Noch keine Entwarnung für Süden Österreichs, Hangrutschgefahr bleibt hoch
Infolge des Dauerregens kam es in Kärnten und der Steiermark zu Hunderten Hangrutschungen. Fachleute warnen, dass viele Hänge noch mehrere Tage instabil bleiben dürften. Die Pegelstände in den Katastrophengebieten gehen indes weiter zurück.
Klagenfurt/Graz – Die Situation in den Hochwassergebieten in Kärnten und der Steiermark hat sich am Dienstag zwar weiter entspannt. Doch während die Gewässer-Pegel bei trockenem Wetter überall zurückgehen, erwarten Fachleute, dass die Gefahr von Hangrutschungen weiter bestehen bleibt. Zudem dürfte der Mittwoch laut aktueller Wetterprognose erneut gewittrige Regenschauer bringen.
"Die Rutschungen hängen jetzt mit dem unterirdischen Wasserhaushalt zusammen, und da ist davon auszugehen, dass sich das Wasser im Untergrund viel länger hält und eben noch negative Auswirkungen haben kann", sagte der Geologe Herwig Proske von Joanneum Research in Graz Montagabend in der ZIB2. Er gehe davon aus, "dass die Prozesse noch einige Tage anhalten werden". Gefährdet seien nicht nur steile Hänge, so der Experte, man habe auch Rutschungen an Hängen beobachtet, die nur fünf oder zehn Grad Hangneigung aufweisen, sagte der Geologe.
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Für Probleme sorgt auch der weiterhin hohe Grundwasserspiegel. Das Wasser drücke immer wieder nach, weshalb die Aufräumarbeiten aktuell eine "Sisyphusarbeit" seien, so die Einsatzkräfte gegenüber dem ORF. Die Helfer – in großen Teilen bereits seit mehreren Tagen im Dauereinsatz – sind am Limit.
Das Rote Kreuz, der Landesfeuerwehrverband und das Land Kärnten richteten einen dringenden Appell an Arbeitgeber, ihre im Hilfseinsatz befindlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen freizustellen. In Kärnten absolvierten Feuerwehren, Polizei, Berg- und Wasserrettung in den vergangenen Tagen über 3500 Einsätze.
Bei Pegelständen mittlerweile "safe"
Die Feuerwehren in Hochwassergebieten im Süden Österreichs fahren indes ihre Einsatzstärken nach und nach herunter, die meisten Akuteinsätze sind beendet, es handle sich nunmehr zumeist um Aufräumarbeiten, wie der Sprecher des steirischen Landesfeuerwehrverbandes, Thomas Meier, am Dienstag sagte. Was die Hangrutschungen in der Steiermark angeht, so habe sich die Lage aktuell stabilisiert, so Katastrophenschutzleiter Harald Eitner. Das Bundesheer setzte Hubschrauber ein.
Die Pegelstände der Flüsse in der Steiermark waren am Dienstag rückläufig, auch jener der Mur, der vor allem für die Anrainerstaaten Slowenien und Kroatien von Bedeutung ist. "Da sind wir mittlerweile überall safe", sagte Eitner, der Leiter der Katastrophenschutzabteilung des Landes. Alle Pegel seien längst wieder im gelben Bereich, der mittlere von drei Bereichen.
Umfangreiche Maßnahmen für Hangstabilisierungen nötig
Die meisten Schadensereignisse waren zu Wochenbeginn durch Hangrutschungen zu verzeichnen, so Eitner. Habe es aber am Montag noch Meldungen von neuen Rutschungen im Minutentakt gegeben, so sei die Lage nun stabil. Man habe über 400 registriert, die Zahl neuer Meldungen war deutlich am Zurückgehen. Man gleiche nun in Zusammenarbeit mit den drei betroffenen Bezirkshauptmannschaften Deutschlandsberg, Leibnitz und Südoststeiermark die Zahlen ab. Zur Stabilisierung von Hängen seien umfangreiche und aufwändige bauliche Maßnahmen nötig. Das würden private Firmen und das Bundesheer übernehmen können, etwa das Setzen von Piloten oder die Errichtung von sogenannten Krainerwänden.
📽️ Video | Geologe Herwig Proske über Hangrutschungen
Feuerwehrsprecher Meier zufolge waren am Dienstag noch 350 Feuerwehrleute von 35 Wehren im Einsatz. Katastrophenhilfsdienste (KHD) aus allen Bezirken haben im Süden ausgeholfen, rund 200.000 Sandsäcke wurden in der Feuerwehrzentrale im südsteirischen Lebring ausgegeben.
Dutzende Häuser in Kärnten bleiben evakuiert
Deutlich entspannt hat sich mittlerweile die Hochwassersituation in Kärnten. Die höchsten Messwerte wurden entlang der Glan verzeichnet, das Wasser fließt nur langsam ab. Das Gleiche gilt für die Seewasserstände. Die Grundwasserstände blieben speziell in und um Klagenfurt sehr hoch. Angespannt ist die Situation auch, was die Erdrutsche angeht. Deshalb blieben alle Zivilschutzwarnungen vom Montag auch am Dienstag aufrecht, dutzende Häuser blieben evakuiert. Betroffen waren vor allem Gemeinden im Bezirk Völkermarkt. Für Mittwoch wurden wieder ausgedehnte Wolkenfelder und am Nachmittag Gewitter vorhergesagt – diese könnten auch in den Unwettergebieten vom Wochenende niedergehen.
Leichte Entlastung war am Dienstag bei den Kärntner Feuerwehren bemerkbar. Die Zahl der Einsätze ging zwar zurück, allerdings blieb die Gefahr von Rutschungen und Muren aufrecht. So werden etwa im Bezirk Völkermarkt täglich neue Hangrutschungen gemeldet.
Gesperrte Straßen werden nach und nach freigegeben
In Kärnten werden nach und nach bisher gesperrte Straßen freigegeben. So war laut Landesbehörden die B82 über den Seebergsattel wieder passierbar, der Grenzübergang über die österreichische Seite war wieder möglich. Aufgrund von Murenabgängen sind die Ortschaften Bodental, Zell-Mitterwinkel und Zell-Oberwinkel nicht erreichbar.
Seit Beginn der Unwetter in der Nacht auf Freitag haben die Kärntner Feuerwehren mehr als 3500 Einsätze bewältigt, mehr als 4200 Feuerwehrleute standen im Einsatz – neben jenen aus den betroffenen Bezirken auch Mitglieder des Katastrophenschutz-Zuges aus Oberkärnten und mehr als 200 Feuerwehrleute aus Niederösterreich, die mit Großpumpen angerückt waren.
In der Steiermark sind gesamt seit Freitag um 3.00 Uhr – dem Beginn der Unwetter und ihrer Auswirkungen – 12.450 Feuerwehrleute im Einsatz gestanden. Bei 2.782 Einsätzen wurde Ersthilfe und Unterstützung geleistet. Gesamt standen laut Landesfeuerwehrsprecher Meier 525 von 766 Wehren im Einsatz.
Rund 200 Soldaten in Unwettergebieten im Einsatz
Das Bundesheer war mit rund 200 Soldaten in Kärnten und in der Steiermark gegen die Folgen der Hochwasser und Unwetter tätig. 70 Soldatinnen und Soldaten aus der Kaserne im südsteirischen Strass halfen in der vom Hochwasser besonders betroffenen Gemeinde Heimschuh beim Beseitigen von Geröll, Schutt und Schlamm. In Kärnten standen 130 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz. Dazu kam ein S-70 Black Hawk-Hubschrauber, der für die Kärntner Elektrizitäts-Aktiengesellschaft (Kelag) Strommasten in abgelegene Ortschaften fliegt. Damit soll die Stromversorgung in abgeschnittenen Ortschaften wieder hergestellt werden. Ein AB-212-Hubschrauber absolvierte Erkundungsflüge für Kärntner Krisenstäbe.
Zur Unterstützung Sloweniens stehen laut Verteidigungsministerium ab Mittwoch in enger Abstimmung mit der Krisenkoordination der slowenischen Streitkräfte ein Black Hawk und eine AB-212 von Klagenfurt aus zur Verfügung. Sie sollen Menschen von Hausdächern retten oder Lebensmittel in abgeschnittene Ortschaften fliegen.
Am Sonntag musste auch nördlich von Klagenfurt das erste Todesopfer der Hochwasserkatastrophe in Südösterreich beklagt werden. Ein Mann aus dem Bezirk St. Veit war am gesperrten Glanradweg zwischen Raggasaal und Karnburg unterwegs gewesen, als er vom Wasser in den Fluss gerissen wurde. Die Einsatzkräfte konnten ihn nur noch tot bergen. (TT.com, APA)
⚠️ Überschwemmungen in Slowenien: Schäden in Milliardenhöhe
Nach den katastrophalen Überschwemmungen in Slowenien ist die geschätzte Schadenssumme nach oben revidiert worden. Regierungschef Robert Golob sprach am Montagabend von mehreren Milliarden Euro. Allein für die ersten Arbeiten zur Instandsetzung der lokalen Infrastruktur in den betroffenen Gebieten werde die Regierung mehr als 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen.
"Wenn wir noch vor zwei Tagen von mehreren hundert Millionen Euro Schaden ausgegangen sind, wissen wir heute, dass es mehrere Milliarden Euro sein werden", sagte Golob TV Slovenija. Am Dienstag will die Regierung ein weiteres Hilfspaket verabschieden. Der Premier kündigte außerdem an, den kommenden Montag (14. August) für arbeitsfrei zu erklären, um freiwillige Helferinnen und Helfer zu unterstützen.
In den betroffenen Gebieten wurden am Dienstag die Aufräumarbeiten fortgesetzt. Große Gefahr drohte durch zahlreiche Erdrutsche. Allein in der Region Gorenjska wurden rund 200 Muren registriert. In der Region Koroška, wo Ortschaften wegen beschädigter Straßen schwer erreichbar waren, wurde am Dienstag mit Lufteinsätzen gerechnet. Nach Angaben des regionalen Katastrophenschutzes wurden fünf bis zehn Hubschrauber erwartet, berichtete die Nachrichtenagentur STA.
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