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„Braucht es dich überhaupt?“

Die Gleichstellungsexpertinnen des AMS Tirol mit Beatrix Hammer (vorne Mitte) | arnois |
© AMS

Diese Frage bekomme ich oft gestellt, meist von Menschen außerhalb des AMS. Ich bin Gleichstellungsbeauftragte des AMS Tirol. Und ob so eine Funktion in einem Unternehmen gebraucht wird, kann ich nur mit einem klaren „Ja“ beantworten.

Das AMS hat bereits seit Jahrzehnten die Gleichstellung im Unternehmen eingeführt und Kolleg_innen vor mir haben dem Thema im AMS den Weg geebnet. Die Gleichstellung wird im AMS intern und extern verstanden.

Extern, also für Arbeitsuchende – und für diese Personen bin ich zuständig –, ist Gender Budgeting ein klares Ziel des AMS. Gender Budgeting bedeutet, dass der Anteil der Fördermittel, die im AMS jährlich ausgegeben werden, für Frauen um vier Prozentpunkte über dem Arbeitslosenanteil der Frauen liegen soll. Frauen werden sozusagen „überfördert“, damit die Gleichstellung zwischen Männern und Frauen weiter vorangetrieben werden kann. Gleichstellung haben wir in Tirol, ebenso wie im Rest von Österreich, leider noch nicht erreicht. Unser Ziel, Frauen mehr zu fördern, jedoch sehr wohl.

Gender Budgeting. Warum ist das wichtig?

Noch immer unterbrechen wesentlich mehr Frauen ihre Erwerbskarriere durch die Geburt eines Kindes als Männer. Frauen sind nach der Karenz mit der Situation konfrontiert, dass Familie und Beruf oft nicht einfach zu vereinbaren sind. Das führt dann meist zu Teilzeitarbeit. In Österreich arbeiten nur 18,9 % aller Frauen mit Kindern unter 15 Jahren Vollzeit – Männer hingegen arbeiten zu 85 % in Vollzeit (2022). Das hat Auswirkungen. Auf das Lebenseinkommen. Auf die Pension. Auf die finanzielle Unabhängigkeit.

Zur Gleichstellung gehört meiner Meinung nach auch die Aufteilung der Sorgearbeit in der Familie.“

Beatrix Hammer, Gleichstellungsbeauftragte AMS Tirol

Aufteilung der familiären Sorgearbeit

Diese Aufteilung zu Hause klingt einfacher, als sie ist. Es muss nämlich Überzeugungsarbeit geleistet werden, selbst wenn das Paar sich einig ist – gegenüber Dienstgeber_innen, Familie, Freunden, Nachbarn etc. Jahrhundertealte Rollenbilder lassen sich nicht so schnell aus den Köpfen bringen. Als Gleichstellungsbeauftragte ist es mir daher wichtig, darauf aufmerksam zu machen.

So habe ich an der Podiumsdiskussion „Tiroler Frauensalon“ teilgenommen, um mit Landesrätin Mag.a Eva Pawlata und Christine Abdel-Halim über das Thema Geschlechterstereotypen und fest verankerte Rollenbilder zu diskutieren. Diese Rollenbilder zeigen sich auch an Gewalt gegen Frauen.

Das AMS Tirol nimmt an wichtigen Kampagnen wie „Orange the World“ teil. Gewalt, Demütigung oder Belästigung dürfen nicht im Verborgenen bleiben. Wir bieten in Kooperation mit dem Frauenhaus Tirol Weiterbildungen für AMS-Mitarbeitende an, um für dieses Thema zu sensibilisieren.

War’s das?

Es geht als Gleichstellungsbeauftragte auch darum, den Fokus auf Ungleichheiten abseits der Kategorie des biologischen Geschlechts zu legen. So sind beispielsweise Trans_personen häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen. Auch Menschen mit Migrationsgeschichte erleben Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt, da sie häufiger unter prekären Arbeitsbedingungen beschäftigt sind. Der Arbeitsmarkt muss also analysiert werden, um Ungleichheit zu erkennen, und das tun wir.

Und all das mache ich natürlich nicht alleine. Mein Team, bestehend aus Kolleginnen in den regionalen AMS-Geschäftsstellen, unterstützt mich dabei tatkräftig.

Das arbeitsmarktpolitische Frauenprogramm des AMS Tirol

Als Gleichstellungsbeauftragte bin ich auch für das arbeitsmarktpolitische Frauenprogramm des AMS Tirol zuständig. Durch verschiedene Projekte werden Frauen unterstützt, um am Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein. Dazu gehört beispielsweise das Programm Frauen in Handwerk und Technik (FiT), welches Frauen eine Ausbildung im handwerklichen und technischen Bereich finanziert. Das Frauenberufszentrum bietet individuelle Beratung und Unterstützung beim Neu- und Wiedereinstieg und bei der Karriereplanung. Für Frauen, die nach der Karenz wieder ins Erwerbsleben einsteigen wollen, hat das AMS ein eigens abgestimmtes Angebot, um bei der Berufsorientierung und Jobsuche zu unterstützen.