Bündnis für Gemeinnützigkeit

Interessenvertretung gegen die Spaltung der Gesellschaft

Stefan Wallner, vormals Grünen-Manager und Caritas-Generalsekretär, ist nun Geschäftsführer des Bündnisses der Gemeinnützigen.
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Gemeinnützige Organisationen in Österreich finden sich unter einem Dach zusammen, um die Rahmenbedingungen für ihre Arbeit zu verbessern.

Wien – Sie alle verfolgen eine gemeinsame Vision, eine Vision von einer solidarischen Gesellschaft. Wer sind sie? Gemeint sind die gemeinnützigen Organisationen. Also von Sportvereinen zu Amnesty International, vom Roten Kreuz bis zu Umweltschutzverbänden. Und diese Organisationen haben sich nun unter einem Dach zusammengefunden. Solch eine Initiative ist einzigartig in Europa, glaubt der Geschäftsführer des Bündnisses für Gemeinnützigkeit, Stefan Wallner. Der ehemalige Generalsekretär der Caritas Österreich und frühere Bundesgeschäftsführer der Grünen sieht das Bündnis als eine Art von zusätzlichem Sozialpartner. Oder wie es Annemarie Schlack, Vorstandsvorsitzende und Geschäftsfühererin von Amnesty International, sagt: eine starke Interessenvertretung, die sich starkmacht, eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern.

Das Bündnis für Gemeinnützigkeit eint bislang 13 Verbände mit über 3000 Mitgliedsorganisationen. Bei der Vorstellung der Initiative am Montag erinnerte deren Spitze die Politik daran, wie sehr man die Gesellschaft während der Pandemie zusammengehalten habe. Zwar hätten sich die Rahmenbedingungen verbessert, viele Punkte aus dem Regierungsprogramm seien aber offen.

„Ohne Freiwillige wäre Österreich ärmer und kälter“, begründete Annemarie Schlack den Zusammenschluss.

Peter Kaiser, stellvertretender Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, betonte, wie sehr diverse Krisen, wie etwa die Corona-Pandemie, wieder zu vermehrtem Dialog geführt hätten.

Stefan Wallner zeigt sich über seine neue Position erfreut: „Es ist ein bisschen wie heimkommen in einen Sektor, der mich persönlich sehr geprägt hat“, kommentierte er seine neue Funktion. „Wir erleben eine zunehmende Spaltung und Aggressivität in unserer Gesellschaft“, mit vorangetrieben werde diese von Politik und Social Media, sagte er. Freiwilligenarbeit verbinde hingegen Menschen mit unterschiedlichsten Einstellungen.

Das neue Bündnis nutzte seinen ersten Auftritt auch gleich zu einer Bilanz der Regierungsarbeit. So seien viele Punkte im Koalitionsabkommen zwischen ÖVP und Grünen noch offen, was auch den Krisen geschuldet sei. Dennoch müsse die restliche Zeit genutzt werden, etwa zur Ausweitung der Spendenabsetzbarkeit auf alle Bereiche der Gemeinnützigkeit. Und auch die Rechtslage sei reformbedürftig, hier brauche es eine Modernisierung und Vereinfachung der Gesetze, forderte Wallner damit auch seine Parteifreunde zum Handeln auf.

Weitere Forderungen des Bündnisses: Eine Stärkung des Freiwilligenengagements durch einen einheitlichen Versicherungsschutz und die Aufwertung des sozialen Jahres sowie langfristige, valorisierte Förderungen. Und auch das Informationsfreiheitsgesetz müsse die Regierung „endlich auf den Boden bringen“, wie Wallner es ausdrückte. Besonders dringend sei aber ein Energiekostenzuschuss für alle gemeinnützigen Organisationen. Die Krise sei für Non-Profit-Organisationen „existenzgefährdend“.

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