Wiener Staatsoper

Mozarts Figaro treibt es bunt

Gräfin (Hanna-Elisabeth Müller), Susanna (Ying Fang) und Figaro (Peter Kellner) beim Pläne-Schmieden.
© Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Mit „Le nozze di Figaro“ setzten Barrie Kosky und Philippe Jordan ihren Mozart-Da-Ponte-Zyklus an der Wiener Staatsoper stimmig gelungen fort.

Wien – Es ist jenes Werk, das in der Staatsoper bis dato am häufigsten erklungen ist. Auch in der aktuellen Direktion hat Mozarts „Le nozze di Figaro“ gute Figur gemacht. Sogar für TV-Kameras, als man 2021 die legendäre Inszenierung Jean Pierre-Ponnelles zurückholte. Eine bezaubernde Wiederaufnahme, dirigiert vom Musikdirektor Philippe Jordan, die auch später mit anderen Sängern im Repertoire gefiel. Aber nur kurz, denn im Zuge des neuen Mozart-Da-Ponte-Zyklus, inszeniert von Barrie Kosky, hatte soeben ein neuer Figaro seinen Auftritt. Dabei muss sich niemand fürchten, denn das, was man am Premierenabend erlebte, hat das Potenzial, für die nächsten paar Jahrzehnte erfolgreiche Regiekulisse im Repertoire zu sein.

Kosky legt eine handwerklich souveräne, bekömmliche Arbeit vor. Die Charaktere sind gut gezeichnet, die Sache hat Spielfreude, gelingt leichtfüßig, mit einigen komischen Pointen. Kosky serviert kein vorrevolutionäres Denkspiel. Ungestörte Unterhaltung ist oberstes Gebot. Dabei hilft auch die Ausstattung, wenn Victoria Behr alle in heutige Retroklamotten steckt, die im Rokoko-Ambiente von Rufus Didwiszus ausgeführt werden oder im nächtlichen Garten an ihren Trägern gute Figur machen, wenn die, weniger originell, auf schräger Bühnenfläche aus Bodenluken herauskrabbeln.

Fröhlich schnurrt das Spiel um den Weiberhelden Graf Almaviva ab, an dessen Hof kein Mädchen, das bei drei nicht auf dem Baum ist, vor ihm sicher scheint. Auch nicht Susanna, die Braut seines Dieners Figaro und Zofe der Gräfin, die dann gemeinsam den Grafen aufblatteln.

Das Ensemble dazu ist bildhübsch gecastet. Selbst dass die entzückende Ying Fang als Susanna indisponiert nur die Figur spielt, während aus dem Graben Maria Nazarova bezaubernd dazu singt, nimmt der Gesamtwirkung wenig. Peter Kellner gefällt als fescher Figaro mit tüchtigem Spielbariton, Andrè Schuen bleibt optisch und stimmlich ganz nobel, selbst wenn er zum Wutausbruch in seiner Arie „Hai già vinta la causa ...“ allerlei Blumen zertrampelt.

Hanna-Elisabeth Müller muss als Gräfin nicht die Melancholische geben, sondern ist auch stimmlich eher resch resolut. Als burschikoser Racker macht Patricia Nolz als Cherubino das Schloss unsicher, etwa wenn sich im Chor der Brautjungfern krächzend ihr Stimmbruch bemerkbar macht. Josh Lovell ist ein wunderbar schleimig geschmeidiger Basilio, Stefan Cerny lässt es als Bartolo basskräftig donnern, Stephanie Houtzeel ist eine modisch höchst agil gebliebene Marcellina, während der Don Curzio von Andrea Giovannini Asthma-geplagt ständig am Inhalator ziehen muss. Johanna Wallroth hat es als Barbarina faustdick hinter den Ohren, während Wolfgang Bankl als ihr Vater Antonio mächtig ins Geschehen poltert.

Der Chor absolviert seine paar Auftritte blendend und mit großem Witz, den ihm die Regie abverlangt. Und Philipp Jordan hat am Pult des animiert spielenden Orchesters ein paar neue Details entdeckt, zieht das Tempo manchmal ordentlich an und dirigiert einen stimmigen Mozart für eine wohltemperierte Neuproduktion.

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