Neue Behandlungsmethode

Überleben bei Darmkrebs durch neue Therapie deutlich verbessert

Symbolfoto.
© Thomas Böhm

Die MedUni Wien war an einer weltweiten Studie zu einer neuen Behandlungsmethode bei metastasierendem Darmkrebs beteiligt. Die Therapie erfolgt zum Großteil zu Hause und soll Überleben und Lebensqualität Betroffener deutlich verbessern.

Wien – Eine neue Behandlungsmethode bei metastasiertem Darmkrebs verbessert das Überleben und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich. Das teilte am Donnerstagnachmittag die MedUni Wien mit, die an der weltweiten Studie dazu beteiligt war. Der neue Behandlungsstandard sieht eine Kombination einer zielgerichteten Therapie mit einer oralen Chemotherapie vor und soll sehr bald österreichischen Patientinnen und Patienten zugutekommen, informierte die MedUni in einer Aussendung.

Jährlich erkranken in Österreich rund 4500 Menschen an Darmkrebs, bei rund 1200 bis 1400 davon kommt es im Laufe der Erkrankung durch fortgeschrittene Metastasierung zu einer sogenannten Drittlinientherapie. Bei der Studie handelte es sich um eine globale, prospektive, randomisierte Phase-III-Studie, die weltweit rund 500 vorbehandelte Patienten eingeschlossen hat und unter Gestaltung von Gerald Prager von der Universitätsklinik für Innere Medizin I aufgesetzt und unter anderem an mehreren Zentren in Österreich durchgeführt wurde.

Der neue Behandlungsansatz kombiniert die bisherige zielgerichtete Standardtherapie Trifluridine/Tipiracil mit Bevacizumab, einem Antikörper gegen Blutgefäßneubildung. Dieser Antikörper ist seit rund 20 Jahren bekannt und kommt auch in früheren Linien der Behandlung von Darmkrebs zum Einsatz. Der verbesserte Nutzen erstreckt sich über alle untersuchten Gruppen hinweg, unabhängig von Alter, Geschlecht, Lokalisation des Primärtumors, von Vorbehandlungen und von molekularen Charakteristiken des Tumors. Durch die gute Verträglichkeit des Antikörpers mit der oralen Chemotherapie bleibt der Allgemeinzustand im Vergleich zur bisherigen Standardtherapie signifikant länger erhalten, erläuterte die MedUni.

"Normalerweise sehen wir durch Kombinationen von Therapien kleine Erfolge, aber hier handelt es sich um einen großen Schritt nach vorne, sowohl in Bezug auf die Überlebenswahrscheinlichkeit als auch auf die Lebensqualität", berichtete Prager, der auch Erstautor der Studie ist. Als einzige erwähnenswerte Nebenwirkung kann es etwas häufiger zu Blutarmut kommen, die gut behandelbar sei.

Die neue Behandlungskombination erfolgt zumeist ambulant. Die Patienten nehmen die orale Chemotherapie in Tablettenform zu Hause ein, alle 14 Tage wird der Antikörper als 15- bis 30-minütige Infusion in der onkologischen Tagesklinik gegeben. Zudem müssen die Patienten einmal monatlich eine Blutbildkontrolle machen. Die Therapie hat bereits Eingang in US-amerikanischen Leitlinien gefunden. Auch in Europa wird die Zulassung für das Behandlungskonzept durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) laut MedUni demnächst erwartet. Die Studie wurde im renommierten Medizin-Fachblatt "New England Journal of Medicine" publiziert. (APA)