Züge fielen aus

Sturmtief fegte über Europa: Todesopfer und schwere Schäden

Sturmtief „Zoltan“ sorgte für umgestürzte Bäume und Überflutungen im Norden Deutschlands.
© imago

In Belgien und den Niederlanden wurden zwei Frauen von umstürzenden Bäumen erschlagen, in Dänemark starb ein Mann. Vor allem Reisende haben mit den Sturmfolgen zu kämpfen.

Brüssel, Hamburg, Berlin – Sturmtief „Zoltan“ fegte über Westeuropa hinweg und sorgte für Todesopfer und schwere Schäden. Verspätungen gab es auch im Weihnachtsverkehr, unter anderem war der Norden Deutschlands stark betroffen. In Belgien und den Niederlanden wurden zwei Frauen von umstürzenden Bäumen erschlagen, in Dänemark starb ein Mann. Zahlreiche Fernzüge fielen aus.

In Belgien wurde eine Frau auf einem Christkindlmarkt von einem etwa 20 Meter hohen Tannenbaum erschlagen. Das Nadelholz habe am Donnerstagabend einer starken Windböe nicht standgehalten, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Der Baum stürzte auf drei Personen, von denen eine wenig später im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen starb. Die Unglücksstelle in der Stadt Oudenaarde wurde nach dem Unfall abgesperrt und untersucht.

In den Niederlanden wurde eine 37-Jährige beim Fahrradfahren von einem umfallenden Baum getroffen worden, teilte der Arbeitgeber der Frau, eine Pflegeeinrichtung, am Freitag mit. Der Unfall ereignete sich bereits am Donnerstag in Wilp etwa 100 Kilometer östlich von Amsterdam. Die Frau arbeitete als Betreuerin in dem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen. Sie war auf einem sogenannten Duo-Fahrrad mit einer Bewohnerin unterwegs, als der Baum umstürzte. Die andere Frau sei bei dem Unfall leicht verletzt worden.

Das Sturmtief „Zoltan“ sorgte für zahlreiche Feuerwehreinsätze und gesperrte Straßen in Deutschland.
© IMAGO/André Maerz

In Norddeutschland, aber auch in Teilen Hessens, beschädigten umgestürzte Bäume Oberleitungen oder blockierten Strecken. Vom Norden aus fuhren am Freitagvormittag zunächst keine Schnellzüge nach Hannover, Kassel, Frankfurt, Stuttgart, Basel und München. Am frühen Nachmittag entspannte sich die Lage im Bahnverkehr leicht: Sperren seien inzwischen weitestgehend aufgehoben, es komme aber weiterhin zu vielen Verspätungen, sagte eine Sprecherin.

Für das Wochenende rechnete die Bahn mit einer starken Auslastung der Züge - zu dem ohnehin starken Weihnachtsverkehr kämen nun Reisende hinzu, die ihre Anreise wegen des Sturms in das Wochenende verlegen mussten: „Es wird sicherlich voll.“

Das Wasser der Elbe drückte die schwere Sturmflut an Land und überspülte dabei den Hamburger Fischmarkt und die umliegenden Straßen komplett. Das Wasser stand teils hüfthoch. Da nicht alle Autos rechtzeitig weggefahren wurden, wurden auch sie überspült. In der Nacht waren die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei in der Region unterwegs, um in den noch abgestellten Fahrzeugen im Überschwemmungsgebiet nach Menschen zu suchen.

Überspülter Fischmarkt an der Elbe in Hamburg.
© APA/dpa/Christian Charisius

Am Freitagvormittag überschritt die schwere Sturmflut in Hamburg ihren Scheitelpunkt. „Die schwere Sturmflut hat 10.42 Uhr ihren Höchststand am Pegel St. Pauli erreicht. Die Abweichung zum mittleren Hochwasser betrug 3,33 Meter“, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Damit sei nun auch die Entwarnung für den Bereich herausgegeben worden. Durch die schwere Sturmflut sind der Fischmarkt und umliegende Straßen teils hüfthoch überspült worden. Auch in der Hafencity standen zahlreiche Straßen unter Wasser.

Hunderte Hamburger und Touristen nutzen die schwere Sturmflut an der Elbe zu einem vorweihnachtlichen Ausflug an den Fischmarkt. Entlang der Promenade unterhalb der St. Pauli Hafentreppe beobachteten sie am Freitagvormittag, wie noch letzte Autos bei Erreichen des Pegelhöchststandes von 3,33 Meter über dem mittleren Hochwasser von den bereits überspülten Parkflächen an der Uferkante gefahren oder geschleppt wurden.

Toter nach Frontalzusammenstoß in Dänemark

Auch Dänemark erlebte eine stürmische Nacht, überstand diese aber mit geringeren Schäden als befürchtet. Ein Todesopfer gab es dennoch: Ein 81-jähriger Mann starb in Tappernøje rund 80 Kilometer südlich von Kopenhagen bei einem Frontalzusammenstoß, als eine Autofahrerin einem umgestürzten Baum ausweichen wollte. Der Polizei wurden im Zuge des Sturms in der Nacht auf Freitag vor allem viele umgestürzte Bäume gemeldet, mancherorts wurde zudem der höchste Wasserstand seit mehreren Jahren gemessen. Auf der vorübergehend gesperrten Brücke über den Großen Belt kam es zu kilometerlangen Staus. Zudem fielen mehrere Flüge, Züge und Fähren aus.

Orkan-Böen fegten über die Schweiz

Orkan-Böen sind in der Nacht auf Freitag über die Schweiz hinweggefegt. Die Windspitzen erreichten in den Bergen teilweise über 180 Kilometer pro Stunde, wie der Wetterdienst Meteonews am Freitag mitteilte. Auch im Flachland war es in der Nacht stürmisch. So wurden in Luzern Windgeschwindigkeiten von 95 km/h gemessen, am Flughafen Zürich wehte der Wind laut Meteonews mit bis zu 93 km/h. (TT.com, APA, dpa)

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