das Rote Kreuz, das derzeit etwa 2500 Menschen im Rahmen der Landesgrundversorgung betreut, stehe den Behörden in Bund und Ländern jederzeit für Hilfe zur Verfügung, betonte Schöpfer. Für ihn sei es jedenfalls unverständlich, dass es Berichte über freie Quartiere gibt und dennoch Menschen unter unwürdigen Bedingungen vor Erstaufnahmestellen im Freien warten müssten.

Faire Asylverfahren und sichere Unterkünfte gefordert

Konkret fordert das ÖRK genügend gut ausgebildete Beamte und Dolmetscher und sachliche Herkunftsländerinformation für faire und hochwertige Asylverfahren. Bei Unterbringung und Versorgung müssen mindestens die Mindeststandards der EU eingehalten werden und dazu gehöre besonders in der kalten Jahreszeit eine feste und sichere Unterkunft, heißt es wohl mit Blick auf die aktuelle Zelt-Debatte. Das Rote Kreuz fordert auch deutlich mehr Mittel für Integrationsmaßnahmen. ÖRK-Projekte für Bildung oder zur Vorbereitung Jugendlicher auf Lehre bzw. Arbeitsmarkt würden klar zeigen, wie wichtig es gerade für junge Menschen mit Migrationshintergrund sei, nicht alleine gelassen zu werden. In Österreich gebe es immer noch viel zu wenige derartige Angebote, das könne bei vielen zu Perspektivlosigkeit, Zukunftsängsten und Aggressionen führen. Außerdem sei auf europäischer Ebene eine "solidarische, humanitäre und grundrechtskonforme Regelung für den gemeinsamen Umgang mit Asyl und Migration" längst überfällig. (APA)