Auch Wintershall Dea betroffen

Putin beschlagnahmt OMV-Beteiligungen in Russland

Der russische Präsident unterzeichnete das Dekret.
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Wien, Kassel, Moskau – Die österreichische OMV und die deutsche Wintershall Dea sollen laut einem Präsidialerlass formell ihre Anteile an Gasförderprojekten in der russischen Arktis verlieren. Alle Aktivitäten mit russischer Beteiligung, darunter die Beteiligung von Wintershall Dea an der Gaspipeline Nord Stream sowie die Gemeinschaftsunternehmen mit Gazprom, sollen bis Mitte 2024 rechtlich getrennt werden, wie aus einem von Kremlchef Wladimir Putin unterzeichneten Dekreten am Dienstag hervorgeht.

Demnach sollen die Beteiligungen von OMV und Wintershall Dea am Feld Juschno Russkoje und an den Achimov-Projekten, die beide in der Region Jamal-Nenets im hohen Norden Russlands liegen, auf neu gegründete russische Gesellschaften übertragen werden. Alle Anteile, die ausländische Unternehmen an Joint Ventures mit dem Gasriesen Gazprom halten, sollen auf die neuen russischen Gesellschaften übergehen. Der Erlös aus dem Verkauf der Anteile werde auf Sonderkonten der bisherigen ausländischen Eigentümer überwiesen, heißt es weiter. Alle bisher gültigen Unternehmensverträge verlieren mit der Unterzeichnung des Dekrets ihre Gültigkeit.

Rückzug nach Kriegsausbruch

Die OMV hatte sich bereits im vergangenen Jahr nach dem Ausbruch des Ukraine-Konflikts aus Russland zurückgezogen. Wintershall Dea, ein Gemeinschaftsunternehmen von BASF und der Investmentgesellschaft LetterOne des russischen Milliardärs Michail Fridman, steht vor dem Rückzug aus Russland.

Mit den Dekreten Putins wird ein Kontrollverlust formalisiert, den BASF und Wintershall Dea seit Jänner 2023 ankündigten. In den Dekreten heißt es, der Schritt diene dem Schutz nationaler Interessen angesichts der illegalen und unfreundlichen Handlungen des Westens in Bezug auf russische Vermögenswerte. Russische Staatsgelder in Höhe von Hunderten von Milliarden Dollar wurden im Westen ebenso eingefroren wie das Vermögen russischer Geschäftsleute und Investoren.

BASF teilte am Mittwoch mit, dass das Unternehmen von dieser Information aus den Nachrichten erfahren habe und die Situation derzeit im Detail analysiere. Das Unternehmen meldete für 2022 einen Nettoverlust, der durch eine Wertminderung in Höhe von 7,3 Mrd. Euro verursacht wurde, die größtenteils auf die Entkonsolidierung der Wintershall Dea AG in Russland zurückzuführen ist.

Die OMV rechnete ursprünglich mit Verlusten von 1,5 bis 1,8 Mrd. Euro (1,64 bis 1,97 Mrd. Dollar) durch den Rückzug aus Russland. (APA/Reuters)

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