235.000 Euro Schaden

19 Wölfe, drei Bären, 413 gerissene Tiere in Tirol: Land stellt Jahresbilanz vor

Dieser Wolf wurde von einer Wildkamera Ende November des Vorjahres im Gemeindegebiet von Pfunds aufgenommen.
© Michael Fritz

Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der gerissenen und vermissten Schafe, Kälber und Co. erneut an. Die meisten wurden von Wölfen getötet, aber auch Bär und Goldschakal waren in Tirol auf Beutezug.

Innsbruck – Die Zahl der Wölfe, die durch Tirol streifen, hat sich im vergangenen Jahr erneut erhöht. Und damit ist auch die Zahl der gerissenen und vermissten Weidetiere größer geworden: 413 tote und 527 vermisste Schafe, Kälber und Co. wurden gezählt. Das geht aus dem Jahresbericht 2022 des Landes Tirol über Bär, Wolf, Luchs und Goldschakal hervor.

19 verschiedene Wölfe und drei verschiedene Bären wurden 2022 in Tirol verzeichnet. Auch der Goldschakal ist immer öfter hierzulande auf Beutezug. 86 Prozent aller im vergangenen Jahr gerissenen Weidetiere gehen auf das Konto von Wölfen, zehn Prozent wurden von Bären getötet, für vier Prozent sind Goldschakale verantwortlich. Hauptbetroffen war Osttirol mit 235 gerissenen und 267 abgängigen Tieren. Die Großraubtiere richteten laut Aussendung Schäden von 235.000 Euro an.

Die Kosten für die Abwehr von Wolfsangriffen stehen in keinem Verhältnis zu den erzielbaren Erlösen.
Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP)

Für Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP) sprechen die Zahlen für sich. „Die Großraubtiere bedrohen den Fortbestand der Almwirtschaft. Deshalb schaffen wir im Februar-Landtag eine rasche und unbürokratische Eingriffsmöglichkeit.“ Vorgesehen ist, dass Problem- und Risikowölfe künftig mittels Gefährdungsverordnung abgeschossen werden dürfen, Einsprüche sind im Gegensatz zum bisherigen Vorgehen nicht mehr möglich. Im vergangenen Jahr hat das Land Tirol Abschussbescheide für fünf ausgewachsene Wölfe erlassen. Nach Einsprüchen der Naturschutzorganisationen konnte keines der Tiere entnommen werden.

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Das Land Tirol hat im vergangenen Jahr aber auch den Herdenschutz erneut unterstützt. 115 Kilometer wolfsabweisenden Zaun haben Tirols SchafhalterInnen für die Heimweiden im Tal angeschafft. „Auf unseren hochalpinen Almen schaut die Situation ganz anders aus. Dort ist technischer Herdenschutz mit Zäunen schlicht und ergreifend nicht möglich“, sagt Geisler.

Auf zwei Schafalmen im Tiroler Oberland wurden die vor zwei Jahren gestarteten Herdenschutz-Pilotprojekte fortgesetzt, zwei weitere sind 2022 dazugekommen. Dabei habe sich gezeigt, dass es pro Alm mindestens zwei Hirten, mehrere Hütehunde und eingezäunte Übernachtungsplätze brauche. Pro Schaf mussten dafür im Schnitt 114 Euro aufgewendet werden. „Die Kosten für die Abwehr von Wolfsangriffen stehen in keinem Verhältnis zu den erzielbaren Erlösen.“ Außerdem sei qualifiziertes Hirtenpersonal ebenso Mangelware wie Pflegekräfte.

In Tirol gibt es 2100 Almen, auf rund 400 meist hochalpine Almen werden Schafe aufgetrieben. Rund 70.000 Schafe und Ziegen verbringen den Sommer auf Tirols Almen. (TT.com)

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