Proteste von „Fridays For Future“

Auf die Straße fürs Klima: Rund Tausend Personen bei Klima-Demos in Innsbruck und Kufstein

In Innsbruck nahmen laut Polizei rund 900 Menschen an der Demonstration teil.
© Benedikt Mair

Anlässlich des weltweiten Klimastreiks wurde am Freitag auch in Tirol lautstark für mehr Klimaschutz demonstriert. Hunderte Menschen füllten um die Mittagszeit die Straßen von Kufstein und Innsbruck, um sich mit „Fridays For Future“ für die Mobilitätswende und ein Ende der fossilen Energien einzusetzen.

Innsbruck, Kufstein – Am Boden tollen Kinder herum, aus einem Lautsprecher kommt Musik. Eine Gruppe älterer Frauen unterhält sich angeregt im Schatten eines Baumes, nur ein paar Meter weiter liegt ein junges Pärchen auf einer Decke in der Wiese. Was sich gestern Nachmittag am Christoph-Probst-Platz vor der Universität in Innsbruck abspielte, hatte irgendwie den Charakter eines großen, friedlichen Festes. Nur: Diese Menschen sind nicht hier, um zu feiern. Sie wollen sich wehren, aufstehen, ein Zeichen setzen – für einen besseren Schutz der Umwelt.

📽️ Video | Klima-Demo in Innsbruck

Klimastreik Nummer 14

Es ist bereits der 14. Klima­streik, den der Tiroler Ableger von „Fridays For Future“ abhält. Neben der Landeshauptstadt – wo die Polizei 900, die Organisatoren rund 1100 Teilnehmer zählen – findet am Freitag auch in Kufstein ein Protest statt.Dort nahmen laut Polizei zwischen 150 und 200 Menschen an dem Demonstrationszug teil. Die Aktivisten treten hauptsächlich für die Mobilitätswende ein und fordern die heimische Politik dazu auf, diese voranzutreiben. Kinder und Pensionisten, Studenten und Arbeitende gehen gemeinsam auf die Straße. Aber warum? Was eint sie?

📽️ Video | Klima-Demo in Innsbruck

Für Gerd, einen 87 Jahre alten Geologen im Ruhestand, ist das nicht die erste Demo. „Seit vielen Jahren wissen wir, dass durch den Klimawandel einiges auf uns zukommt“, sagt er. „Und doch wurde nichts dagegen unternommen.“ Seine Ehefrau Dietlind nickt zustimmend. Sie ist hier, „weil es bald ziemlich heiß wird“. Wasser predigen und Wein trinken? Das kommt für die 77-Jährige nicht in Frage. „Geflogen sind wir schon seit Jahren nicht mehr, unser Auto steht eigentlich nur in der Garage, wir fahren lieber Zug.“ Ihre Enkel, meint Dietlind, sollen auch noch auf einer intakten Erde leben können.

Seit vielen Jahren wissen wir, dass durch den Klimawandel einiges auf uns zukommt und doch wurde nichts dagegen unternommen.
Gerd, Geologe

Seit mittlerweile fünf Jahren gehen Menschen weltweit für mehr Klimaschutz auf die Straße. Ausgelöst wurde die Protestwelle von der damals 15-jährigen Schwedin Greta Thunberg. Nur getan habe sich seither wenig, glaubt Judith Flatscher. „Das macht mich wütend“, sagt die 24 Jahre alte Studentin. „Wir zerstören Mutter Natur, dabei steckt so viel Potenzial in ihr. Um die Wende zu schaffen, muss unser Lebensstandard sinken, aber die Lebensqualität wird dadurch wieder steigen.“

„Es muss etwas passieren“

Das sieht Konstantin Reichmayr ähnlich, der gestern kurz vor Mittag auf einem Platz rund 70 Kilometer weiter Inn-abwärts steht. „Ich bin eigens aus Rosenheim nach Kufstein gefahren und finde den Protest total wichtig“, sagt er. „Immerhin geht es um unsere Zukunft.“ Rund 200 Bürgerinnen und Bürger haben es dem jungen Deutschen gleichgetan. Sie skandieren Parolen, brüllen sich den Frust aus der Seele, marschieren durch die Stadt. „Wir appellieren an die Politik. Es muss etwa passieren“, erklärt Bianca Binder von „Fridays For Future“.

Zurück nach Innsbruck. Über den Köpfen der Demonstranten setzt ein Flugzeug zur Landung an, neben ihnen rauschen Autos vorbei. „Etwas bremsen wäre angebracht“, sagt Martha Fischer. Damit meint die 67-Jährige den vielen Verkehr, aber auch eine ihrer Meinung nach ausufernde Kauflust. „Es würde uns Menschen guttun, weniger zu konsumieren. Klar, die Wirtschaft ist wichtig. Aber nicht das Wichtigste auf der Welt.“ Maria, eine 31 Jahre alte Angestellte, pflichtet ihr bei. Es ist ihr erstes Mal bei einem Protest. „Solche Aktionen finde ich aber einfach gut“, sagt sie. „Das Klima sollte dringend besser geschützt werden und dafür wollte ich ein Statement setzen.“

Es ändert sich wenig

Ob sie von denen, die Verantwortung tragen und Entscheidungen treffen, gehört werden? Auch wenn sich einige Politiker unter die Teilnehmer gemischt haben, glaubt kaum einer der Demonstranten daran. „Dabei ist die Krise in unserem Wohnzimmer angekommen“, sagt Sofia Scherer. „Das haben die Katastrophen der vergangenen Monate gezeigt.“ Die Patscherin ist 21 Jahre alt, Studentin und Sprecherin der Tiroler „Fridays For Future“-Bewegung. „Wir stecken alle Energie in dieses Thema“, meint sie. „Dass sich dann gefühlt doch recht wenig ändert, ist manchmal schon zermürbend.“

Die Klimakrise ist in unserem Wohnzimmer angekommen. Das haben die Katastrophen der vergangenen Monate gezeigt.
Sofia Scherer – „Fridays for Future“ Tirol Sprecherin

Gegen 14 Uhr setzt sich der Innsbrucker Protestzug in Bewegung, über den Südring in Richtung Landhausplatz. Einige Passanten pöbeln. Autofahrer, die kurz stehen bleiben müssen, hupen. Die Demonstranten lässt das kalt. Es scheint sie nur weiter anzuspornen, noch lauter für ihre Sache zu schreien. (bfk , wo, TT.com)

📽️ Videos | Klima-Demo in Kufstein

📽️ Video | Bianca Binder von FFF Kufstein

📽️ Video | Kufsteins BM Martin Krumschnabel

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