Eintauchen in die Kraft des Waldes: 5 Fragen an den Psychologen Martin Kiem
Achtsam in den Wald gehen, durchatmen, einfach sein. Wie Wald auf uns wirkt, erläutert Martin Kiem, der ab 17. April als Hauptreferent bei der Ausbildung Waldbaden der Landwirtschaftskammer Tirol tätig ist.
1️⃣ Warum tut der Wald gut? Der Mensch stand schon immer in intensiver Beziehung zur Natur und hat sich erst im Austausch mit ihr entwickeln können. Wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass eine Auszeit im Wald entspannend auf das Nervensystem wirkt, das Hormonsystem stabilisieren kann und das Immunsystem stärkt. Darüber hinaus gibt es auch subjektive Wirkungen, etwa Erinnerungen.
2️⃣ Wie lange sollte man sich im Wald aufhalten, um davon profitieren zu können? Wenn jemand kaum Naturerfahrung hat und nur wenig Zeit im Grünen verbringt, ist am Anfang schon eine halbe Stunde wertvoll. Die optimalen positiven Auswirkungen auf die Gesundheit entfalten sich ab zwei Stunden pro Woche.
3️⃣ Was unterscheidet denn das Waldbaden von einem Waldspaziergang? Drei Faktoren definieren den großen Unterschied: Zuerst geht es vor allem um die Langsamkeit. Je langsamer ich gehe, umso intensiver kann ich den Wald wirken lassen. Zweitens gibt es beim Waldbaden kein Ziel, keine Destination und kein Ankommen. Das dritte wichtige Element ist das bewusste Wahrnehmen, das ist ein ganz anderer Modus im Gehirn. Das Dauerdenken hat Pause.
4️⃣ Kann das Waldbaden jeder machen? Ja, da gibt es keine Altersgrenzen, auch mit körperlichen Beeinträchtigungen ist Waldbaden möglich. Einzig Menschen mit psychischen Erkrankungen sollten behutsam starten und begleitet werden.
5️⃣ An wen richtet sich die Ausbildung? Zielgruppe sind einerseits Beschäftigte im Tourismus, in Gesundheitsberufen oder der Pädagogik, die die Erfahrungen in ihr Berufsfeld als Ergänzung integrieren, andererseits jene, die für sich persönlich tiefer in den Wald eintauchen möchten.
Das Interview führte Beate Troger