Personal bleibt Problem

Ministerin Tanner auf Manöver-Visite: Das Bundesheer setzt auf den Erlebnis-Faktor

„Voll cool“: Die Rekruten der 7. Jägerbrigade kommen mit dem Hubschrauber geflogen, bevor sie sich im Wald ihren Weg bahnen. Der Gegner kommt oft überraschend.
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Das Bundesheer hat erstmals seit Jahren genug Geld. Geburtenschwache Jahrgänge und die Konkurrenz durch den Zivildienst führen aber zu Engpässen beim Personal.

Allentsteig – Angeschossen zu werden, ist auch im Manöver nicht lustig. Zwei Soldaten ziehen den getroffenen Kameraden über den Waldboden zu ihrer Gruppe. Er hat sich von den Gegnern überraschen lassen, die hinter Bäumen und Büschen lauern.

In Allentsteig, dem größten Truppenübungsplatz Österreichs, zeigt die 7. Jägerbrigade des Bundesheeres ihr Können. Die Rekruten, die im Jänner eingerückt sind, und ihre Ausbilder überprüfen das Gelernte. Höchstrangige Inspektorin ist am Dienstag Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP).

Noch diese und nächste Woche üben auf den Truppenübungsplätzen Allensteig, Bruckneudorf (beide Niederösterreich) und Seetaler Alpe (Steiermark) insgesamt 2200 Soldatinnen und Soldaten. Vorhaben in dieser Größe waren in den vergangenen Jahren die Ausnahme. Das Heer hatte kein Geld für Überstunden, Munition und Sprit. Einsätze auch im Inland – Grenze, Corona, Botschaftsbewachung in Wien – belasteten die Truppe.

Zumindest die finanzielle Not ist derzeit kein Thema. Als Folge des Ukraine-Kriegs kann das Heer in den kommenden Jahren 16 Milliarden Euro verplanen. Die Offiziere hoffen auf neue Zeiten: „Ich habe 40 Dienstjahre. Allzu oft habe ich nicht erlebt, dass wir aus dem Vollen schöpfen können“, sagt Generalmajor Gerhard Christiner, Stabschef beim Streitkräftekommando.

„Der Wehrwille ist nicht dort, wo wir ihn gerne hätten": Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) inspiziert das Manöver.
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Ein Problem bleibt das Personal. Die Jahrgänge, aus denen das Heer seine Rekruten schöpft, werden immer kleiner. Jeder zweite junge Mann entscheidet sich für den Zivildienst. Das Projekt „Frauen beim Bundesheer“ ist keine Massenveranstaltung.

„Diese Frage beschäftigt uns. Wir wissen, dass der Wehrwille in Österreich nicht dort ist, wo wir ihn gerne hätten“, sagt Tanner. Als Gegenrezept setzt sie auf den Ausbau der „geistigen Landesverteidigung“ an Schulen, sie hofft, dass der neue freiwillige Grundwehrdienst für Frauen mehr Soldatinnen zum Heer bringt, sie will die Einsätze im Inland – etwa zur Bewachung von Botschaften – reduzieren. Schließlich versucht das Bundesheer, Rekruten aus den Einsätzen bei der Grenzüberwachung zurückzuziehen. Stattdessen sollen dort junge Männer übernehmen, die sich nach dem Grundwehrdienst gegen gutes Geld für drei Monate verpflichten.

Die Rekruten sollen die gewonnene Zeit anders nutzen. „Wer zum Bundesheer geht, will auch Militär erleben. Das war in den letzten Jahren nicht möglich“, sagt Tanner.

„Erlebnis Bundesheer“ trotz Krieg in Europa? Christiner verweist auf die Aufgabe von Soldaten, Konflikte an ihrer Wurzel zu bekämpfen und Demokratie zu verteidigen. Und die Gefahren? Sie sind in Österreich überschaubar. Im Ausland kann aber doch etwas passieren. Der Generalmajor erinnert an die jüngsten Unruhen im Kosovo: „Unsere Kameraden hier denken schon nach, wie es wäre, wenn sie gerade dort im Einsatz wären.“

So weit sind die Soldaten noch nicht, die vor den Augen Tanners den Durchbruch versuchen. Dafür haben sie an diesem Tag schon ein Erlebnis hinter sich: Teil der Übung ist eine Anlandung mit dem Hubschrauber. Runter, herausspringen, sichern, in Formation ab in den Wald. „Voll cool“, grinst ein Rekrut.