Der mit den Löwen tanzt: Früher Finanzberater, heute Rudel-Mitglied
Bis vor wenigen Jahren genoss Dean Schneider als erfolgreicher Finanzberater ein geregeltes Leben. Heute ist er Mitglied eines Löwenrudels, der beste Freund einer Hyäne und „Vater“ von zwei Affen in seinem eigenen Reservat in Südafrika.
Dexter nimmt Anlauf und springt in die Arme von Dean Schneider. Der Löwe leckt über das braun gebrannte Gesicht des jungen Mannes. Ein zweites Tier rennt ebenfalls auf Schneider zu und schmiegt sich an dessen Körper. „You’re my boy“, wiederholt Schneider immer wieder und imitiert die Laute des jungen Löwen.
Nein, das ist kein Auszug aus einem Hollywood-Streifen. Es sind Szenen aus dem Leben eines eigentlich gewöhnlichen Schweizers. Mit seinen Videos begeistert Dean Schneider fast 30 Millionen Menschen in den sozialen Netzwerken. Vor sechs Jahren war dies für den 30-Jährigen noch nichts anderes als ein Traum.
Denn wer sich seine ersten paar Instagram-Beiträge anschaut, erkennt Dean Schneider kaum wieder. In Anzug und Krawatte sitzt er an einem großen Schreibtisch, das Telefon ans Ohr gedrückt. „Success is a lifestyle“ steht darunter geschrieben, dazu der Hashtag #lovemyjob.
So war sein Leben. Geld, Ruhm, Erfolg. Eigentlich hatte Dean Schneider als junger Finanzberater in der Schweiz alles, das man sich eben so wünscht. Doch die Luxus-Villa und das schnelle Auto reichten ihm nicht. Er wollte mehr. Nicht mehr Geld. Sondern mehr von der Natur erleben, mehr für die Tiere dieses Planeten tun.
Also verkaufte er kurzerhand im Alter von nur 24 Jahren seine Finanz-Firma und zog nach Südafrika. Mit dem Erlös aus dem Unternehmen gründete er das Wildtierreservat und Rehabilitationszentrum für Tiere „Hakuna Mipaka“.
Heute ist er Teil eines Löwenrudels, der beste Freund einer Hyäne und „Vater“ von zwei Affen. Seine selbst erklärte Mission: die Tiere in die Herzen der Menschen zu bringen. Denn wir Menschen schützen, was wir lieben. „Wir müssen lernen, die Tiere so zu lieben, wie sie sind, und nicht so, wie wir sie gerne hätten“, erklärt Schneider.
Seine Anliegen versucht er in der „Hakuna Mipaka Oasis“ vorzuleben. Mittlerweile sechs ausgewachsene Löwen – drei Männchen und drei Weibchen – leben dort. Alle sechs stammen aus völlig unterschiedlichen Gefangenschaften. Da Löwen jedoch ein Bedürfnis nach Sozialisierung haben, gelang es Schneider, ein Rudel zu gründen.
Um seiner Löwenfamilie ein möglichst naturgetreues Leben in freier Wildnis zu ermöglichen, rief Schneider vor einigen Jahren das „Live Wild“-Projekt ins Leben. Dafür hat er ein 600.000 Quadratmeter großes Reservat eingezäunt – das Areal hat also in etwa die Fläche von 84 Fußballfeldern. Kürzlich siedelte er die ersten beiden Löwen, Dexter und Snow, dorthin um. Leo und die drei Löwen-Damen Nayla, Kiara und Khaleesi werden zu einem späteren Zeitpunkt folgen.
Das Besondere daran: Zwei in Gefangenschaft gezüchtete Löwen sind zurück in der Wildnis. Ganz unbeholfen dürften die beiden Tiere dort aber wohl nicht sein. Die Löwen wurden weder trainiert noch gezähmt. Sie alle haben auf der „Hakuna Mipaka Oasis“ bereits in jungen Jahren gelernt, Beutetiere zu zerlegen, miteinander zu teilen, zu kämpfen und füreinander zu sorgen.
Trotzdem haben sie – wie alle in Gefangenschaft geborenen Raubtiere – ihre natürliche Angst vor Menschen verloren. Wilderei ist in Südafrika noch immer eines der größten Risiken für Löwen.
Theoretisch könnte das 600.000 Quadratmeter große „Live Wild“-Territorium der Löwen auf 2 Millionen Quadratmeter erweitert werden. Dies sei jedoch von den eingehenden Spenden in die Dean Schneider Foundation abhängig.
Für seine zukünftigen Projekte zeigt sich Dean Schneider aber optimistisch. „Hakuna Mipaka“, was auf Suaheli „Keine Grenzen“ bedeutet, ist sein Motto.