Nehammer in Marokko

Rückführungen nach Marokko: Wien und Rabat wollen zusammenarbeiten

Bundeskanzler Karl Nehammer (l.) beim marokkanischen Premier Aziz Akhannouch.
© APA/BMI/Makowecz

Rabat, Marrakesch – Marokko war im Jänner Herkunftsland Nummer eins in der österreichischen Asylstatistik. Mehr als 1300 Menschen aus dem nordafrikanischen Land haben einen Antrag gestellt. Das waren fast 30 Prozent aller Asylanträge im Jänner. Chance auf Asyl haben Marokkaner in Österreich kaum. Marokko zählt aber auch zu jenen Staaten, mit denen die Europäische Union seit Jahren erfolglos über ein Rückübernahmeabkommen für abgelehnte Asylwerber verhandelt. Bundeskanzler Karl Nehammer und Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) versuchen es jetzt auf dem direkten Weg. Bei einem Besuch in Marokko vereinbarte Nehammer mit dem marokkanischen Premierminister Aziz Akhannouch eine Zusammenarbeit beim Kampf gegen Schlepper und bei Rückführungen. Details dazu soll eine Arbeitsgruppe liefern.

Marokkanische Staatsbürger können ohne Visum in die Türkei fliegen. Von dort werden sie nach Angaben des österreichischen Innenministeriums von Schleppern zumeist über Bulgarien, Serbien und Ungarn bis an die österreichische Grenze gebracht. Für eine Schleppung nach Europa würden Summen zwischen 6000 und 12.000 Euro fällig.

In Österreich stellen zwar viele dann einen Asylantrag. Die meisten reisen aber weiter, nach Deutschland, Frankreich oder Spanien. Einige hundert bleiben in der österreichischen Grundversorgung. Europaweit gab es 2022 rund 22.000 Asylanträge von Marokkanern, 39 Prozent davon in Österreich (8470 Anträge).

Begleitet wurde Nehammer neben Karner auch von Außenamts-Generalsekretär Peter Launsky-Tieffenthal und einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation. „Nordafrika ist ein wichtiger geostrategischer Partner der Europäischen Union“, betont Nehammer. „Österreich setzt sich als Brückenbauer für eine Stärkung der Zusammenarbeit auf allen Ebenen ein.“ Marokko will mit der EU auch bei Klima- und Energiefragen zusammenarbeiten.

Es war der erste Besuch eines österreichischen Bundeskanzlers in dem Land. Dabei gibt es diplomatische Beziehungen bereits seit 240 Jahren, seit der Zeit von Kaiser Joseph II. (APA, TT)