Das Ball-Highlight des Jahres

Roben, Promis und „Alles Walzer“: Das war der 66. Wiener Opernball

Piotr Beczala und Elīna Garanča eröffneten den Wiener Opernball.
© APA/ROLAND SCHLAGER

Beim 66. Opernball in der Wiener Staatsoper hieß es wieder „Alles Walzer“. Die Opern-Superstars Elīna Garanča und Piotr Beczala eröffnen den zweiten Ball unter Staatsoperndirektor Bogdan Roščić.

Wien – Die beiden Opernstars Piotr Beczala und Elīna Garanča sind ihren großen Namen gerecht geworden: Unter vielen "Bravos" von den Besucherinnen und Besuchern eröffneten die beiden Sänger den 66. Wiener Opernball am Donnerstag in der Staatsoper. An der Spitze des offiziellen Österreichs kamen Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) zum rauschenden und restlos ausverkauften Fest.

Gleich zum Beginn gab es eine Premiere. Zum ersten Mal gab es mit Garanča und der spanischen Ausnahmesängerin Serena Saenz mit dem Klassiker "Barcarolle" aus Hoffmanns Erzählungen ein rein weibliches Duett.

📽️ Video | Das war der Opernball 2024

Nach zwei Solostücken von Garanča ("Nei Giardin Del Bello" aus Don Carlo) und Beczala (umjubelte Blumenarie aus Carmen) vereinigten die Mezzosopranistin und der Tenor ihre Stimmen in dem nicht minder eingängigen Lied "Granada" von Agustín Lara. Für den Auftritt des Wiener Staatsballetts war ebenfalls ein Großer seines Fachs zuständig: Unter Choreograf Alexei Ratmansky tanzten die Solistinnen- und Solistenpaaren den Walzer "La Séparation" des ukrainischen Komponisten Mykola Lysenko. Ratmansky wollte damit "ein Zeichen für den Frieden auf der Welt senden". Direktor Bogdan Roščić zollte seinen Künstlerinnen und Künstlern mit lautem Applaus Respekt.

Danach absolvierten die 144 Paare des Jungdamen- und Jungherren-Komitees tadellos die von Maria Angelini-Santner und Christoph Santner von der Tanzschule Santner recht schwierig gestaltete Choreographie zur Pepita Polka von Johann Strauß (Sohn). Dann wurde gemeinsam mit dem legendären Aufruf "Alles Walzer" das Parkett für die Besucher freigegeben.

Ein Paar des Jungdamen- und Jungherren-Komitees.
© APA/EVA MANHART

An der Spitze des offiziellen Österreichs kamen Bundespräsident Van der Bellen, der seinen montenegrinischen Amtskollegen Jakov Milatović zu Gast hatte, sowie Bundeskanzler Nehammer, der von Estlands Premierministerin Kaja Kallas zum Event begleitet wurde.

"Die Einladung an Präsident Jakov Milatović, heute gemeinsam den Opernball zu besuchen, ist ein Zeichen der Freundschaft zwischen Österreich und Montenegro sowie ein Symbol für das österreichische Engagement am Westbalkan", sagte Van der Bellen.

"Der Wiener Opernball ist nicht nur eine schöne Tradition unseres Landes, sondern auch kulturelles Aushängeschild Österreichs in der Welt. Nicht umsonst kommen jedes Jahr gerne auch internationale Gäste - wie heuer die estnische Premierministerin Kaja Kallas - nach Wien zum Opernball", unterstrich auch der Bundeskanzler.

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) erschien in Begleitung von Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP), die die Regierungsrätin Liechtensteins für Äußeres, Dominique Hasler, einlud. Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) bat die Außenministerinnen Belgiens, Hadja Lahbib, und Finnlands, Elina Valtonen, zum Ball. Ebenfalls dabei war Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP). Der für Kultur zuständige Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) ließ den Ball aus, er wurde von Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) vertreten. Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) brachte seine kosovarische Amtskollegin Rozeta Hajdarimit mit in die Oper. Auf dem Ball gesehen wurde auch die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ). Auch Ex-Kanzlerin Brigitte Bierlein kam zum Fest.

(v.l.) Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP), Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP), Montenegros Präsident Jakov Milatovic mit Ehefrau Milena, Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Ehefrau Doris Schmidauer, Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) mit Ehefrau Katharina.
© ROLAND SCHLAGER

Für viel Aufsehen sorgten die Gäste des Unternehmers Markus Deussl, der Schauspieler Franco Nero, der Sänger Heino sowie Comedian Oliver Pocher samt Ex-Frau Sandy Meyer-Wölden. "Das ist das Schöne bei uns Männern. Wir können immer das Gleiche anziehen. Mein Frack ist zehn Jahre alt", meinte etwa Pocher über die Ballmode. "Die Stimmung in der Loge ist gut, aber heiß. Und wir haben ja auch zwei ältere Männer drin", sagte der Moderator während der Eröffnung.

Heino bedauerte im Interview mit dem ORF, sein Balldebüt nicht mit seiner kürzlich verstorbenen Frau Hannelore geschafft zu haben. Ablenkung sei selbst am rauschenden Fest nur bedingt möglich für ihn. "Man kann nicht 45 Jahre vergessen lassen." Franco Nero kam allerdings bereits zum zweiten Mal zum Opernball. Er war vor über 40 Jahre auf dem Fest gemeinsam mit Kollege Richard Burton.

Richard Lugner und Stargast Priscilla Presley am Parkett.
© APA/EVA MANHART

Richard Lugner huschte mit seinem Stargast Priscilla Presley am Roten Teppich seitlich vorbei in die Oper. Die Ex-Frau des King of Rock'n'Roll Elvis Presley nahm relativ rasch im vorderen Bereich der Lugner-Loge Platz, um die Eröffnung zu bewundern. Presley fand den Ball "absolut wundervoll". Zur Freude des Baumeisters wagten Presley und Lugner auch noch einen Tanz am Parkett. "Ich liebe diese Energie", sagte die Schauspielerin dem ORF. "Wir haben so etwas nicht in Los Angeles." Sie überlegte sogar, ihren Heimflug in die USA zu verschieben, um noch etwas länger in Wien bleiben zu können, erzählte Presley.

📽️ Video | Erster Auftritt von Priscilla Presley im Glitzerkleid

Auch Designer Helmut Glööckler schritt mit neuer Langhaar-Frisur und spitzen Fingernägeln über den Red Carpet in die Oper. "Ich habe mich gefragt, wie Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Ball aussehen würde. Es ist ein bisschen 'Rock me Amadeus'", sagte der Deutsche.

Designer Harald Glööckler am roten Teppich.
© HELMUT FOHRINGER

Ebenfalls unter den Gästen zu sehen waren die ehemaligen Opernball-Organisatorinnen Elisabeth Gürtler sowie Maria Großbauer, das Künstler-Ehepaar Cornelius Obonya und Carolin Pienkos, Designerin Lena Hoschek, Star-Geigerin Lidia Baich und ihr Ehemann, der Sänger Andreas Schager sowie Sopranistin Anna Netrebko. "Es ist fast ein Branchentreffen", sagte Obonya. "Man trifft hier viele Leute, die man kennt. Um ehrlich zu sein, mag ich Tanzen aber nicht besonders. Aber mit meiner Frau tanze ich einen Walzer, dann Freejazz." Auch Schauspielerin Nina Proll und Ex-ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz mit Lebensgefährtin Leona König mischten sich unter das Ballvolk. Ebenfalls dabei war Dompfarrer Toni Faber und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ).

Model Papis Loveday zog mit ausgefallenem Kopfschmuck viele Blicke auf sich. Musiker DJ Ötzi besuchte mit Frau und Tochter den Ball. Die Präsidentin der Salzburger Festspiele Kristina Hammer ließ sich das Spektakel ebenso wenig entgehen wie die Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums, Sabine Haag. Schauspielerin Sunnyi Melles sah sich die Eröffnung gemeinsam mit Zirkusartistin und Model Lili Paul-Roncalli an. Dabei war auch Künstler Erwin Wurm.

Zaungäste verfolgten das Treiben in der Staatsoper von außen.
© APA/TOBIAS STEINMAURER

Der 66. Opernball setzte wieder eine soziale Note, zu der jeder Besucher und jede Besucherin einen Beitrag leistete - und zwar mit dem Erwerb der Eintrittskarten (Aufschlag von 35 Euro pro Ticket) und der Konsumation am Ball (zehn Prozent Aufschlag auf die Gastronomie). Das Geld kam erneut "Österreich hilft Österreich" zu Gute, eine vom ORF und den führenden Hilfsinstitutionen getragene Initiative, die in Not geratenen Menschen hilft. Vergangenes Jahr wurden 600.000 Euro überwiesen.

Anlässlich des 66. Opernballs ist es auch wieder zu Protesten gekommen. So hat die Kommunistische Jugend Österreichs (KJÖ) zu einem Marsch gegen den Opernball aufgerufen. Auf Plakaten war etwa "Keine Profite mit Energie und Miete" oder "Streik statt fauler Kompromiss" zu sehen. Laut Wiener Polizei blieben die Kundgebungen ruhig. "Mehrere hundert Polizistinnen und Polizisten" werden in und um das Haus am Ring in Einsatz sein, sagte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) im Vorfeld.

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