Missstände in Filmbranche

Nora Tschirner nach Vorwürfen an Schweiger: „Ich hab’ keinen Bock mehr drauf“

Nora Tschirner und Til Schweiger im Jahr 2010. Die beiden deutschen Stars standen für den Film „Keinohrhasen“ vor der Kamera.
© imago

Nora Tschirner meldete sich nach den Vorwürfen an Til Schweiger zu Wort. Die Schauspielerin geht mit der Filmindustrie hart ins Gericht.

Berlin – In der deutschen Filmindustrie gehen die Wogen hoch. Nachdem mehrere Mitarbeiter anonym im Spiegel von mutmaßlicher Schikane und Gewalt beim Filmdreh zu „Manta Manta Zwoter Teil“ mit dem deutschen Kinostar Til Schweiger berichteten, meldete sich auch seine einstige Kollegin Nora Tschirner in den sozialen Medien zu Wort.

Der 41-Jährigen, die mit Schweiger vor Jahren in den Filmen „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ vor der Kamera stand, platzte der Kragen. „Sehr, sehr viele Leute haben sich dem Spiegel anvertraut und über Zustände in der Filmindustrie gesprochen, die von den Verantwortlichen im Prinzip für null und nichtig erklärt werden“, sagte Tschirner in einer Videobotschaft. Darauf hätte sie keinen Bock mehr. Denn es sei für jeden in der Branche, bis auf einige wenige Sets, seit Jahrzehnten ein offenes Geheimnis, dass diese Zustände herrschen.

Wenn man als Verantwortlicher so etwas höre und nicht einmal sagt: „Wir gehen der Sache auf den Grund“, sondern, „Ne, ne, ist alles cool“, und damit auch den Mut der Leute ignoriert, die Angst haben, ihren Namen zu sagen, und es sich in ihren Positionen nicht leisten können, ein Fass aufzumachen, so sei das höhnisch. „Da mache ich nicht mehr mit“, ärgert sich die Schauspielerin und erklärt: „Ich finde, dass in diesem Artikel sehr viel stimmt.“ Und wenn man als Filmindustrie nicht endlich die Karten auf den Tisch lege, was Arbeitsschutz angeht, „dann müssen wir uns langsam fragen, auf welcher Seite wir gestanden haben, was diese Sache angeht“.

Anschuldigungen gegen Til Schweiger

Der Hintergrund: Über 50 Filmschaffende haben für den Artikel mit dem Spiegel gesprochen und von fürchterlichen Zuständen am Set berichtet. Schweiger soll beim Dreh zu „Manta Manta“ im vergangenen Sommer unter anderem betrunken am Set erschienen sein. Der Schauspieler wird als „Imperator“ bei den Dreharbeiten beschrieben, ihm wird „Sexismus“ vorgeworfen.

Der ehemals gefeierte Star soll gegenüber seiner Crew angeblich „ständig ausgerastet“ sein und Teammitglieder beschimpft haben. Angeblich habe Schweiger einen hochrangigen Mitarbeiter nach einem Streit ins Gesicht geschlagen. Die Arbeitszeiten seien so ausgedehnt gewesen, dass das Team „körperlich und psychisch am Ende“ gewesen sei.

Der Constantin Filmverleih, der „Manta Manta“ in die Kinos brachte, bezeichnet die Vorwürfe als „überwiegend unvollständig und verzerrend, teilweise schlicht falsch“. Til Schweiger lässt alle Vorwürfe dementieren. Es gilt die Unschuldsvermutung. (TT)

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