🌍 Nährstoffmangel

Langzeitexperiment in Tirol zeigt fatale Folgen des Klimawandels auf Waldböden

In Wäldern wirkt sich die Verfügbarkeit von Phosphor gleichzeitig auf das Wachstum der Vegetation und die Aktivität der Mikroorganismen im Waldboden aus. (Symbolfoto)
© IMAGO/Jan Eifert

Mikroorganismen im Boden bekommen aufgrund der Erwärmung weniger Phosphor – was sich negativ auf den gesamten Öko-Kreislauf im Wald auswirkt.

Achenkirch – Die Klimaerwärmung führt dazu, dass im Waldboden lebenden Mikroorganismen weniger Phosphor zur Verfügung steht. Das berichtet ein österreichisch-deutsches Forscherteam im Fachjournal "Nature Communications". Die Wissenschafter führen seit 15 Jahren in einem Gebirgswald nahe Achenkirch (Tirol) ein Freiland-Experiment durch, bei dem Heizkabel im Boden diesen um vier Grad Celsius erwärmen, um mögliche Auswirkungen der Klimaerwärmung auf den Waldboden zu erforschen.

Phosphor ist als essenzielles Nährelement entscheidend für das Gedeihen von Pflanzen, Mikroorganismen und Tieren inklusive des Menschen: Das Element spielt im zellulären Energiehaushalt sowie als Baustein in Biomembranen und Knochen eine wichtige Rolle. In Wäldern wirkt sich die Verfügbarkeit von Phosphor gleichzeitig auf das Wachstum der Vegetation und die Aktivität der Mikroorganismen im Waldboden aus. Eine Unterversorgung mit Phosphor kann das Wachstum der Bodenmikroben verringern und sich damit auch negativ auf den Kohlenstoffkreislauf auswirken, heißt es am Donnerstag in einer Aussendung des Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), das gemeinsam mit den Unis Wien und Bayreuth das Langzeitexperiment durchführt.

Die Mikroorganismen mobilisieren Nährstoffe, die für das Baumwachstum und damit die CO2-Bindung wichtig sind.
Andreas Schindlbacher, Bundesforschungszentrum für Wald

"Die schlechtere Phosphorverfügbarkeit für die Bodenlebewesen bedeutet, dass andere normalerweise limitierende Elemente in Überschuss geraten und dem System verloren gehen, wie an steigenden Kohlenstoff- und Stickstoffverlusten der Böden nachzuweisen ist", erklärte Wolfgang Wanek vom Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschung der Universität Wien in der Aussendung. Er hat in einer weiteren, im Fachjournal "Global Change Biology" veröffentlichten Arbeit die Rolle von Phosphor auch im Labor untersucht und gezeigt, dass bei Zugabe von Phosphat die Mikroorganismen sprunghaft wachsen, während sie auf Stickstoff-Zugabe nur vergleichsweise schwach reagieren.

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"Die Mikroorganismen im Waldboden spielen im Klimawandel-Kontext eine besondere Rolle, weil sie abgestorbene organische Bestandteile zerlegen und dabei einerseits Kohlendioxid in die Atmosphäre freisetzen. Gleichzeitig mobilisieren sie Nährstoffe, die für das Baumwachstum und damit die CO2-Bindung wichtig sind", erklärte Andreas Schindlbacher vom BFW. Gerät die Nährstoffverfügbarkeit im Boden aus dem Gleichgewicht, könne sich das auf den Kohlenstoffkreislauf im Boden und auf das Baumwachstum auswirken.

Vitalität der Kalkalpen-Wälder bedroht

Der Nährstoffmangel verschärft den Forschern zufolge die Situation für die Wälder in den Kalkalpen, wo der hohe pH-Wert des Bodens sowie geringe verfügbare Phosphorgehalte die Aufnahme dieses Nährstoffes erschweren. Die Daten des österreichischen Bioindikatornetzes des BFW zeigen ab Anfang der 1990 Jahre eine Verschlechterung der Phosphorversorgung. Die Experten befürchten, dass die Klimaerwärmung diesen Nährstoffmangel in den Kalkalpen weiter verstärkt, mit negativen Auswirkungen auf das Wachstum und die Vitalität des Waldes. (TT.com, APA)

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