Raiders suchen Footballerinnen für neues Frauen-Team: „Hat dieselbe Berechtigung"
Das Frauen-Football-Team der Swarco Raiders lädt am Samstag zum Probetraining. Trotz des Wissens um den schweren Stand des österreichischen Damen-Footballs verfolgt Tirols Vorzeigeclub ein klares Ziel: die Dominanz von Serienmeister Vienna Vikings beenden.
Innsbruck – In wenigen Tagen beginnt sie – die neue Zeitrechnung bei den Swarco Raiders Tirol. Der Vorzeige-Football-Club gab kürzlich die erstmalige Installierung einer Frauen-Kampfmannschaft bekannt. Und beim Try Out sollen am Samstag (ab 13 Uhr, Tivoli W2) neue Spielerinnen entdeckt werden.
"Wir haben uns immer wieder Gedanken gemacht, wie wir unser Portfolio erweitern können, um alle Gesellschaftsteile mitzunehmen. Beim Cheerleading, Basketball oder auch beim Football im Nachwuchs gibt es bei uns bereits Mädchen und Frauen. Für uns war das jetzt der richtige Schritt, daran anzuknüpfen", freut sich mit Ulz Däuber der General Manager für Tackle Football über willkommene Frauen-Power.
Dreh und Angelpunkt bei den Bemühungen um ein Frauen-Team: Neo-Headcoach Peter Wurzer. Der 29-Jährige war einst im Nachwuchs selbst für die Raiders-Footballer aufgelaufen und führte zuletzt die Damen der Telfs Patriots in der AFL Division Ladies zwei Mal in Serie in das Endspiel, in dem sich die Vienna Vikings zum 21. Mal in Folge (!) zum Meister kürten.
Wie lange die Alleinherrschaft der Wienerinnen noch anhält? Das hängt nun auch von den Entwicklungsschritten der Raiders ab. Denn klar ist für Däuber allemal: "Es wird nicht über Nacht passieren. Aber wenn wir 50 Frauen hier haben, dann weiß ich nicht, warum wir mit den Vikings nicht mithalten können sollten." Es entspricht ohnehin nicht dem Selbstverständnis der erfolgsverwöhnten Raiders, sich mit dem Status als Nummer zwei zu begnügen.
Liga besteht nur aus drei Teams
Bei null müsse man nicht anfangen, betonen Däuber und Wurzer unisono. Weil die Telfs Patriots in der kommenden Saison nicht für die Liga gemeldet haben, seien knapp 15 Spielerinnen vom Oberland nach Innsbruck gewechselt. Und auch den bisherigen Telfer Kooperationspartner Schwaz Hammers haben die Swarco Raiders Ladies – so der offizielle Team-Name – an Board.
Mit Serienmeister Vienna Vikings, den Swarco Raiders Ladies und den Salzburg Ducks besteht die im Mai beginnende höchste Liga Österreichs in der kommenden Saison nur aus drei Mannschaften. Im Damen-Bereich musste die Football-Szene hierzulande zuletzt eine Krise überstehen. Mangels Spielerinnen wurde die Frauen-Nationalmannschaft aufgelöst und die Anzahl der Spielerinnen in der Startaufstellung auf sieben Akteurinnen reduziert. "Ziel muss es natürlich sein, dass wir uns den Herren (elf Spieler in der Startformation, Anm.) wieder annähern", hofft Wurzer.
Schwieriger Stand in Männer-Domäne
Die Damen kämpfen in der Männer-Domäne Football vor allem um Akzeptanz. "Meiner Meinung nach hat es dieselbe Berechtigung wie bei den Herren. Oft heißt es: Die Footballer hauen nur zusammen. Aber Football hat viel mehr Aspekte wie Taktik oder Athletik zu bieten", werde American Football aus Sicht von Wurzer viel zu häufig reduziert - für ihn ein Grund mehr, sich für die Damen einzusetzen.
"Das hängt jetzt auch von der Gesellschaft ab. Es liegt an den Tirolern zu zeigen, dass wir ein weltoffenes Volk sind. Wir von den Swarco Raiders Tirol unterstützen das jedenfalls", hält Däuber fest und erhofft sich eine ähnliche Entwicklung wie beim Fußball: "Man muss nur an den Frauen-Fußball in Deutschland denken. Er wurde anfangs auch belächelt. Und dann gewann die Nationalmannschaft mehr und mehr und es kamen 20.000 Fans in das Stadion."
Man sei "froh um jedes Mitglied" und das Anforderungsprofil sei breitgefächert, wie auch Wurzer konkretisiert: "Das ist das Schöne am American Football. Im Endeffekt gibt es für jede Person und jedes Talent eine Position." Däuber ergänzt: "Groß, klein, kräftig, intelligent - in unserem Sport ist alles dabei - das sieht man auch bei unseren bestehenden Männer-Mannschaften."
Ein nicht zu verachtender Nebeneffekt: Jene Mädchen, die aktuell bereits im Raiders-Nachwuchs mit den Jungs auflaufen, wird eine wertvolle Perspektive aufgezeigt. Anmelden müsse man sich für das Try Out nicht - am Samstag um 13 Uhr am Tivoli W2 vorbei zu kommen reiche.
"Es werden aktive Spielerinnen anwesend sein und es wird verschiedene Stationen wie Ball werfen und Ball fangen geben. Und alle dürfen in die Ausrüstung schlüpfen, um ein Gefühl dafür zu entwickeln", beschreibt Wurzer den Plan für Samstag: "Wenn wir über das Try Out drei bis vier neue Spielerinnen gewinnen könnten, dann wäre das super." Däuber schließt: "Es ist auch okay, wenn es jemand nur einmal ausprobieren möchte."
Wo sind die Damen, die schon lange davon träumen, einmal für ein Football-Team aufzulaufen?
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