Eisschilde, Korallenriffe und mehr

Hiobsbotschaft für das Weltklima: Fünf Erdsysteme nahe am Kipppunkt

Dem grönländischen Eisschild droht das Abschmelzen. Von einem Kipppunkt spricht man, wenn sich diese Veränderungen nicht mehr umkehren lassen.
© AFP/Yücel

Fünf Erdsysteme drohten bereits zu kippen – nun sieht ein Bericht drei weitere vor dem Kipppunkt. Wird ein Kipppunkt überschritten, kann das demnach „grundlegende und mitunter abrupte Veränderungen auslösen“.

Wien – Der Welt droht einem Forschungsbericht zufolge in den kommenden Jahren das Überschreiten von insgesamt acht für das Weltklima wichtigen so genannten Kipppunkten. Von Kipppunkten sprechen Klimaforscher, wenn bestimmte Klima-Phänomene Schwellen überschreiten, ab denen sie sich nicht mehr umkehren lassen. Neben fünf bereits jetzt bedrohten so genannten Kippsystemen könnten drei weitere bei einer Erderwärmung von mehr als 1,5 Grad in den 2030er-Jahren bedroht sein, erklärte das am Bericht beteiligte Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Sina Loriani, einer der Hauptautoren des Berichts, erklärte, das Überschreiten von Kippsystemen könne „grundlegende und mitunter abrupte Veränderungen auslösen“.

An der von der britischen Universität Exeter geleiteten Arbeit waren mehr als 200 Forscher beteiligt.

Bedrohte Kippsysteme

Zu den derzeit bedrohten Kippsystemen zählen die Autoren des Berichts den grönländischen und den westantarktischen Eisschild, die subpolare Wirbelzirkulation im Nordatlantik, Warmwasserkorallenriffe und einige Permafrostgebiete. Zu den ab den 2030ern möglicherweise zusätzlich bedrohten Systemen gehören demnach nördliche Wälder, Mangroven und Seegraswiesen.

Die Analyse verdeutliche, dass der gegenwärtige Klimawandel „grundlegende Veränderungen in Schlüsselelementen des Erdsystems“ verursachen könnte, erklärte der Klima-Forscher Jonathan Donges.

Diese könnten aufgrund ihrer Auswirkung auf menschliche Gesellschaften wiederum zu „gewaltsamen Konflikten oder dem Zusammenbruch politischer Institutionen“ führen.

Die Autoren des Berichts sehen jedoch auch Chancen für so genannte „positive Kipppunkte“, die entscheidend dabei sein könnten, um „den Planeten zu stabilisieren und negative Auswirkungen von Erdsystem-Kipppunkten auf Gesellschaften zu vermeiden“. Solche „nichtlinearen Veränderungen“ seien bereits heute auf den Märkten für erneuerbare Energien und Elektrofahrzeuge zu beobachten. Zudem könnten politische Entscheidungen diese „abrupten“ positiven sozialen und technologischen Veränderungen auslösen.

Bericht soll in Dubai vorgestellt werden

Der Bericht soll bei der laufenden Weltklimakonferenz in Dubai vorgestellt werden. Dort, in Dubai, scheinen die Beratungen der UNO-Klimakonferenz in der zentralen Streitfrage der Abkehr von fossilen Energieträgern festgefahren. Der WWF Österreich warnte bereits vor dem Scheitern der COP28.

Gegen ein Aus für die Fossilen wenden sich vor allem die öl- und gasexportierenden Länder. (AFP, dpa, APA)

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