1935–2024

Stardirigent Seiji Ozawa im Alter von 88 Jahren gestorben

Dirigent Seiji Ozawa am 3. März 2009, während einer Probe von „Eugen Onegin“ in der Wiener Staatsoper.
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Ozawa starb am 6. Februar an Herzversagen in seinem Zuhause in Tokio. Er war von 2002 bis 2010 Musikdirektor der Wiener Staatsoper.

Tokio, Wien – Der japanische Stardirigent Seiji Ozawa ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Nach Angaben des Senders NHK und anderer japanischer Medien vom Freitag starb Ozawa am 6. Februar an Herzversagen in seinem Zuhause in Tokio. Der frühere Assistent Herbert von Karajans und Leonard Bernsteins war von 2002 bis 2010 Musikdirektor der Wiener Staatsoper. Die Wiener Philharmoniker trauern um ihr Ehrenmitglied, das laut „Asahi Shimbun“ bereits im engen Familienkreis beigesetzt wurde.

Seiji Ozawa wurde 1. September 1935 als Sohn japanischer Einwanderer in Shenyang, Mandschurei (China) geboren. Nach der Rückkehr seiner Familie nach Tokio wollte er zunächst Pianist werden. Erst nachdem sich der begeisterte Rugby-Spieler zwei Zeigefinger gebrochen hatte, entschloss er sich zu einer Laufbahn als Dirigent. Um sich das Studium an der privaten Toho Musikschule bei Hideo Saito finanzieren zu können, verbrachte er sieben Jahre als Diener in Saitos Haus. Bernstein machte ihn 1961/62 zu seinem Assistenten beim New York Philharmonic Orchestra.

Gesundheitliche Probleme hatten den Maestro in den vergangenen Jahren gezwungen, deutlich kürzerzutreten. Nachdem 2010 bei ihm Speiseröhrenkrebs festgestellt worden war, gab er seinen Posten des Musikdirektors der Wiener Staatsoper auf und zog sich aus dem Konzertbetrieb weitgehend zurück. In seiner Heimat, wo er unter anderem das Mito Chamber Orchestra als Musikdirektor leitete, stand er noch gelegentlich am Pult. In Japan gründete er u.a. 1992 das „Saito Kinen Festival“, das 2015 in „Seiji Ozawa Matsumoto Festival“ umbenannt wurde. Prägend war er auch für Tanglewood, der berühmten Sommermusikakademie für Nachwuchsmusiker in Massachusetts, die er über Jahrzehnte prägte und die ihm 1994 die „Ozawa-Halle“ widmete. Orchesterchef war er u.a. in Chicago, Toronto, San Francisco, drei Jahrzehnte lang prägte er das Boston Symphony Orchestra – als „dienstältester“ Chefdirigent eines nordamerikanischen Orchesters.

Wiener Philharmoniker trauern um Ehrenmitglied

Österreich war er eng verbunden. Die Zusammenarbeit der Wiener Philharmoniker mit Seiji Ozawa begann 1966 bei den Salzburger Festspielen. „Über fünf Jahrzehnte führten wir ein unglaublich breites Repertoire auf: es reichte vom Barock über die Meister der Wiener Klassik und der Romantik bis hin zur Moderne, mit Konzerten und Uraufführungen von zeitgenössischen Komponisten. Als einen besonderen Höhepunkt erlebten wir das Neujahrskonzert 2002 im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Als Zeichen unserer engen künstlerischen und persönlichen Verbundenheit verliehen wir ihm 2010 die Ehrenmitgliedschaft des Orchesters", hieß es am Freitag seitens der Wiener Philharmoniker. „Wir konnten im Herbst 2021 im Rahmen unserer Japan-Tournee das letzte Mal mit ihm musizieren. Seiji Ozawa dirigierte den langsamen Satz aus dem Divertimento KV 136 von Mozart.“

Sein Operndebüt gab Ozawa 1969 bei den Salzburger Festspielen mit Mozarts „Cosi fan tutte“. 2002 wurde Ozawa in der Direktion von Ioan Holender Musikdirektor der Wiener Staatsoper, an der er 1988 mit der russischen Neueinstudierung von „Eugen Onegin“ debütiert hatte, und stellte dabei seine breite Kennerschaft von Mozart bis Krenek unter Beweis. 2007 wurde Seiji Ozawa zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper ernannt. 2022 erhielt er im Rahmen des Österreichische Musiktheaterpreises in Grafenegg für seine herausragenden Verdienste um das Musiktheater einen Sonderpreis, den seine Tochter Seira Ozawa stellvertretend entgegennahm. (APA, AFP)

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