Stark gestiegene Ankünfte

Migrationskrise: Von der Leyen präsentierte auf Lampedusa Zehn-Punkte-Plan

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit der italienischen Ministerpräsidentin Giorga Meloni.
© IMAGO/Ciro Fusco

Die EU-Kommissionspräsidentin stellte einen Aktionsplan vor, der verstärkte Kooperation mit Herkunftsländern der Migranten und einen entschlosseneren Kampf gegen Schlepper beinhaltet.

Lampedusa/Brüssel – EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat am Sonntag bei einem Besuch auf Lampedusa einen Aktionsplan der EU in zehn Punkten zur Bewältigung der Migrationskrise vorgestellt. "Irreguläre Migration ist eine europäische Herausforderung und wir müssen sie europäisch lösen", sagte von der Leyen bei einer Presseerklärung mit Italiens Premierministerin Giorgia Meloni.

Laut dem Plan soll die EU-Grenzschutzbehörde Frontex Italien aktiver bei der Registrierung der Migranten unterstützen. Die EU will außerdem verstärkt Verhandlungen mit den Herkunftsländern der Migranten führen, um die Migrationsströme zu stoppen. Die Verhandlungen soll der Vizepräsident der EU-Kommission Margaritis Schinas führen, erklärte von der Leyen. Die Rückkehr von Migranten in ihre Herkunftsländer, wenn sie kein Recht auf Verbleib in Europa haben, soll erleichtert werden. Dies soll auch mit einer Harmonisierung der Gesetzgebung in den EU-Ländern erfolgen.

📽️ Video | Von der Leyen auf Lampedusa eingetroffen

Die EU will auch den Kampf gegen die Schlepperei mithilfe von Tunesien verschärfen. Hinzu soll die Luftüberwachung im Mittelmeer gestärkt werden. Die Ausrüstung der tunesischen Küstenwache soll aufgestockt werden. Italien soll außerdem bei der Zerstörung der Migrantenboote unterstützt werden. Hinzu will Europa legale Einwanderungswege mit der Einrichtung humanitärer Korridore erleichtern. Die EU will diesbezüglich die Kooperation mit der Internationalen Migrantenorganisation (IOM) und mit dem UN-Flüchtlingswerk UNHCR stärker fördern. Das italienisch-tunesische Migrationsabkommen müsse schnell auf andere nordafrikanische Staaten übertragen werden.

Meloni fordert rasche Abkommen

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni forderte auf der Insel Lampedusa schnelle Migrationsabkommen mit den nordafrikanischen Staaten. Das italienisch-tunesische Migrationsabkommen müsse schnell auf andere nordafrikanische Staaten übertragen werden. Die rechtspopulistische Politikerin mahnte, dass alle EU-Staaten dabei zusammenarbeiten müssten. Die bloße Verteilung der Migranten und Flüchtlinge unter den EU-Ländern löse das Problem nicht.

Auch der Papst beobachtet die Migrationskrise mit Sorge. "Das Phänomen der Migration stellt eine Herausforderung dar, die nicht einfach ist, die aber gemeinsam angegangen werden muss, denn sie ist wesentlich für die Zukunft aller", sagte der Papst beim Angelus-Gebet am Sonntag.

11.000 Ankünfte in einer Woche

Lampedusa wird derzeit von zahlreichen Schlepperbooten angesteuert, die aus Nordafrika kommen. Allein in dieser Woche trafen über 11.000 auf der Insel ein, auf der 6.300 Menschen wohnen. Seit Jahresbeginn haben 127.000 Migranten nach Seefahrten über das Mittelmeer die Insel erreicht. (APA)

🔗 Mehr zum Thema:

undefined

Nach Notstand auf Lampedusa

Tomac zu möglichen Grenzkontrollen: „Aktuelle Route führt nicht über den Brenner“

undefined

Kontrolle von Autos und Zügen

Nach Notstand auf Lampedusa: Abwerzger für verstärkte Grenzkontrollen am Brenner

undefined

Überfülltes Erstaufnahmelager

Lampedusa vor dem Kollaps: Die Insel ruft den Notstand aus, EU verspricht Hilfe

Verwandte Themen