Gesetzesreform auf Schiene

Kampf gegen Kindesmissbrauch: Höhere Strafen, mehr Prävention

Sozialminister Johannes Rauch (Grüne), Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP), Justizministerin Alma Zadic (Grüne) und Staatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP) präsentierten die Eckpunkte des Pakets bereits Ende Jänner.
© ROLAND SCHLAGER

Das Maßnahmenpaket der Regierung ist fertig. Künftig sind bis zu fünf Jahre Haft bei Herstellung von Missbrauchsdarstellungen möglich. Justizministerin Zadic (Grüne) kündigte zudem mehr Prävention und Beratung an.

Wien – Die türkis-grüne Koalition hat ihr Maßnahmenpaket gegen Kindesmissbrauch ausgearbeitet und schickt die Verschärfungen im Sexualstrafrecht in Begutachtung. Bei Herstellung oder Anbieten einer Vielzahl – also ab 30 Fotos/Videos – von Missbrauchsdarstellungen sind künftig bis zu fünf Jahre Haft möglich, teilte das Justizministerium am Samstag per Aussendung mit. Tätigkeitsverbote für Verurteilte wurden überarbeitet und es soll ein Gütesiegel für Kinderschutz sowie mehr Beratung geben.

Jedes Kind hat das Recht auf ein gewaltfreies Aufwachsen! Wir haben daher ein Maßnahmenpaket geschnürt, das alle Aspekte abdeckt und für die größtmögliche Sicherheit unserer Kinder sorgen soll.
Justizministerin Alma Zadić (Grüne)

"Jedes Kind hat das Recht auf ein gewaltfreies Aufwachsen! Wir haben daher ein Maßnahmenpaket geschnürt, das alle Aspekte abdeckt und für die größtmögliche Sicherheit unserer Kinder sorgen soll", betonte Justizministerin Alma Zadić (Grüne). Die Reform beinhalte neben härteren Strafen "zielgerichtete Prävention" und einen neuen Rechtsbegriff.

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Höhere Strafen für Besitz von Kindesmissbrauch-Darstellungen

In Sachen Strafverfolgung sollen nun bei Besitz von dargestelltem Kindesmissbrauch statt einem Jahr bis zu zwei Jahre Haft drohen, wenn es sich aber um Kindesmissbrauchsmaterial mit unmündigen Minderjährigen handelt bis zu drei Jahre Haft. Um eine Ausweitung der Tätigkeitsverbote für bereits verurteilte Täter sicherzustellen, soll das bisherige Erfordernis der Tätigkeit bzw. der Tätigkeitsabsicht zum Tatzeitpunkt wegfallen, wurde erläutert.

Das Cyber Crime Competence Center (C4) im Bundeskriminalamt werde aufgestockt und der Ausbau der Expertise bei den Staatsanwaltschaften und in den Landeskriminalämtern vorangetrieben.

Großangelegte Kinderschutz-Kampagne geplant

Zusätzlich soll die Prävention verstärkt werden. Künftig müssen alle Bundesschulen verpflichtend Kinderschutzkonzepte umsetzen, wie das Bundeskanzleramt kürzlich präsentiert hat. Ein neues Gütesiegel für Kinderschutz soll Eltern zeigen, wo ihre Kinder ausreichend geschützt werden. Eine entsprechende Zertifizierungsstelle befinde sich in Ausarbeitung. Auch eine großangelegte Kinderschutz-Kampagne sei geplant, "damit Kinder künftig ganz genau wissen, was ihre Rechte sind und wo sie sich hinwenden können, wenn diese verletzt wurden".

Begriff "Kinderpornografie" wird ersetzt

Psychologische Unterstützungsleistungen und Familienberatungsstellen werden laut Justizministerium finanziell ausgebaut und sollen flächendeckend angeboten werden. Durch die Reform wird zudem der als verharmlosend kritisierte Begriff der "Kinderpornografie" durch die "Darstellung von Kindesmissbrauch" ersetzt. Im Gesetz wird der Begriff "bildlich sexualbezogenes Kindesmissbrauchsmaterial" verwendet. Dies orientiert sich stark am englischen "Child Sexual Abuse Material" (CSAM), dieser Begriff habe sich international durchgesetzt, so das Ministerium.

Wir schützen die Kinder besser, wir bestrafen die Täter härter und wir unterstützen die Opfer in der Aufarbeitung ihres Leids verstärkt
Familienministerin Susanne Raab (ÖVP)

Das Maßnahmenpaket wurde vom Justizministerium gemeinsam mit Familienministerin Susanne Raab (ÖVP), Sozialminister Johannes Rauch (Grüne) und Jugend-Staatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP) ausgearbeitet. "Wir schützen die Kinder besser, wir bestrafen die Täter härter und wir unterstützen die Opfer in der Aufarbeitung ihres Leids verstärkt", wurde Raab in der Aussendung zitiert. "Wir können Kindesmissbrauch leider nie ganz verhindern. Aber wir können die Folgen für die Opfer lindern. Diese Hilfe stellen wir mit diesem Maßnahmenpaket auch sicher", betonte Rauch. "Menschen, die sich an Kindern und Jugendlichen vergreifen, haben nie wieder etwas in deren Nähe verloren", meinte Plakolm. (TT.com, APA)

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