Eskalation in Nahost

Trotz Verbots hitzige Palästina-Demo in Wien, Trauerfeier für Opfer des Hamas-Terrors

Trotz Verbots versammelten sich am Abend einige hundert propalästinensische Demonstranten am Stephansplatz.
© TOBIAS STEINMAURER

In Wien wurde am Mittwochabend der israelischen Opfer des Hamas-Terrors gedaccht. Eine Pro-Palästina-Demo fand hingegen trotz Verbots statt.

Wien – Unter stark erhöhten Sicherheitsvorkehrungen ist am Mittwochabend am Ballhausplatz in Wien vor dem Kanzleramt der israelischen Opfer des Hamas-Terrors gedacht worden. Mehrere Politiker nahmen teil - so Bundeskanzler Karl Nehammer, Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) oder Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Der erkrankte Bundespräsident Alexander Van der Bellen ließ eine Botschaft verlesen. Zu dem Gedenken hatte die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) aufgerufen.

IKG-Präsident Oskar Deutsch schilderte zu Beginn des Gedenkens einige der zahlreichen Schicksale von Menschen, die den Angriffen zum Opfer fielen. "Die Bestialität ist grenzenlos", sagte Deutsch darüber. Man habe sich bewusst entschieden bei der Veranstaltung keine Bilder oder Videos von den Ereignissen zu zeigen. "Wir alle kennen sie und werden sie wohl nie vergessen", meinte Deutsch. "Wir dürfen und werden das nie vergessen", führte er aus.

Unter stark erhöhten Sicherheitsvorkehrungen wurde am Mittwochabend am Ballhausplatz in Wien vor dem Kanzleramt der israelischen Opfer des Hamas-Terrors gedacht.
© APA

Der IKG-Präsident verwies auf den Fall eines Österreichers, der ebenfalls bei den Angriffen getötet wurde. Denn gerade österreichische Jüdinnen und Juden hätten eine besondere Beziehung zu Israel, so Deutsch. Israel sei die spirituelle Heimat des Judentums. "Wir sind Österreicher und tragen Israel im Herzen." Nun müsse dafür gesorgt werden, dass ein Massaker wie am Samstag nie wieder geschehe, hieß es von ihm.

📽️ Video | Trauerfeier für Opfer in Israel

Van der Bellen: „Stehen an Israels Seite“

Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich am Mittwoch in einer von der Schauspielerin Mercedes Echerer vorgetragenen Botschaft solidarisch mit Israel. Van der Bellen erklärte zudem: "Kein politisches Anliegen rechtfertigt solche Verbrechen."

Bei den Gräueltaten durch Hamas-Terroristen, die bisher unvorstellbar erschienen seien, handle es sich um "reinen Hass", so der Bundespräsident in seiner Stellungnahme im Rahmen des IKG-Gedenkens, an dem laut Polizei bis zu 200 Personen teilnahmen. Es war mit einem Gebet von Oberrabbiner Jaron Engelmayer eröffnet worden.

Wir dürfen nicht schweigen, wenn erneut Juden zum Opfer fallen.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen

"Wir dürfen nicht schweigen, wenn erneut Juden zum Opfer fallen. Die ganze Welt, jede Institution und jeder Staat, muss Einfluss nehmen, um die Gewalt zu beenden. Alle Geiseln sind sofort freizulassen - Menschen dürfen nicht als Faustpfand missbraucht werden", betonte das Staatsoberhaupt, das laut Veranstaltern krankheitsbedingt nicht selbst teilnehmen konnte.

Brutal seien etwa tausend Menschen ermordet worden, darunter viele Frauen und Kinder, erinnerte Van der Bellen. "Ein Pogrom von unfassbarem Ausmaß entfaltet sich vor unseren Augen. Die Terroristen filmen diese Gräueltaten und stellen sie triumphierend ins Netz."

Israel sei für viele Juden "nicht nur ein Land", ließ der Bundespräsident verlauten. "Es ist mehr als das - nach dem Holocaust ein Zufluchtsort. Ein Garant dafür, dass Juden nie wieder verfolgt werden." "Niemals wieder" gelte weiterhin, auch angesichts dieser Tragödien. Viele Juden in Österreich würden trauern oder um Verwandte und Freunde in Israel bangen, hielt Van der Bellen fest. "Mein tief empfundenes Mitgefühl gilt Ihnen."

Hitzige Palästina-Demo trotz Verbots

Eine ebenfalls für Mittwochabend angemeldete Pro-Palästina-Demo in der Wiener Innenstadt wurde wenige Stunden zuvor untersagt. Dieser Schritt sei zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit "zulässig und geboten", sagte Polizeipräsident Gerhard Pürstl. Trotz des Verbots versammelten sich am Abend einige hundert propalästinensische Demonstranten am Stephansplatz. Die Stimmung war aufgeheizt.

Die Demonstranten schrien lauthals Parolen, doch die Polizei löste die Versammlung trotz mehrmaliger Ankündigung nicht auf. Die Menge versuchte später in Richtung Schwedenplatz zu ziehen, wurde jedoch von der Polizei aufgehalten. Beim Stephansplatz kesselte die Polizei die Teilnehmer der Protestaktion immer weiter ein.

📽️ Video | Pro-Palästina-Demo in Wien untersagt

Kurz vor 21.00 Uhr forderte die Polizei die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, die Demo zu verlassen. Es leisteten jedoch nur Teile der Protestierenden der Aufforderung Folge. Polizeisprecher Markus Dittrich sprach gegenüber der APA vorerst von einigen Identitätsfeststellungen. Man sei "im Sinne der Verhältnismäßigkeit" vorgegangen, hieß es von der Polizei zur Frage, warum die eigentliche untersagte Versammlung so lange nicht aufgelöst worden sei. Es sei allmählich ein "Abstrom" erkennbar, teilte die Landespolizeidirektion Wien der APA gegen 21.30 Uhr mit.

Am Vormittag hatte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) noch keinen Grund gesehen, die pro-palästinensische Demonstration zu untersagen. Das Versammlungsrecht sei "in einer wehrhaften freien Demokratie eines der höchsten Güter", argumentierte Karner. Die Einschätzung der Lage dürfte sich nach im weiteren Verlauf des Tages gewonnenen Erkenntnissen der Direktion Staatsschutz Nachrichtendienst (DSN) geändert haben, zu denen Polizeipräsident Pürstl keine Details bekanntgeben wollte. Angemeldet hatte die Mahnwache eine Organisation namens "BDS Austria", die sich für "Sanktionen gegen Israel bis zum Ende von Apartheid und Besatzung in Palästina" ausspricht. (APA, TT.com)

Mehr zum Thema:

undefined

AUA bietet Sonderflüge

Nach Defekt an Bundesheer-Maschine: Erste ÖsterreicherInnen aus Israel ausgeflogen

undefined

🔴 Eskalation in Nahost

Israel zerstört ganze Viertel von Gaza, einer der drei vermissten Österreicher tot

Verwandte Themen