Auftakt in einem Monat

Schneedepots sichern Ski-Weltcup in Sölden: „Schön anzuschauen wär’s halt nicht“

Aufgrund der ergiebigen Schneefälle im April und Mai können sich die Veranstalter vorerst aus einem riesigen Schneedepot bedienen.
© Isidor Grüner

In exakt einem Monat startet der alpine Ski-Weltcup traditionell hoch über Sölden in den neuen Winter. Die Veranstalter haben im Frühjahr vorgesorgt, um einer möglichen Schneeknappheit entgegenzuwirken.

Sölden – „Einmal schneit’s früher, einmal später.“ Sagt Isidor Grüner. Und niemand würde auf die Idee kommen, dem langjährigen Pistenchef des alpinen Weltcupauftakts zu widersprechen. Schon gar nicht, weil es in der Nacht auf Sonntag am Rettenbachferner stellenweise bis zu 20 Zentimeter Neuschneezuwachs gegeben hat. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Allzu viel davon wird nicht übrig bleiben.

Bei den gegenwärtigen Temperaturen im zweistelligen Bereich verdünnisiert sich das weiße Gold auch in Gletscherlagen. Und: Weiterer Zuwachs ist erst einmal nicht in Sicht. Genauso wenig wie Minustemperaturen, die für eine künstliche Beschneiung notwendig sind. „Ein klassischer Altweibersommer halt“, nickt Grüner mit der Gewissheit, dass sich an der Großwetterlage erst einmal nichts ändern wird.

60.000 Kubikmeter Schneedepot

Die 21 Schneekanonen entlang des Rennhanges sind damit bis auf Weiteres zum Nichtstun verdammt. Grüner und seinem Team ergeht es da schon besser. „Wir können nicht nur warten, müssen proaktiv bleiben.“ Heißt so viel, dass die aufgrund der im April und Mai gefallenen Neuschneemengen üppig ausgestatteten Schneedepots mit drei Pistenbullys auf dem Rennhang verteilt werden. Grundlagenarbeit im besten Sinne.

45.000 Kubikmeter Schnee sind für die 1,2 Kilometer lange und im Schnitt 70 Meter breite Rennstrecke notwendig, zumal die Schneeauflage rund einen halben Meter beträgt. 60.000 Kubikmeter lagern seit dem Frühjahr unter überdimensionalen Vliesabdeckungen. Auf die Frage, ob der Weltcupauftakt ohne weitere Schneefälle gefährdet sei, bleibt der ehemalige Weltklasse-Skicrosser gelassen: „Nein, die Depots sind ausreichend, um eine Rennpiste herzubekommen.“ Nachsatz: „Schön anzuschauen wär’s halt nicht.“

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Sind es doch im besten Fall herbstliche Winterwunderland-Bilder, die seit nunmehr drei Jahrzehnten Ende Oktober von den TV-Stationen in die heimischen und ausländischen Wohnzimmer transportiert werden. Und quasi als Startsignal für Industrie, Tourismus und den Wintersport im Allgemeinen dienen.

Noch ist es exakt ein Monat, bis der alpine Ski-Weltcup – im besten Fall – mit je einem Riesentorlauf der Damen und Herren eröffnet wird. Auf einer Piste, deren sommerliche Sanierungsarbeiten zuletzt von der Umweltorganisation Greenpeace aufs Schärfste kritisiert worden waren. Grüner, seit 2007 Pistenchef des Weltcup-Openings, sieht’s pragmatisch: „Die Gletscher ziehen sich zurück – das ist bei uns nicht anders. Und weil auf der Rennstrecke der Fels mehr und mehr an die Oberfläche trat, musste reagiert werden.“ Ein Vorhaben, welches ursprünglich bereits für 2022 geplant war und 2021 behördlich genehmigt worden ist. Dass es bei dieser Sanierung auch zu Sprengungen gekommen war, ist für Grüner nichts Ungewöhnliches: „Es ist nicht das Terrain, wo du mit Schaufel und Rechen hantieren kannst. Aber es ist kein Kubikmeter Gestein dazu- oder weggekommen.“

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