Rede im Bundestag

Charles III. würdigt deutsche Hilfe für die Ukraine als „mutig“

Am zweiten Tag seines Staatsbesuchs in Deutschland sprach König Charles im Bundestag.
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Charles sprach in seiner teils auf Deutsch gehaltenen Rede die engen Verflechtungen beider Länder an – vom Handel zu Zeiten der Hanse bis zu kulturellen und anderen Aspekten.

Berlin – Der britische König Charles III. hat die umfangreiche deutsche Hilfe für die von Russland angegriffene Ukraine gewürdigt. „Der Entschluss Deutschlands, der Ukraine so große militärische Unterstützung zukommen zu lassen, ist überaus mutig, wichtig und willkommen“, sagte der Monarch am Donnerstag in einer Rede im Deutschen Bundestag. „Deutschland und das Vereinigte Königreich haben eine wichtige Führungsrolle übernommen.“ Als größte europäische Geber hätten beide Länder entschlossen reagiert und Entscheidungen getroffen, die früher vielleicht unvorstellbar gewesen wären.

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Der Auftritt im Bundestag war der zentrale Programmpunkt am zweiten Tag des Staatsbesuchs von Charles und Queen Camilla, die mit ihrem Mann in das Reichstagsgebäude gekommen war. Charles sprach in seiner teils auf Deutsch gehaltenen Rede die engen Verflechtungen beider Länder an – vom Handel zu Zeiten der Hanse bis zu kulturellen und anderen Aspekten. Er nannte etwa die Beatles und die deutsche Band Kraftwerk, die Komiker von Monty Python oder den Sieg Englands gegen Deutschland im Finale der Frauen-Fußball-Europameisterschaft 2022.

Vor seiner Rede trugen sich König Charles und seine Gattin Camilla ins Gästebuch des Bundestags ein.
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Bundestagspräsidentin Bärbel Bas betonte in ihrer Begrüßung: „Großbritannien und Deutschland sind und bleiben enge Verbündete und vertrauensvolle Partner.“ Dies gelte auch nach der Entscheidung Großbritanniens, die Europäische Union zu verlassen. Bas dankte für den „unverzichtbaren und großen Beitrag“ des Vereinigten Königreichs zur Befreiung Europas vom Nationalsozialismus und die Freundschaft mit Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie erinnerte auch an die gestorbene Mutter des Königs. Zeit ihres Lebens habe sich Queen Elizabeth II. für die Aussöhnung beider Länder eingesetzt.

Bas, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kanzler Olaf Scholz (SPD), Bundesratspräsident Peter Tschentscher (SPD) und der Präsident den Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth, begleiteten die Gäste in den Plenarsaal. Auf der Tribüne nahmen unter anderem die ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck und Christian Wulff an der Veranstaltung teil.

Nach der Rede im Bundestag besucht der Staatsgast gemeinsam mit dem deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier das Ankunftszentrum für ukrainische Flüchtlinge am ehemaligen Flughafen Tegel. Damit endet der Besuch in der Hauptstadt.

Abstecher nach Brandenburg

Am späteren Nachmittag unternahmen König und Bundespräsident einen Abstecher nach Brandenburg, der sie zunächst nach Finowfurt nordöstlich von Berlin führte. Dort konnte Charles mitverfolgen, wie rund 100 Soldaten des Deutsch-Britischen Pionierbrückenbataillons 130 eine Schnellschwimmbrücke in nur wenigen Minuten zusammenbauten. Danach fuhr ein Boxer-Panzer über die Brücke.

Ein schweres Unwetter überschattete den Besuch des Königs im Ökodorf Brodowin.
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Das strenge Protokoll des darauffolgenden königlichen Besuchs im Ökodorf Brodowin wurde indes durch ein starkes Unwetter mit Blitz und Donner durcheinandergebracht. Eigentlich wollte König Charles III. hier am Donnerstag innerhalb weniger Minuten Käse machen, eine Begrüßungstorte anschneiden und Kälbchen streicheln. Unmittelbar nach dem Eintreffen des Monarchen zog jedoch ein schweres Unwetter über Brodowin.

Während der Gewitters hielt der König sich in der hofeigenen Molkerei auf, wo er Käsemasse in eine Form füllte und glatt strich. Der Besuch auf dem rund 80 Kilometer nordöstlich von Berlin gelegenen Hof in der Schorfheide dürfte für ihn eine Herzensangelegenheit gewesen sein. Charles setzt sich seit Jahrzehnten für die biologisch-dynamische Landwirtschaft ein und gilt vielen als Vorreiter auf dem Gebiet. Bereits in den 1980er-Jahren stellte er die Landwirtschaft auf seinem Landgut Highgrove in Gloucestershire auf Öko-Betrieb um. (dpa, APA, TT.com)

Charles in der Molkerei.
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