Seit 62 Jahren sieglos

Happel-Stadion statt Wüste: ÖFB-Team testet gegen Italien

Ein Treffer, der bei der EM 2021 wegen eines hauchdünnen Abseits leider nicht zählte – Marko Arnautovic (r.) will Gianluigi Donnarumma heute regulär bezwingen.
© imago

Im letzten Länderspiel des Jahres kämpft das ÖFB-Team heute (20.45 Uhr/live ORF 1) gegen Europameister Italien und eine fast 62-jährige Sieglos-Serie.

Von Alex Gruber

Wien – Am Weg zur anvisierten WM sind Österreich und auch Italien im ersten Teil des Play-offs im März zeitgleich an Wales bzw. Nordmazedonien gescheitert. Das führte dazu, dass man sich nach dem EM-Viertelfinale 2021 (2:1 nach Verlängerung für Italien) heute zu einem hochklassigen Jahresabschluss verabreden konnte.

Die Paarung im Ernst-Happel-Stadion klingt ohne Frage verlockender als das, was knapp vier Stunden zuvor der WM-Auftakt zwischen Katar und Ecuador verspricht. Vielleicht schauen die Spieler beider Mannschaften am Fernsehkastl zuvor ja einmal sehnsüchtig rein. Die Fans können den WM-Auftakt quasi als Warm-up in der warmen Stube genießen.

Die Statistik – der letzte Sieg gegen die Squadra Azzurra datiert vom Dezember 1960 – klammert die rot-weiß-rote Auswahl besser aus. Denn seit diesem Datum scheinen drei Remis und elf Niederlagen auf. Zwei davon in WM-Gruppenphasen 1990 gegen die Italiener als Gastgeber (beim 0:1 erinnere man sich an Glatzkopf Toto Schillaci) und 1998 in Paris (1:2 bei Treffern von Herzog bzw. Vieri und Baggio).

⚽ Länderspiel

Österreich – Italien 20.45 live ORF 1

  • Ernst-Happel-Stadion; SR Dingert/GER.
  • Österreich: Lindner (FC Sion/33 Länderspiele); Posch (FC Bologna/19/1 Tor), Lienhart (SC Freiburg/10/0), Alaba (Real Madrid/97/14), Wöber (Salzburg/12/0); Baumgartner (Hoffenheim/24/7), N. Seiwald (Salzburg/9/0), X. Schlager (RB Leipzig/32/2), Sabitzer (Bayern München/67/12); Gregoritsch (SC Freiburg/42/7), Arnautovic (FC Bologna/105/34).
  • Italien: Donnarumma (Paris SG/49); Bastoni (Inter Mailand/17/1), Acerbi (Inter/27/1), Bonucci (Juventus Turin/119/8); Di Lorenzo (SSC Napoli/24/3), Barella (Inter/41/8), Verratti (Paris SG/50/3), Dimarco (Inter/7/1); Politano (SSC Napoli/7/3), Raspadori (SSC Napoli 16/5), Grifo (SC Freiburg/7/4).

Zurück in die Gegenwart, wo einige angeschlagene Spieler (Trauner, Danso, Weimann...) fehlen und die Verletztenliste auf beiden Seiten (z. B. Laimer, Kalajdzic, Ljubicic bzw. Tonali, Immobile, Cristante ...) auch offenbart, wie hart das Programm in den vergangenen Monaten war.

Wer ist noch einmal bereit für einen Gang über der Schmerzgrenze? Wer will sich im letzten Länderspiel 2022 für die EM-Quali im neuen Jahr empfehlen? Oder wer will am besten als Torschütze die leidige Sieglos-Serie beenden? Wer auf diese Fragen eine positive Antwort findet, hat ein Inserat bei Teamchef Ralf Rangnick geschaltet: „Am Ende nominieren sich die Spieler selber. Um das Spiel zu gewinnen, brauchen wir sowohl individuell als auch mannschaftstaktisch eine Top-Leistung.“

Die Verwunderung des Deutschen, dass das Stadion eher halbleer (bis Freitagabend waren 16.000 Karten verkauft) als randvoll sein wird, kann man nachvollziehen. Die frostigen Temperaturen und das Fußball-Überangebot (WM) sprechen freilich nicht zwingend für einen Massenbesuch.

Die Parameter „kompakt stehen“ und „schnell umschalten“ begleiten Alaba, Arnautovic und Co. ins Treffen mit dem Europameister. Vor dem Anpfiff gibt es eine Schweigeminute für den verstorbenen Ex-Teamstürmer Gerhard Rodax (57), der in 20 Länderspielen dreimal getroffen hat.

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