Naturschutz immer wichtiger: „Wertewandel im Tourismus nötig“
Eine Fokusgruppe beschäftigt sich mit Tirols touristischer Zukunft, in der Naturschutz immer wichtiger wird.
Innsbruck – Sie versprechen Natur pur, Naturparks wie jene im Karwendel oder im hinteren Zillertal – und ziehen damit immer mehr Menschen an. Die Folge: Die eigentlich Ruhe suchenden Gäste stehen im Stau und stoßen auf Massentourismus bei den Hauptattraktionen, die die Natur am Berg oder am See zu bieten hat. „Overtourism“ führt zu unzufriedenen Gästen und Einheimischen sowie zu problematischen Umweltauswirkungen.
Wann ist es zu viel und wie kann man Tourismus im Gleichgewicht halten? Mit Fragen wie diesen hat sich über Impact Hub Tirol eine Gruppe Menschen, deren Arbeitsgebiet der Tourismus ist, beschäftigt. Unter ihnen Birgit Bosio (MCI Tourismus), Tourismusforscher Mike Peters (Uni Innsbruck) und Christian Fohrmann (CDO TVB Achensee). Im von ihnen veröffentlichen „White Paper“ (www.tirol.impacthub.net/fokusgruppen) kommen sie zu dem Schluss, dass es einen Wertewandel brauche. Der touristische Erfolg sei nicht an Nächtigungszahlen und Wertschöpfung festzumachen. Tourismus könne nur funktionieren, wenn die „Barometer” von Gast, Einheimischem und der Natur/Umwelt im Gleichgewicht stehen und nicht aus dem Ruder laufen.
„Wobei in Gegenden, in denen ein Großteil der Einheimischen vom Tourismus lebt, wie etwa in Gerlos, die touristischen Toleranzgrenzen andere sind als in tourismusarmen Regionen“, betont Christian Fohrmann. Daher müsse man auf dem „neuem Tiroler Weg“ im Tourismus die Regionen viel differenzierter betrachten, denn den „einen“ Tiroler Weg gebe es nicht. Und man müsse viel mehr Daten sammeln und Umfragen machen, um zu wissen: Wann ist es wo zu viel und wo verträgt es mehr? „Wir wissen, wie viele Menschen in eine Liftgondel passen, aber nicht, wann das Skigebiet zu voll ist“, nennt Fohrmann ein Beispiel. Für den Skigebietsbetreiber ist es vielleicht nie genug, für den Genussskifahrer aber schon lange.
Das Prinzip der Verkehrszählungen und des Messens von Verkehrsströmen und deren Lenkung könnte laut Fohrmann auch im Tourismus Anwendung finden. Laut Mike Peters sei es wichtig, der Umwelt einen Wert zu geben, im Idealfall einen monetären Wert. Dabei sei etwa zu berücksichtigen, was es kostet, Wasser zu verbrauchen oder CO2 zu produzieren.