Augenschmäuse für Designfreaks: Highlights des Joseph Binder Awards 2022
Innsbruck – Der alle zwei Jahre von designaustria ausgeschriebene Josef Binder Award ist – obwohl undotiert – offensichtlich für Grafikdesigner aus aller Welt attraktiv. Hatte die international besetzte Jury bei dem im vergangenen Jahr ausgeschriebenen doch die Qual, sich zwischen 908 Einreichungen aus 32 Ländern zu entscheiden. Und das in elf so unterschiedlichen Kategorien wie Screen- oder Corporate Design, Plakatgestaltung oder Buchillustration.
Zwölf der Projekte – davon drei aus Österreich – empfand die Jury eines Awards in Gold würdig, 14-mal wurde Silber vergeben, achtmal Bronze. Drei Sonderpreise gab es in der Kategorie Design Fiction für experimentelle bzw. wissenschaftliche Projekte, für Nachwuchsdesigner den Henry Steiner Prize.
Der Grafikdesigner und Illustrator Joseph Binder, der in der Zwischenkriegszeit die visuelle Gestaltung in Österreich – u. a. auch die des Tiroler Grafikers Arthur Zelger – und nach seiner Emigration 1938 in die USA die amerikanische wesentlich beeinflussen sollte, ist Namensgeber des seit 1996 vergebenen Awards. Die Ergebnisse seines jüngsten Durchgangs machen bei ihrer Tour durch die österreichischen Designforen derzeit im Innsbrucker WEI SRAUM Station.
Um hier angesichts ubiquitärer visueller Umweltverschmutzung vorzuführen, wie Botschaften oder Informationen ganz anders optisch „verpackt“ werden können. Wenn etwa die Ukrainerin Anna Sarvira die aktuelle Lage ihrer Landsleute auf ein Comicbild verkürzt, das gerade durch seine naive Plakativität so berührend daherkommt. Das Studio Heimat Wien macht dagegen mit seinen aus Pappkarton gemachten und im öffentlichen Raum positionierten lebensgroßen Figuren auf die wichtige Arbeit der VinziRast aufmerksam, während das buero butter die Tagebuchaufzeichnungen Anne Franks als Podcast optisch schnörkellos im Stil des Bauhauses aufbereitet.
Die „Coffee Journey“ des Tiroler Büros ICARUS ist an Farben festgemacht, die für die Tradition des Kaffeetrinkens in diversen Weltstädten stehen sollen. Im sehr wienerischen Alphabet des Schwoicher Designers Ricardo Gantschnigg (ricardodesign) wird dagegen das Riesenrad zum D, die Sezession zum R, ein Würstelstand zum S, die Melange zum K.
📍 WEI SRAUM. Andreas-Hofer-Straße 27, Innsbruck; bis 24. März, Di–Fr 13–18 Uhr