Zwei Frauen, eine Leidenschaft – die Landwirtschaft
Die Welt der Bäuerinnen ist bunt. Es gilt ein vielfältiges Rollenbild zu erfüllen: Als Frau, Köchin, Pflegerin, Melkerin, Erntehelferin, Gärtnerin, Vermarkterin, Netzwerkerin, Tierärztin, Mutter, Vermieterin oder Funktionärin braucht es viel Wissen und Motivation.
Was es für ein funktionierendes Leben am Hof braucht und warum die Arbeit trotz der Herausforderungen erfüllend ist, davon erzählen die Lienzer Quereinsteigerin Karin Halbfurter und Jungbäuerin Johanna Feichtner aus Breitenbach.
Eine „Stadtlerin“ wurde glückliche Bäuerin
„Ich bin eine ‚von‘ – eine von der Stadt. Bevor ich meinen Mann kennen gelernt habe, war ich Krankenschwester in Wien“, erzählt Karin Halbfurter. „Ich kam gerade von einer sechsmonatigen Reise zurück und wollte nur kurz in Osttirol bleiben. Von einem ländlichen, bäuerlichen Leben also weit entfernt. Damals stand für mich fest: Ich bin keine Bäuerin. Doch das Leben ist ein großes Abenteuer mit wunderschönen Geschenken. Heute sehe ich das anders: Ich bin eine Bäuerin und ja, ich bin glücklich! Einige Traditionen durfte ich erst durch das bäuerliche Leben näher kennen lernen, dafür bin ich sehr dankbar. Sie geben uns Halt und beinhalten viel altes Wissen. Genauso wichtig ist es für mich aber, mit der Zeit zu gehen. Mein Ziel war und ist es, dass sich alle auf unserem Hof wohlfühlen, Mensch und Tier. Ein achtsames Miteinander. So wurden wir gegenseitig inspiriert und sind gemeinsam gewachsen. Ich, die reiselustige Frau aus der Stadt, liebe heute das geerdete Hofleben und mein verwurzelter Mann genießt die Abenteuer auf unseren gemeinsamen Reisen. Für uns beide stand die Freude am „Tun“ und „Sein“ immer im Mittelpunkt. Vor allem durfte und darf das Lachen nicht zu kurz kommen. Es ist so schön, dass das Leben seine eigenen Geschichten schreibt! Ich glaube, es kommt jeder an den für sich bestimmten, richtigen Ort, um seinen Traum zu leben.“
Mit der Landwirtschaft aufwachsen
„Ich werde den Hof noch einige Zeit nicht besitzen – mitgestalten durfte ich aber schon früh. Es ist mir wichtig, den elterlichen Betrieb zukunftsfit zu gestalten. Dabei liegt mein Augenmerk auf Effizienz, Zeitersparnis und Gestaltung der Betriebszweige zusätzlich zu meinem Vollzeitjob bei der Landwirtschaftskammer Tirol“, erklärt Johanna Feichtner. „Es ist mir wichtig, die Aufgaben aufzuteilen, sodass die Prozesse reibungslos funktionieren. Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Es gehört für mich zum Beispiel dazu, die Privatsphäre zu wahren und zeitgleich den Zusammenhalt im familiären Netzwerk zu stärken.
Die Freude am Beruf und an der Gemeinschaft stärkt uns.“
Helga Brunschmid, Landesbäuerin von Tirol
Die Kommunikation ist das A und O – ich bin dankbar, dass mich meine Eltern schon früh mitentscheiden haben lassen. Ich bin überzeugt, dass die Zukunft der Landwirtschaft in der Zusammenarbeit liegt. Die ‚alte‘ Generation muss den Hofübernehmer:innen die Chance geben, Neues auszuprobieren und Verantwortung zu übernehmen. Gemeinsam können wir Strategien entwickeln, die den Hof für die Zukunft rüsten. Es ist wichtig, offen für innovative Lösungen zu sein. Ich bin stolz darauf, den elterlichen Betrieb übernehmen zu können. Es ist eine erfüllende Arbeit, die mir die Möglichkeit gibt, mich selbst zu verwirklichen und einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.
Mit viel Herzblut und Know-how können besonders junge Landwirt:innen die Zukunft der Landwirtschaft gestalten. Wir sind Unternehmer:innen mit großer Verantwortung. Durch unsere Arbeit werden Lebensmittel nachhaltig produziert und unsere Kulturlandschaft erhalten. Diese Aufgabe stimmt mich zuversichtlich“, so die 23-Jährige.
Mutig und engagiert die Zukunft gestalten
Mit Mut, Engagement und einem innovativen Mindset können Bäuerinnen wie Karin und Johanna die Zukunft der Landwirtschaft prägen. Die beiden sind zwei von insgesamt rund 18.500 starken Bäuerinnen in Tirol. Es geht darum, selbstbewusst aufzutreten und sich die Verantwortung zuzutrauen. Das Netzwerk der Tiroler Bäuerinnen bietet Rückhalt, Möglichkeiten zur Weiterbildung und Sicherheit.
Bei der „LK BÄUERINNEN Tirol“ haben alle Platz
Familie Halbfurter bewirtschaftet einen biozertifizierten Greencare-Betrieb in Dölsach in Osttirol. 2018 erfolgte am Hanserhof die Umstellung von Milchviehhaltung zum Hanfanbau. Familie Feichtner bewirtschaftet einen kleinen Milchviehbetrieb in Breitenbach. Derzeit wird der Schneiderhof von Johannas Eltern geführt. Die Landesgeschäftsführerin der lk Bäuerinnen Tirol übernimmt den Hof, wenn die Zeit reif dafür ist.
Die Tiroler Bäuerinnen: So abwechslungsreich wie der Beruf der Bäuerin ist auch die Organisation der lk Bäuerinnen Tirol. Ganz wichtig: In der Bäuerinnenorganisation haben alle Platz!
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