Neu im Kino

Aufwühlender Kinofilm „Green Border“: Hetzjagd an der grünen Grenze

Hin und her geschubst, aller Hoffnungen beraubt. Ein syrischer Vater und seine Tochter werden zum Spielball von politischen Interessen im Niemandsland zwischen Belarus und Polen.
© Agata Kubis/Pandafilm

Die polnische Regisseurin Agnieszka Holland legt im preisgekrönten Spielfilm „Green Border“ den Finger in die Wunde einer völlig entmenschlichten Flüchtlingspolitik.

Innsbruck – An Polens Ostgrenze zu Belarus (Weißrussland) treffen zwei Welten aufeinander. Drüben das Regime des Diktators Lukaschenko, eines treuen Vasallen Moskaus. Und diesseits, in Polen, beginnt die Europäische Union, der vermeintlich sichere Hafen für politisch Verfolgte aus Krisen- und Kriegsgebieten.

Am streng bewachten Grenzstreifen beider Staaten stranden Menschen aus Syrien, aus Afghanistan, aus Afrika. Sie haben Schleppern Unsummen bezahlt und ihr Hab und Gut zurückgelassen, um hierher zu gelangen. Frauen und Kinder, traumatisiert von Gewalt und Flucht. Männer mit Spuren von Folterung am ganzen Körper. Ältere Menschen, plötzlich heimatlos in einer fremden Umgebung, in der sie sich kaum verständigen können.

Ihnen, den Flüchtenden und Vertriebenen, gibt Agnieszka Holland im dokumentarisch angelegten Spielfilm „Green Border“ (polnisch „Zielona granica“) Gesicht und Stimme. In ihrer Heimat Polen wurde die Regisseurin deswegen von der – inzwischen abgelösten – Rechtsregierung massiv angefeindet. Denn Holland hält der Staatsmacht den Spiegel vor. Warschau verbreitet die Propaganda, dass es sich bei den Ankömmlingen um „Terroristen“ handle.

Polens Grenzwächter gehen mit unvorstellbarer Brutalität gegen die Flüchtenden vor, mit Schlägen, Fußtritten, scharfen Hunden. Eine hochschwangere Frau wird von Soldaten über den Stacheldrahtzaun geworfen. Leichen, die an der gefährlich sumpfigen, dicht bewaldeten grünen Grenze entdeckt werden, werden einfach zum Nachbarn hinübergeschoben.

Bösartiges Spiel verfeindeter Staaten

Es ist ein bösartiges, zynisches Ping-Pong zweier verfeindeter Staaten auf dem Rücken wehrloser Menschen. Belarus lockt Flüchtende ins Land, nur um diese dann mit militärischer Gewalt schleunigst weiter nach Polen zu scheuchen, wo sie sich selbst überlassen sind. Mutigen AktivistInnen ist es zu verdanken, dass bei dieser Hetzjagd nicht noch mehr Menschen ihr Leben lassen.

„Green Border“ verpasste beim Filmfestival in Venedig im Vorjahr zwar den Goldenen Löwen, heimste dafür jedoch mehrere Spezialpreise ein. Hollands Bilder sind verstörend und erschütternd, sie machen das Hinsehen an vielen Stellen schwer erträglich. Weggesehen wurde aber schon viel zu lange.

Green Border (Originaltitel: Zielona granica)

Ab 2. Februar im Kino.

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