Angesichts der Teuerung

AK und ÖGB pochen weiter auf höheres Arbeitslosengeld

AK und ÖGB wünschen sich ein Arbeitslosengeld von 70 Prozent.
© APA/Hochmuth

Wien – Die Arbeiterkammer (AK) und der Gewerkschaftsbund (ÖGB) haben die neuesten Arbeitsmarktdaten am Mittwoch genutzt, um weiter Druck auf die ihrerseits geforderte Erhöhung von Arbeitslosengeld und Notstandshilfe zu pochen. "Höhere Mieten, teurere Lebensmittel, saftige Energiekostenjahresabrechnungen und andere Kosten wachsen vielen Menschen über den Kopf", so AK-Präsidentin Renate Anderl. Industrie und Wirtschaftskammer fordern mehr Maßnahmen gegen den Arbeitskräftemangel.

Höhere Mieten, teurere Lebensmittel, saftige Energiekostenjahresabrechnungen und andere Kosten wachsen vielen Menschen über den Kopf
AK-Präsidentin Renate Anderl

Es sei "völlig unverständlich, dass es aufgrund der Teuerung keine Verbesserungen bei Arbeitslosengeld und Notstandshilfe gibt". Das Arbeitslosengeld gehöre auf 70 Prozent angehoben und valorisiert – das gelte auch für die Notstandshilfe. Familienzuschläge seien seit 2001 nicht mehr angepasst worden und sollten ebenso deutlich gesteigert werden.

Anderl: Regierung "vergisst auf Menschen, die Arbeit suchen"

"Nach der gescheiterten Arbeitsmarktreform hat die Bundesregierung auch in der Neujahrsklausur auf jene Menschen vergessen, die Arbeit suchen und für sie keine Verbesserungen beschlossen", kritisierte Anderl. Auch wenn die Arbeitsmarktlage noch gut sei, gebe es österreichweit keine Vollbeschäftigung. "Es gibt immer noch genug Menschen, die aufgrund ihres Alters, gesundheitlicher Einschränkungen oder sonstiger nicht nachvollziehbarer Gründe, warum Unternehmen sie nicht einstellen, keine neue Beschäftigung finden."

Das bedeutet, dass die 390.000 Menschen nicht nur keinen Job haben, sondern sind auch massiv armutsgefährdet sind. In Folge sind davon auch tausende Kinder betroffen.
AK-Präsidentin Renate Anderl

"Wir sehen, dass die Teuerung sogar wieder Fahrt aufnimmt", so Ingrid Reischl, Leitende Sekretärin des ÖGB. "Das bedeutet, dass die 390.000 Menschen nicht nur keinen Job haben, sondern sind auch massiv armutsgefährdet sind. In Folge sind davon auch tausende Kinder betroffen. Der ÖGB bleibt daher bei seiner Forderung, dass das Arbeitslosengeld auf 70 Prozent Nettoersatzrate erhöht werden muss." Auf der Agenda des Arbeitsministeriums müssten zudem Investitionen in eine nachhaltige Arbeitsmarktpolitik stehen", forderte Reischl. Die von ÖVP-Arbeitsminister Martin Kocher angekündigten 120 Millionen Euro seien "zumindest ein Anfang".

IV will Maßnahmen gegen Arbeits- und Fachkräftemangel

"Der Arbeits- und Fachkräftemangel auf dem österreichischen Arbeitsmarkt ist real und fordert die Unternehmen enorm", so der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer in einer Aussendung. "Es braucht jetzt umfassende Maßnahmen, um Leistungsanreize zu stärken und alle Potenziale am Arbeitsmarkt zu heben", begrüßte der Industrievertreter eine kürzlich von der Regierung gegründete Arbeitsgruppe. Diese diskutiert verschiedene Maßnahmenbündel um mehr Menschen in die Arbeit zu bringen und soll noch im ersten Quartal Ergebnisse liefern, nachdem sich die Bundesregierung aus ÖVP und Grünen nicht zu einer größeren Reform der Arbeitslosenversicherung zusammenraufen konnten.

Neumayer verwies darauf, dass die Zahl von 107.000 offenen Stellen immer noch eine sehr hohe sei. Auf der AMS-Jobplattform "alle jobs" fänden sich mehr als 250.000 Jobangebote.

Die Wirtschaftskammer Wien (WK Wien) forderte indes eine "Fachkräfteoffensive, die rasch und nachhaltig wirkt, damit der Fachkräftemangel nicht gekommen ist, um zu bleiben", so Präsident Walter Ruck. Qualifizierte Mitarbeiter blieben weiterhin eine äußerst gefragte Spezies. Alleine Unternehmen in Wien suchten in den nächsten drei bis fünf Jahren rund 55.000 Fachkräfte. Die hohe Nachfrage ziehe sich mittlerweile durch alle Bildungswege, zeige die "Bildungsbedarfsanalyse" durch das Forschungsinstitut Makam Research, für die 925 Wiener Firmen mit 80.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern befragt wurden. (APA)

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