Neun authentische Positionen

„Inscapes“ Nr. 4 im Innsbrucker Fotoforum: Kunstvolles Ringen um Ausdruck

Innsbruck – Rupert Larl hat das von ihm gegründete Fotoforum zwar in die Hände von Birgit Gufler gelegt, als Mastermind hinter dem Projekt „Inscapes“ ist er allerdings nach wie vor aktiv. 2016 war Premiere, die aktuelle Nr. 4 hatte neun Teilnehmerinnen. Die sich intensiv auf einen ein ganzes Jahr dauernden, von Larl moderierten Prozess eingelassen haben. In dem es weder um Technik noch um Motive gegangen ist, sondern um nicht weniger als ein von vielen Diskussionen begleitetes ernsthaftes Ringen um Authentizität des Ausdrucks.

Mit dem Ziel einer Schau im Fotoforum, die den dort üblichen qualitativen Anforderungen entspricht. Eine Erwartungshaltung, die die neun Fotografinnen mehr als erfüllen. Mit Zyklen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Bereits am Beginn des Rundgangs stehen sich mit dem „Monolog“ von Sabine Prag und den Bildern von Dagmar Reinstadler-Hanak sozusagen zwei Welten gegenüber. Sind die Arbeiten von Letzterer doch schwarzweiß und groß, eintauchend in diffuse nächtliche Gefilde, in denen das Licht geheimnisvoll Regie führt. Prag umkreist dagegen immer dasselbe weibliche Gesicht, das allerdings von unterschiedlichen emotionalen Zuständen durchdrungen ist.

Sehr viel mit ihrer eigenen Befindlichkeit haben dagegen die Bildchen zu tun, mit denen Milena Taferner per Handy ihre „Heimfahrt“ nach Bosnien reflektiert. Die Motive sind an sich unspektakulär, Metaphern für Stimmungen, Erinnerungen, Erwartungen. Abgeschlossen durch das Bild des Ankommens, bei dem sich die Mutter der Künstlerin und ihr Sohn umarmen.

Titellose Arbeit von Dagmar Reinstadler-Hanak.
© Reinstadler-Hanak

„Melancholische Freiheit“ empfindet die in Tirol lebende Litauerin Inga Sablinskaja im winterlichen Hochgebirge. Die Himmel sind hier groß und weit, „bevölkert“ von Vögeln, während der Mensch nur durch seine Eingriffe in die Natur erahnbar ist. Für Renate Erhart wird diese wiederum zum Anlass für den Bau autonomer Bilder, Petra Schöpfs „35 Nötigungen“ werden gerade durch ihre bewusst in Szene gesetzte Unspektakularität wieder subversiv spektakulär.

„Maria Elisabeth“ nennt Martina Zingg-Schir ihren Zyklus magischer, mit viel Poesie aufgeladener, in vollendeter Ästhetik zelebrierter Bilder. Die sich bewusst jeder eindeutigen Entschlüsselung entziehen, so reich an Assoziationen die einzelnen Sequenzen auch sein mögen. Ob die „Perfect Strangers“ in Barbara Löfflers Arbeiten aus dem diffus weißen Sfumato auf- oder in dieses abtauchen, ist die Frage, dass Sandra Cuel in ihren Bildern Saint Exuperys „Nachtflug“ ins Wortlose transformiert, ist kein Geheimnis.

📍 Fotoforum. Adolf-Pichler-Platz 8, Innsbruck; bis 1. Juli, Mo–Fr 15–19 Uhr, Sa 10–13 Uhr. Eröffnung heute 18 Uhr.