Schwere Unwetter-Schäden in Tirol, Hochgallmigg derzeit nicht erreichbar
Das Wetter hatte Tirol auch am Tag vor dem Heiligen Abend im Griff. Regen und Sturm haben in der Nacht auf Samstag erneut für schweren Schäden in mehreren Teilen des Landes gesorgt. In Mils bei Imst durften vier evakuierte Familien in ihre Häuser zurück.
Reith im Alpbachtal, Mils bei Imst – Regen und Sturm haben in der Nacht auf Samstag erneut für schwere Schäden in mehreren Teilen des Landes gesorgt. Rund 60 Einsätze wurden in der Nacht absolviert, hieß es von der Leitstelle. Die Unwetterschäden ereigneten sich „übers ganze Land verteilt“ und zogen „entwurzelte Bäume und blockierte Straßen“ nach sich, so die Information der Einsatzzentrale. Einige kleine Ortschaften waren Samstagfrüh nicht erreichbar, wie etwa Obergurgl sowie Kaisers, Bschlabs oder Gramais. Die Aufräumarbeiten liefen untertags jedenfalls auf Hochtouren.
Hochgallmiggstraße nach Felssturz gesperrt
Nach einem Felssturz und drohendem Hangrutsch auf die L 312 Hochgallmiggstraße ist der Ortsteil Hochgallmigg in der Gemeinde Fließ im Bezirk Landeck laut Informationen vom Sonntagabend über den Straßenweg derzeit nicht erreichbar. Nach einem Lokalaugenschein am Sonntag, sowie weiterer Beurteilungen durch die Landesgeologie und das Baubezirksamt Imst ist die Dauer der Sperre derzeit noch nicht absehbar. Das betroffene Gebiet wurde auch mit einer Drohne überflogen, um die Lage rund um die Abbruchstelle zu beurteilen. Die Versorgung der Bevölkerung, wird durch eine Luftbrücke sichergestellt.
Aktuell sind davon rund 250 BewohnerInnen im Ortsteil Hochgallmigg von der Sperre betroffen. Die Bevölkerung wurde durch Bürgermeister Alexander Jäger bereits informiert. „Zur Sicherstellung der Versorgung wurde in Absprache mit der Landeswarnzentrale auch ein Transporthubschrauber des Österreichischen Bundesheers für Personen- und Lasttransporte angefordert. Bis das Bundesheer eintrifft, wird die Versorgung durch den Landeshubschrauber sichergestellt“, erklärt so Jäger. Die medizinische Versorgung vor Ort ist damit gewährleistet. Die Arbeiten werden Montagfrüh fortgesetzt. Die Dauer der Sperre ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht absehbar.
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Mure riss Auto im Unterland mit
In Reith im Alpbachtal ging am Freitagabend gegen 23 Uhr eine Mure ab, die die Alpbacher Landesstraße (L5) auf einer Länge von etwa 15 Metern verlegte. Die Erdmassen erfassten das Auto eines 25-Jährigen, der zu dieser Zeit in Richtung Alpbach unterwegs war. Das Fahrzeug wurde im Bereich des Hecks getroffen, von der Straße geschoben und etwa drei bis vier Meter unterhalb der Fahrbahn gegen einen Baum gedrückt.
Der Lenker wurde dabei leicht verletzt, seine 21-jährige Beifahrerin kam mit dem Schrecken davon. Am Pkw des Ungarn entstand Totalschaden. Die Freiwillige Feuerwehr Reith im Alpbachtal sowie die Straßenmeisterei Wörgl beseitigten die Mure und sicherten die Straße mit Betonschutzwänden ab. Um 2 Uhr wurde der Bereich wieder für den Verkehr freigegeben.
Vier Familien in Mils bei Imst durften in ihre Häuser zurück
In Mils bei Imst sorgte ein Felssturz für Probleme. Kurz vor Mitternacht durchschlug ein etwa vier mal vier Meter großer Felsblock einen Schuppen und drückte einen Niederspannungsmast leicht um. Zum Glück konnte das Stromunternehmen Entwarnung geben. Der Felsblock prallte vermutlich aber auch auf den Damm bzw. die Schüttung der südlichen Röhre des Milser Tunnels.
Bei einer Begutachtung wurde ein kleiner Riss an der Tunnelröhre festgestellt. Laut Aussendung der Polizei entstand dieser aber nicht unbedingt durch den Felssturz. Der Bürgermeister ordnete dennoch die Evakuierung von sechs Gebäuden, darunter vier Wohnhäusern an. Vier Familien, insgesamt 20 Personen, wurden von der Feuerwehr aus den Gebäuden geleitet und anschließend bei Familienmitgliedern und in einer Raststätte untergebracht. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand.
Mittlerweile konnten alle wieder in ihre Häuser zurückkehren. „Das Weihnachtsfest können sie in den eigenen vier Wänden verbringen", hieß es es von Markus Finazzer, Kommandant der FF Mils im Gespräch mit der TT. Unter den evakuierten Gebäuden befinde sich allerdings auch die Zentrale der Feuerwehr Mils, so Finazzer. „Dieses können wir in den nächsten zwei bis drei Wochen nicht benutzen, aufgrund der bleibenden Steinschlaggefahr." Die Gerätschaften, Einsatzfahrzeuge und Ausrüstung seien aber bereits an eine Ausweichstelle gebracht worden, man sei voll einsatzfähig.
Auf der Pitztal Landesstraße (L16) zwischen Wenns und Jerzens kam es am Freitag und Samstag zu Murenabgängen und Erdrutschen. Weiters stand die Freiwillige Feuerwehr Wenns bei einem Wasserschaden in der Tiefgarage einer Wohnanlage mit vier Fahrzeugen und 32 Mann im Einsatz.
In Mötz musste ein Wohnhaus evakuiert werden, nachdem eine Mure auf die Terrasse abgegangen war.
Spitzenwert des Sturms: 159,5 km/h in Galzig
Der Tiroler Spitzenwert des Sturms wurde am Freitag mit 159,5 km/h in Galzig (2079 Meter Seehöhe) gemessen. Auch durch die Täler fegten teils kräftige Böen. Bereits am Freitag kam es in bis zu 12.000 Haushalten zu Stromausfällen. Betroffen waren der Raum Achensee, das Stubaital, der Bereich zwischen Imst und Reutte sowie Osttirol.
Sturm, Regen, aber auch erhöhte Lawinengefahr sorgten zudem für zahlreiche Straßensperren und Umleitungen. Gesperrt sind bzw. waren unter anderem folgende Straßen (Quelle: ÖAMTC)
- Die Pitztalstraße (L16) zwischen Wenns und St. Leonhard musste wegen eines Erdrutsches gesperrt werden. Umleitung erfolgt über die L243 Jerzner Landesstraße.
- Die Gerlosstraße (B165) musste zwischen Gerlos und Almdorf Königleiten wegen Schneeglätte in beide Richtungen gesperrt werden.
- Die Engadiner Straße (184) in Höhe Grenzübergang Schalk ist in beiden Richtungen wegen eines Erdrutsches gesperrt, eine Umleitung ist für Pkw ist eingerichtet
- Die Mieminger Straße (B189) zwischen Obsteig und Fronhausen ist nach einem Erdrutsch in beiden Richtungen nur ein Fahrstreifen abwechselnd frei
- Die Brandenberg Straße (L4) wurde zwischen Kramsach und Brandenberg wegen Sturmschäden komplett gesperrt.
- Die Tiroler Straße (B171) und die Stanzertal Landesstraße (L68) sind nach einem Erdrutsch zwischen Pians und Strengen in beiden Richtungen gesperrt
- Die Landecker Straße (L76) wurde zwischen Eicholz und Urgen nach einem Erdrutsch in beide Richtungen gesperrt. Die Aufräumarbeiten werden voraussichtlich mehrere Tage dauern, die Straße wird über die Feiertage an dieser Stelle über die Feiertage gesperrt bleiben. Nach den Aufräumarbeiten wird eine einspurige Umfahrung eingerichtet. Eine Umfahrung über den A12 Zubringer "Landecker Tunnel" ist aktuell möglich.
- Die Hochgallmiggstraße (L312) ist nach einem Felssturz und drohendem Hangrutsch gesperrt. Derzeit ist der Ortsteil Hochgallmigg in der Gemeinde Fließ über den Straßenweg nicht erreichbar. Die Dauer der Sperre ist derzeit noch nicht absehbar.
Aufgrund der Wettersituation waren einige höher gelegene Straßen aufgrund von Lawinengefahr gesperrt. Dies galt laut Verkehrspolizei etwa für Obergurgl im Ötztal – wie das Land mitteilte, ist die Strecke mittlerweile wieder befahrbar. Auch das Pitztal, das vorübergehend nur über eine untergeordnete einspurige Straße zu erreichen war, ist nun wieder über das Landesstraßennetz erreichbar.
Keine Störungen gab es am Samstag im Zugverkehr. Laut Streckeninfo der ÖBB kam es in Tirol zu keinen Unwetterschäden. (TT.com)
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