Österreich im ESC-Finale: Doppelter Triumph für Teya & Salena
Das zweite Song-Contest-Semifinale war tätsächlich eher semi-spannend. Österreichs Hoffnungsträgerinnen lösten ihr Finalticket ungefährdet – und heimsten bereits eine erste Auszeichnung ein.
Liverpool – Den ersten Titel hat Österreich beim Eurovision Song Contest in Liverpool bereits gewonnen: Teya & Salena, also Teodora Špirić und Selina-Maria Edbauer, und ihre Mitautoren Pele Loriano und Ronald Janeček wurden am Donnerstag mit dem Eurostory Best Lyrics Award für den besten Liedtext des heurigen Wettbewerbs augezeichnet. Wohl nicht zuletzt wegen der in den Text eingearbeiteten Kritik an der großen Musikindustrie. Denn „Who The Hell Is Edgar?“ erzählt vom bekannten amerikanischen Gruselschriftsteller Edgar Allan Poe, der den Song angeblich geschrieben haben soll. Er soll ihm und den beiden Interpretinnen ordentliche Einnahmen beschehren. Doch: Herauskommen „zero dot zero zero three“, 0,003 Euro. Das zahlen Streaminganbieter im Schnitt für einen abgerufenen Song. Reich werden dadurch die wenigsten.
📽️ Video | ESC: Österreich im Finale
Im großen Finale um Europas Liederkrone am Samstagabend stehen Teya & Salena mit „Who The Hell Is Edgar?“ auch. Das Semifinale am Donnerstagabend wurde – Wettanbieter haben es prognostiziert – zur Formsache. Und spätestens beim ersten „Poe, Poe, Poe, Poe“ dürfte auch den letzten Skeptikern in der Halle und vor dem Fernseher klar geworden sein: Das nun eben schon vorab preisgekrönte Lied reißt mit.
Stimmungsbefreites Halbfinale
Ansonsten blieb es beim zweiten Halbfinale aber recht stimmungsbefreit.
Die großen Favoriten – Loreen aus Schweden, dann länger nichts, dann der finnische Fake-Muskelmann Käärija und sein „Cha Cha Cha“ – und alles wenigstens halbwegs kraftvolle, also Kroatiens Diktatoren-Traktoren-Nonsense „Mama SC“, lösten ihr Endrundenticket bereits am Dienstag. Die großen Songcontest-Finanziers aus Grobritannien, Italien, Frankreich, Deutschland und Spanien sind Finalfixstartert. Vorjahressieger Ukraine ebenfalls.
Semifinale Nummer zwei war schwächer, farbloser und der Beweis, dass Social-Media-Power eben doch nicht reicht. Dänemarks Hoffnungsträger Reiley etwa hat auf Tiktok mehr als elf Millionen Follower, aber ein ziemlich dünnes Stimmchen. Er und seine in rosa gehaltene Puppenhaus-Nummer „Breaking My Heart“ dürfen, trotz motiviertem Drehbühneneinsatz, schon wieder nach Hause fahren. Gleiches gilt für Diljá aus Island, die zwar silbrig glänzte – aber die von ihr besungene „Power“ wollte und wollte und wollte sich nicht einstellen.
🔗 Ticker-Nachlese des Halbfinales:
Konnten Europa überzeugen
Geschafft! Teya & Salena stehen im Finale des 67. Eurovision Song Contest
Australien hingegen, der Dauergast bei der Eurovision, darf auch am Samstagabend wieder auf die Bühne: Vertreten wird Down Under heuer von der Band Voyager und dem Song „Promise“.
Weiter sind auch: Andrew Lambrou, der mit dem Titel „Break A Broken Heart“ für Zypern antritt, der gutbehütete und steilgestifelte Belgier Gustaph („Because Of You“), die Polin Blanka, die ihr „Solo“ von Tänzerinnen und Tänzern und rätselhaften Visuals begleiten ließ, und die Albanerin Albina („Duje“), die gleich ihre ganze Familie mit nach Liverpool brachte.
Der Titel „Stay“ hat sich auch für Monika Linkyte bewahrheitet – sie darf noch bleiben. Und die Alika auch. Die Estin macht in ihrer Powerballade „Bridges“ vielleicht ein bisschen arg auf Adele, aber sie hat wenigstens Stimme genug, das wenigstens ungestraft zu versuchen. In einer stimmlich doch recht übersichtlichen Konkurrenz reicht das recht locker für den Finaleinzug. Slowenien schickte die Band „Joker Out“ nach Liverpool – und überzeugten das abstimmungswillige Fernsehpublikum mit Wohlfühlrock und Wohlfühlbotschaft: „Carpe Diem“. Wenn’s schon nicht hilft, wird’s wenigstens niemandem schaden.
Aber, der Reihe nach und nochmals im Überblick:
Qualifiziert haben sich:
- Albanien
- Zypern
- Estland
- Belgien
- Österreich
- Litauen
- Polen
- Australien
- Armenien
- Slowenien
Ausgeschieden sind:
Dänemark, Rumänien, Island, Griechenland, Georgien und San Marino
Zum Finale am Samstagabend in der Liverpooler M&S Arena sickerte nun auch durch, dass es wohl keine Videobotschaft des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj geben wird. Das hat die Europäische Rundfunkunion (EBU), die den Song Contest veranstaltet, entschieden. Es gilt das Prinzip eines unpolitischen ESC zu wahren. Selenskyj habe „lobenswerte Absichten", aber sein Wunsch verstoße „bedauerlicherweise" gegen die Regeln, bestätigt die EBU mit.
In Kiew dementierte Selenskyjs Sprecher indes auf Facebook, dass sich das Präsidentenbüro mit einer derartigen Bitte an die EBU gewandt habe.
Der ESC sei eine internationale Unterhaltungsshow, hieß es zur Begründung der Rundfunkunion. Die „nicht-politische Natur" der Veranstaltung sei ein wichtiger Eckstein dabei. „Dieser Grundsatz verbietet die Möglichkeit, im Rahmen des Wettbewerbs politische oder ähnliche Äußerungen zu machen." Die BBC rechnet mit weltweit 160 Millionen Fernsehzuschauern beim Finale.
Startliste für das Finale:
Eigentlich dürfte die Ukraine den diesjährigen ESC ausrichten, nachdem 2022 die ukrainische Band Kalush Orchestra den Wettbewerb gewonnen hatte. Die EBU verlegte die Show aber wegen des andauernden russischen Angriffskriegs gegen das Land nach Großbritannien, das 2022 mit Sam Ryder den zweiten Platz belegt hatte. (bunt, jole, APA, dpa)
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