Neuer Film "Inside"

Schauspieler Willem Dafoe im Interview: „Action ist eindeutig das Ding!“

Derzeit brilliert Schauspieler Willem Dafoe im Film „Inside“.
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Willem Dafoe, Hauptdarsteller des Films „Inside“, sprach anlässlich der Weltpremiere in Berlin über Action und den Moment, an dem die Zeit bedeutungslos wird.

Berlin – Hollywood-Star Willem Dafoe ist ein schauspielerisches Chamäleon. Ob Schuft in „Spider-Man“, Jesus Christus in „Die letzte Versuchung“ oder Vincent van Gogh in „Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit“ – in seiner mehr als 40-jährigen Karriere hat der jetzt 67-Jährige mit beispiellosem Facettenreichtum brilliert. Im Thriller „Inside“ begeistert Dafoe derzeit als Kunstdieb Nemo. Der passt in keine Schublade. Genie, Traumtänzer oder eiskalter Verbrecher, Charmeur oder Widerling? Willem Dafoe lässt unzählige Deutungen zu.

Die Story ist eindeutig eine moderne Variante der Abenteuer von Robinson Crusoe, dem Romanhelden von Dafoes Fast-Namensvetter Daniel Defoe. Robinson strandet im 18. Jahrhundert auf einer einsamen Insel.

Die APA traf den Schauspieler zur Weltpremiere des Kinofilms, der hierzulande seit Freitag zu sehen ist, in Berlin:

986 stellte der heute 67-Jährige einen Soldaten im Film „Platoon“ dar.
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War es schwierig, bei „Inside“ ohne einen Partner zu spielen?

Willem Dafoe: Ich hatte Partner. Ich bezog mich auf Objekte, die Kunst, unterschiedliche Aufgaben. Und weil es nicht konventionell ist mit Dialog und den üblichen Dingen und weil es an einem einzigen Ort stattfindet, war diese Erfahrung viel intensiver.

Haben Sie den Dialog vermisst?

Dafoe: Nein, wenn Sie sprechen, sprechen Sie mit Ihrem Kopf. Denn ich war nie ein großer Freund des Deklamierens. Ich habe mich immer mit dem Physischen wohler gefühlt als mit dem Wort. Es ist näher zur Erzählung, zur Psychologie und Literatur. Manchmal kann uns das wegführen von der Macht des Films und auch von der Macht des Theaters. Das Ereignis, die Action sind eindeutig das Ding!

Welche Situation hat Sie am meisten gefordert?

Dafoe: Immer mit den Aufgaben und Hindernissen des Charakters umzugehen, ohne sie zu zeigen. Sie wurzeln zu lassen auf eine organische Weise. Das war sehr wichtig.

2002 trat Dafoe als grüner Kobold gegen Spiderman an.
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Warum hat der Dieb in „Inside“ keine Angst, dass nach dem Auslösen des Alarms gleich die Polizei kommt? Und warum kommt die Polizei tatsächlich nicht?

Dafoe: Was soll er tun? Er ist ein Kunstdieb, kein Killer. Wenn sie kommen, nehmen sie ihn mit, er wird ihnen nicht die Köpfe einschlagen. Das ist ein Film, der sehr anregend ist: Sie können Fragen stellen, Dinge einfügen, die ungesagt bleiben. Das hat mich wenig gekümmert. Sollen wir zeigen, dass er Angst hat? Das war nicht die Geschichte, die uns interessiert hat.

Ihr Charakter in „Inside“ befindet sich durchgängig in einer klaustrophoben Situation. Hat Sie das beeinflusst?

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Dafoe: Nicht so sehr, denn der Raum ist ziemlich groß, eher das Gefühl von Hoffnungslosigkeit. Das Interessanteste für mich war, dass Zeit bedeutungslos wurde. Denn Zeit wird von unseren Aktionen bestimmt, davon, uns von einem Ort zum anderen zu bewegen. Meine Figur kann auf ihre Uhr schauen, aber Zeit bedeutet nichts. Denn wann sie schläft und wann sie aufsteht, spielte keine Rolle. Das galt auch für uns während des Studiodrehs: Da sind diese riesigen Fenster, da ist eine Projektion draußen. So haben wir mitunter zwölf Stunden am Tag im Dunkeln gearbeitet. Das stört deinen natürlichen Rhythmus, der mit dem Sonnenlicht zusammenhängt. Das macht etwas mit dir, wenn du so für längere Zeit arbeitest.

Am Ende von „Inside“ bleibt es dem Publikum überlassen, zu interpretieren, ob der Dieb es schafft oder nicht ...

Dafoe: Das sehe ich genauso. Es macht auch nichts aus, denn wir erzählen nicht diese Art von Geschichte. Es geht nicht darum, ob er rauskommt oder nicht. (APA)