COP28

Österreichs größte Klimasünder wollen weg von den Fossilen

Insgesamt wurden 2022 laut vorläufigen Zahlen des Umweltbundesamtes hierzulande rund 72,6 Mio. Tonnen Treibhausgase emittiert.
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voestalpine, OMV und Wien Energie stoßen die meisten Emissionen aus. Klimaexperte sieht erste Erfolge bei CO2-Reduktion. Für Pariser Klimaziele müsste der CO2-Preis deutlich steigen.

Wien – Österreichs größte Emittenten von klimaschädlichen Treibhausgasen waren auch 2022 voestalpine, OMV und Wien Energie. Das zeigen vorläufige Daten aus dem EU-Emissionshandelsregister. Um die Erderhitzung unter zwei Grad, noch besser unter 1,5 Grad, zu halten, muss dringend gehandelt werden. Die Umstieg auf eine klimaneutrale Produktion geht nicht von heute auf morgen, Günther Lichtblau, Klimaexperte beim Umweltbundesamt, sieht aber große Anstrengungen in der Industrie.

„Wenn man sich die großen Emittenten anschaut, dann gibt es bei allen Anlagen seit Jahren Überlegungen, wie man reduzieren kann", sagte Lichtblau im Gespräch mit der APA in Bezug auf den Treibhausgasausstoß österreichischer Unternehmen. Das sei auch wichtig, um bis 2040 klimaneutral zu werden, wie es sich die österreichische Regierung vorgenommen hat. Insgesamt wurden 2022 laut vorläufigen Zahlen des Umweltbundesamtes hierzulande rund 72,6 Mio. Tonnen Treibhausgase emittiert. Das EU-Emissionsdatenregister zeigt den Treibhausgasausstoß jener Anlagen, die von EU-Emissionshandelssystem erfasst sind.

Die voestalpine will bis 2050 klimaneutral produzieren. Das Unternehmen betreibt derzeit fünf Hochöfen, drei in Linz und zwei in Donawitz. Im Jahr 2022 stieß die Voest laut EU-Emissionsdatenregister allein am Stammsitz in Linz rund 8,9 Mio. Tonnen Treibhausgase aus. Der Standort Donawitz blies 2022 rund 2,8 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente in die Luft. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette (Scope 1-3) beliefen sich die Emissionen auf rund 24,6 Mio. Tonnen, geht aus dem Nachhaltigkeitsbericht der voestalpine hervor. Bis 2027 will die voestalpine mit zwei grünstrombetriebenen Elektrolichtbogenofen 30 Prozent an CO2-Emissionen einsparen, das entspreche knapp 4 Mio. Tonnen Kohlendioxid bzw. fast 5 Prozent der jährlichen Emissionen Österreichs, erklärte voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner im Oktober. 2030 sollen dann zwei weitere Hochöfen abgelöst werden und bis 2050 auch der letzte in Linz.

Auch der teilstaatliche Öl- und Gaskonzern OMV gehört zu den größten Emittenten hierzulande. Der Ausstoß der Raffinerie in Schwechat erreichte 2022 rund 2,3 Mio. Tonnen Treibhausgase, geht aus dem EU-Emissionshandelsregister hervor. Insgesamt stieß der Erdölkonzern laut seinem Nachhaltigkeitsbericht 2022 rund 11,7 Mio. Tonnen an Treibhausgasen direkt aus, dabei handelt es sich nur um die Emissionen, die von OMV-Anlagen in die Luft geblasen wurden. Rechnet man die Emissionen dazu, die entstehen, wenn man mit den Produkten der OMV fliegt, heizt oder fährt, vervielfacht sich der Fußabdruck. Die Nutzung der verkauften Produkte verursachte 99,4 Mio. Tonnen an Treibhausgasen. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette beliefen sich die Emissionen der OMV auf 132,8 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente. Der Konzern will bis 2050 entlang der gesamten Wertschöpfungskette (Scope 1-3) klimaneutral werden, dazu soll der Unternehmensfokus in Zukunft vor allem auf nachhaltigen Treibstoffen und Chemikalien liegen, statt wie bisher auf der Erdöl- und Erdgasförderung. Die OMV setzt außerdem auf CO2-Abscheidung und -Speicherung (Carbon Capture and Storage), etwa in Norwegen.

Der Energieversorger Wien Energie hat im Jahr 2022 insgesamt (direkt und indirekt) 5,6 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen, darin enthalten sind auch jene Emissionen, die etwa durch Gasheizungen bei Kundinnen und Kunden entstehen. Die direkten Emissionen, also jene aus eigenen Anlagen, beliefen sich auf 2,8 Mio. Tonnen, rund 1,3 Mio. Tonnen davon entfielen laut EU-Emissionsregister alleine auf das Kraftwerk in Simmering. Der Energieversorger hat sich vorgenommen, seinen Treibhausgasausstoß bis 2030 um 33 Prozent (verglichen mit 2019) zu senken, bis 2040 will das Unternehmen klimaneutral werden. Dazu soll der Anteil der erneuerbaren Stromerzeugung bis 2030 verdoppelt werden, und bis dahin 57 Prozent der Fernwärme aus erneuerbaren Quellen und Abwärme produziert werden. Bis 2040 soll beides gänzlich klimaneutral erzeugt werden. Wien Energie setzt dazu etwa auf Großwärmepumpen und Geothermie.

Die meisten Emissionen in Europa verursacht das Braunkohlekraftwerk Bełchatów in Polen. Es ist das größte seiner Art in Europa und eines der größten weltweit. Laut EU-Emissionsregister verursachte es 2022 rund 35,1 Mio. Tonnen Treibhausgase. Dahinter folgte das Braunkohlekraftwerk Neurath in Deutschland mit einem Treibhausgasausstoß von 24,2 Mio. Tonnen im Jahr 2022. Auf dem dritten Platz stand das deutsche Kraftwerk Niederaußem, das ebenfalls mit Kohle befeuert wird und 2022 für rund 17 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente verantwortlich war. Die EU hat sich das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 vorgenommen.

Das Pariser Klimaziel, die globale Erderwärmung auf zwei Grad bzw. 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen, ist nicht willkürlich gewählt: Nur in diesem Bereich können langfristige und unwiderrufliche Schäden im Klimasystem verhindert werden. Der Anspruch müsse daher sein, die Emissionen in allen Sektoren so weit wie möglich zu reduzieren, sagte Lichtblau gegenüber der APA. Bei jenen Emissionen, die nicht vermeidbar sind, müsse man sich dann überlegen, wie man sie kompensiert. Technische Möglichkeiten, etwa CO2-Abscheidung und Speicherung, seien dabei allerdings sehr teuer. „Hätten wir frühzeitig und ernsthaft begonnen, Klimaschutz zu betreiben, hätten wir uns einiges erspart", so der Experte.

Das EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) bezeichnete Lichtblau als „sehr wirkmächtiges Instrument". Das System habe zwar einige Zeit gebraucht um sich zu entwickeln, inzwischen sei die Wirkung und die Reduktion der Emissionen aber sichtbar. Der aktuelle CO2-Preis im EU-ETS liegt bei rund 80 Euro pro Tonne. Aus Klimaschutzsicht müsste der Preis allerdings auf mindestens 100 bis 150 Euro und bis 2050 weiter ansteigen, damit die Anreize, in alternative Verfahren und Erneuerbare zu investieren groß genug wären, um das Pariser Klimaziel zu erreichen.

Wenn wir später dran sind, ist auch die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet.
Günther Lichtblau, Klimaexperte beim Umweltbundesamt

„Wir können es uns nicht leisten, einen Klimawandel im einem größeren Ausmaß zuzulassen", sagte Lichtblau. Dass die Treibhausgase in der EU bis 2050 auf null sinken müssen, sei völlig klar. „Wenn wir später dran sind, ist auch die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Diese Erkenntnis setzt sich auch in der Industrie durch", so der Klimaexperte. Der Wandel sei unabdingbar. Eine sinnvolle Vorgehensweise wäre für Lichtblau etwa, den steigenden CO2-Preis im EU-ETS frühzeitig festzulegen und zu kommunizieren, sodass sich Unternehmen darauf einstellen können. Für die aktuell laufende UNO-Klimakonferenz COP28 hofft Lichtblau, dass alle Staaten mehr Verantwortung übernehmen: „Die nationalen Beiträge reichen nicht aus, wir sind vom Paris-Zielpfad weit entfernt". (APA)

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