Suche nach Überlebenden

Verwüstungen und Tote: Schock und Verzweiflung nach Zyklon „Freddy“

Mindestens 309 Menschen starben in Malawi, Mosambik und Madagaskar.
© APA/AFP/JACK MCBRAMS

Tropensturm „Freddy“ hat in wenigen Tagen Malawi verwüstet. Mindestens 400 Menschen sind ums Leben gekommen. Rettungskräfte suchen in Schlammmassen und Trümmern noch immer nach Überlebenden. Doch die Chancen schwinden.

Blantyre, Beira, Antananarivo – Nach tagelanger Verwüstung durch den schweren Tropensturm "Freddy" suchten Rettungskräfte am Donnerstag in Malawi weiter nach Leichen und Überlebenden. Der Zyklon hat in drei Ländern im südöstlichen Afrika - Malawi, Mosambik und Madagaskar - Behörden zufolge mehr als 400 Menschenleben gefordert. Am meisten betroffen ist das verarmte Malawi, wo nach offiziellen Angaben mindestens 326 Menschen starben.

Knapp 1.000 Menschen sind nach offiziellen Angaben aufgrund starker Regenfälle, Fluten und Erdrutsche in Malawi verletzt worden. Mindestens 83.000 Menschen sind laut der Regierung obdachlos. Präsident Lazarus Chawera rief für die am stärksten betroffene Region, den Süden Malawis, den Katastrophenfall und eine zweiwöchige Staatstrauer aus. Flaggen wehten am Donnerstag auf Halbmast.

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Von Flutwassern und Erdrutschen zerstörte Straßen, Brücken und Eisenbahnschienen erschwerten die Arbeit von Rettungskräften. Die Telekommunikation und Stromversorgung sei in vielen Landesteilen unterbrochen, teilte die Regierung mit. Die Dörfer Manja und Soche wurden nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF komplett von einer Schlammlawine zerstört. Einwohner versuchten, sich über eine aus losen Baumstämmen gefertigte Brücke über reißende Fluten in höher gelegenen Gebieten in Sicherheit zu bringen. Auch zahlreiche Gesundheitszentren seien laut UNICEF beschädigt worden. Schulen blieben diese Woche geschlossen.

Der Zyklon hat seit dem späten Freitagabend zum zweiten Mal innerhalb eines Monats im Südosten Afrikas eine Spur der Verwüstung hinterlassen. In Mosambik starben nach Angaben von Präsident Filipe Nyusi mindestens 67 Menschen. Die Zahl könne sich demnach verdoppeln, da viele betroffene Gebiete noch nicht zugänglich seien. Auch auf dem Inselstaat Madagaskar gab es mindestens 17 Tote. Behörden in Malawi und Mosambik ermittelten am Donnerstag weiter das genaue Ausmaß der Schäden, hieß es.

Mit bloßen Händen suchen die Menschen unter Schlamm und Trümmern nach Vermissten.
© APA/AFP/AMOS GUMULIRA

Verzweifelte Einwohner suchten am Donnerstag in Trümmern nach vermissten Familienmitgliedern. Andere standen am Eingang von Leichenhallen Schlange, um Opfer zu identifizieren. "Es ist ein trauriger Tag für Malawi. Meine Nachbarn haben zehn Familienmitglieder verloren. Mehrere Leute, die ich kenne, werden vermisst", sagte Thomas Bhanda aus der Gemeinde Chilobwe - das ist in der Nähe von Blantyre.

Der letzte Moment, an den sich Kiam Jegwa erinnern konnte, ist wie eine Flut von Wasser in sein Haus in Blantyre eindrang. Als nächstes sei er im Zentralkrankenhaus der Stadt aufgewacht. "Ich kann mich an nichts erinnern. Ich hoffe, meine Familie findet mich bald", sagte der 37-Jährige. Im Nebenzimmer saß die 25-jährige Jamia am Bett ihrer vierjährigen Tochter. Die beiden sind obdachlos, seitdem das Dach ihres Hauses einstürzte und ein fallender Dachbalken das Bein des Kindes verletzte. Wie viele Betroffene werden Jamia, die ihren Nachnamen nicht nennen wollte, und ihre Tochter zunächst in einer Schule oder Kirche Unterschlupf finden müssen.

Die Situation ist extrem schlimm. Viele Menschen sind verwundet, vermisst oder tot. Die Zahlen werden in den kommenden Tagen zunehmen.
Guilherme Botelho (Ärzte ohne Grenzen in Blantyre)

Behörden in Malawi und Mosambik ermittelten am Donnerstag noch immer das genaue Ausmaß der Schäden, hieß es. "Die Situation ist extrem schlimm. Viele Menschen sind verwundet, vermisst oder tot. Die Zahlen werden in den kommenden Tagen zunehmen", sagte Guilherme Botelho, Leiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Blantyre. Erschwerend hinzu komme ein verheerender Cholera-Ausbruch, der im Vorjahr von Tropensturm "Ana" ausgelöst worden war und inzwischen elf Länder im Südosten Afrika betreffe, so Bothelho.

"Straßen und Brücken wurden weggeschwemmt und haben Dörfer von dringend benötigter Hilfe abgeschnitten", berichtete Matthew Pickard, Regionaldirektor im südlichen Afrika der Hilfsorganisation CARE. "Häuser und Wohnungen wurden zerstört." Auch Pickard sprach einen erneuten Cholera-Ausbruch in Mosambik an. "CARE arbeitet bereits mit der Regierung und lokalen Partnern zusammen. Wir haben in Mosambik und Malawi Materialien für Notunterkünfte verteilt, sowie zusätzlich Decken, Küchen- und Haushaltsutensilien für Betroffene in Malawi." Mit Unterstützung der Europäischen Union wurden bisher in Mosambik rund 900 Familien mit CARE-Paketen mit Hilfsgütern und Hygieneartikeln versorgt. In den Bezirken Inhassoro und Govuro südlich von Beira ist CARE nach eigenen Angaben derzeit die einzige Organisation, die Hilfe leistet. In Govuro ist die Cholera ausgebrochen. CARE hat bisher 10.704 Stück Seife und 2.676 Flaschen mit Wasseraufbereiter verteilt.

Zyklon "Freddy" hat seit vergangenem Freitag zum zweiten Mal innerhalb eines Monats im Südosten Afrikas eine Spur der Verwüstung hinterlassen.
© IMAGO/Xinhua

"Freddy" hatte am 21. Februar erstmals Land erreicht - und zwar in Madagaskar. Von dort zog der Sturm weiter nach Mosambik und anschließend zurück über den Indischen Ozean. Am 11. März erreichte "Freddy" zum zweiten Mal Mosambik sowie auch Malawi.

Der seit mehr als einem Monat wütende Sturm dürfte nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) der langanhaltendste Zyklon seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sein. "Freddy" wurde am 6. Februar zum Zyklon erklärt. Der Süden Afrikas befindet sich derzeit in der Zyklon-Saison, die bis März oder April Regen und schwere Stürme mit sich bringen kann. (APA/dpa)