Techtelmechtel und Leistungsbeschau beim fünften Symphoniekonzert
Farbenprächtig schillerndes Symphoniekonzert mit dem TSOI auf Basis von Dukas, Strauss und Ravel im Congress.
Innsbruck – Vier Flöten, zwei Harfen und dazu alles, was an Schlagwerk auf der Bühne unterzubringen ist. Das fünfte turnusmäßige Konzert des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck (TSOI) verhieß schon aufgrund seiner – um etliche Positionen erweiterten – Besetzung ein außergewöhnliches Klangereignis. Keine Fehlannahme, wie sich am Donnerstagabend herausstellen sollte.
Werke von Paul Dukas, Richard Strauss und Maurice Ravel, dreier Zeitgenossen am Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert, wurden aus dem Notenarchiv gefischt. Späte Romantik trifft auf neuartigen Impressionismus. Da wird es träumerisch und rauschhaft, bunt und überdreht. Gefühle in Wallung.
Wir Zuhörende brauchen nicht allzu lange, um mit einzutauchen, zu versinken. Nicht, dass auch nur irgend jemand einschlafen würde! Nein, dazu zeigt sich das Orchester zu beherzt und beseelt. Unter dem zupackenden, stets freundlich lächelnden Gastdirigenten Tung-Chieh Chuang, normalerweise in der Ruhrstadt Bochum werktätig, versprüht das TSOI einiges an Charme.
Verantwortlich dafür sind zuvorderst zwei Solo-Ausführende aus den eigenen Reihen des TSOI: Klarinettistin Gabi Amon und Fagottist Alejandro Fela vollführen bei Richard Strauss’ „Duett-Concertino“ aus 1947, einem Spätwerk des Komponisten, ein herzerfrischendes Techtelmechtel nach Noten.
Märchenhaft sei angeblich der Hintergrund dieses mit honigsüßen Streichern hinterlegten Anpirschens von Männlein und Weiblein: Ein als Bär getarntes Mannsbild tänzelt um eine waschechte, nein, nicht Oligarchennichte, sondern Prinzessin.
Wie auch immer. Felas wohlig-warmes Fagott matcht sich ungemein mit Amons zauberhafter Klarinette. Das bärige Eis schmilzt schon recht bald.
Feurig, fantasievoll und funkensprühend ist der restliche Abend. Bei Dukas’ (eigentlicher Ballettmusik) „La Péri“ und Maurice Ravels Suite Nr. 2 „Daphnis et Chloé“ wird starke sinfonische Kost aufgefahren: selbstbewusst, fordernd und gefordert, eine wahre Leistungs(be)schau.
Nach dem Finale holen sich SolistInnen aus Blech und Holz gleich scharenweise ihren verdienten Sonderapplaus ab.